Nein, noch habe ich nicht jeden Beitrag gelesen. Das spare ich mir auf für die vielleicht etwas ruhigeren Advents- und Weihnachtstage, was sich gewiss die alten und neuen Freunde dieser Schriftenreihe ebenfalls vorgenommen haben.

Wechsel in der Federführung
ist vollzogen

Dennoch fiel bereits bei einem ersten Durchblättern (und natürlich gelegentlichem „Festlesen“ ) einiges Spannende auf: Einmal hat just mit dieser Ausgabe ein Wechsel in der Federführung für den Herzberger Kalender stattgefunden. Der Pädagoge im verdienten Ruhestand Horst Gutsche, der die Reihe vor 14 Jahren wieder ins Leben gerufen hatte, übergab die verantwortungsvolle Rolle des „Kalendermannes“ mit der 25-jährigen Studentin Stephanie Kammer an eine junge „Kalenderfrau“ . Beide Protagonisten melden sich auch im Heft selbst zu diesem Vorgang zu Wort, und schon diese Zeilen der beiden Heimatfreunde geben dem Leser einen Einblick in die gedankliche Welt, in die Sorgen und Wünsche, vor allem aber die Dankbarkeit den anderen emsigen Mitstreitern gegenüber, kurz: Beleg für inneres Engagement, ohne das eine solche ehrenamtliche Arbeit nicht zu leisten ist.
Besonders angenehm dabei, wenn Horst Gutsche in seinem Vorwort seiner Freude darüber Ausdruck verleiht, dass es nun (auch seine) Schüler sind, die diese Tätigkeit sowohl in seinem Sinne, aber auch mit eigenen Ideen fortzusetzen bereit sind. Und Stephanie Kammer macht in ihrem Nachwort kein Hehl daraus, dass sie eingangs den quantitativen Aufwand ebenso unterschätzt habe wie den qualitativen Anspruch, dem sie freilich auch fürderhin gerecht werden wolle. Beides scheint dem Leitungs-Team Gutsche / Kammer im „Wechseljahr“ gelungen zu sein.
Ein Weiteres freut mich als unbefangenen Betrachter der Schrift: Fand ich doch mit dem Jessener Paul Träger auch einen Autor aus meiner bisherigen beruflichen Heimat im Nachbarkreis, ein Mann zudem, der mir in den zurückliegenden Jahren zum väterlichen Freund geworden ist. Man schaut also von Herzberg aus auch bei der Gestaltung des Heimatkalenders über den Gartenzaun hinaus, pflegt die in Jahrzehnten gewachsenen Kontakte zu den territorialen Nachbarn, auch wenn es mittlerweile sogar eine Landesgrenze zwischen Herzberg und Jessen gibt. Die gemeinsame Geschichte der verwandten Regionen ist damit offenbar nicht aufzuheben.
Auch die Rückschau auf 425 Jahre Neugraben von Gerold Glatte aus Gröden ist hier einzuordnen. Wurde dieses wassertechnisch einst bedeutsame Bauwerk doch von der legendären „Mutter Anna“ , Frau des sächsischen Kurfürsten Augusts I., maßgeblich initiiert. In erster Linie freilich, um im Jagdschloss der Fürsten im damaligen Lochau - heute Annaburg - die Park- und Gartenanlagen zu bewässern.

Die Regionen bleiben weiter
eng verbunden

Dass ich also den Beitrag von Paul Träger über das „Eisernten“ als ersten gelesen habe, mögen mir die anderen Autoren des Heimatkalenders verzeihen. Es ist halt der Verbundenheit zu einem Nestor der Heimatforschung geschuldet. Außerdem bedient Paul Träger mit seinem Aufsatz das Grundthema des Herzberger Kalenders in idealer Weise: Es geht wesentlich um die Traditionen des Handwerkes in der Region, die wieder zu beleben heutzutage mehr als nur einen nostalgischen Aspekt hat. Für viele Menschen könnte dieser Wirtschaftszweig auch in der weiteren Zukunft die Existenzgrundlage schlechthin bleiben. Denn an größere Industrieansiedlung - und hier denke ich auch an den hochbrisanten Kalenderbeitrag über die Geschichte der Chemischen Fabrik Altherzberg - ist hier in absehbarer Zeit nicht zu denken. Und im Interesse der besonderen Natur dieses Landstriches ist dies vielleicht auch nicht zwingend wünschenswert.
Die Vielfalt der einstigen hier ansässigen Gewerke und Zünfte könnte gar anregend sein für heutige Innovationen der besonderen Art. Von Schmieden ist da die Rede und von Böttchern, von Ziegelbrennern und Pumpenbauern, von Kürschnern, Stellmachern und Leinewebern. Diese Aufzählung ist bei Weitem nicht vollständig. Und wenn Stephanie Kammer in einem gesonderten Beitrag aus diesen Berufen die in der Region weit verbreiteten Familiennamen ableitet und zuordnen kann, dann liest sich dies so spannend wie ein Krimi.
Zur gediegenen Gestaltung des Heimatkalenders trugen neben dem Kultur- und Heimatverein nicht wenig die Elsterwerkstätten gGmbH bei.