ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:05 Uhr

Hörtest für Säuglinge jetzt möglich

Dr. Jaskulla (r.) freut sich über das neue Gerät.
Dr. Jaskulla (r.) freut sich über das neue Gerät. FOTO: Foto: Dietmar Seidel
Elbe-Elster-Kreis.. Dem gesunden Menschen wird es nur selten bewusst: Gehörlos zu sein bedeutet, ein Leben lang von der kommunikativen Welt der Laute ausgeschlossen zu sein. Ein Kind von 4000 Kindern in Deutschland kommt jährlich mit einer beidseitigen Taubheit zur Welt. Kraft Stöber

Da sind die Kinder mit einseitiger Taubheit - die Rate liegt bei acht Prozent - noch nicht eingerechnet. Die Taubheit oder Schwerhörigkeit wird aber im Durchschnitt erst mit zwei bis drei Jahren festgestellt. Dann ist das „Zeitfenster“ verpasst, in dem mit den Möglichkeiten der modernen Medizin noch Korrekturen hätten vorgenommen werden können.
Martin Jung, der Präsident des Lions-Clubs, bringt es auf den Punkt: „Die lebenslange Behandlung eines gehörgeschädigten Menschen, angefangen bei der Diagnose, über Operationen, Behandlungen bis hin zum Hörgerät und den ständigen Arztbesuchen, kostet die Kasse 1,5 Millionen Euro. Wenn mit dem Gerät auch bei nur einem einzigen Patienten die Hörprobleme rechtzeitig erkannt werden, hat es sich schon rentiert.“ Die Entscheidung, die Mittel des Clubs hier zu investieren, fiel nicht leicht. Die Bedürftigkeit sei allenthalben groß. Bisher seien oft Einzelschicksale unterstützt worden, hier erwarte man aber ganz bewusst eine Breitenwirkung. „Meist war es auch so, dass der Schaden schon eingetroffen war und wir konnten mit unseren Mitteln nur eine Linderung herbeiführen. Hier wollen wir die Möglichkeit schaffen, Schäden früh zu erkennen und zu reparieren.“ 3500 Euro hatten die dreißig Mitglieder des Lions-Clubs Finsterwalde-Sängerstadt aufgebracht, das Gerät, das in einen Koffer passt, gekauft und dem Chefarzt der Geburtshilfe / Gynäkologischen Abteilung, Dr. Jaskulla, übergeben. Der gestand: „Ich habe erst einmal Fachliteratur gewälzt, als ich den Anruf bekam, der die große Überraschung ankündigte.“ Dann sei ihm die volle diagnostische Breite, die mit so einem Gerät abgedeckt werden kann, erst richtig bewusst geworden. „Wir haben nun etwas, das wir nicht nur hier anwenden werden, sondern das alle niedergelassenen Kollegen genau so nutzen können wie HNO-Spezialisten. Wir werden alle informieren.“
Mit einem Gläschen Sekt und vielen freundlichen Worten bedankte sich der Chefarzt bei den drei Mitgliedern des Lions-Clubs, die ihm den silbernen Koffer in die Station getragen hatten. „Eigentlich“ , so bekundeten die Spender des modernen Gerätes, „wäre es uns lieber, wenn sie damit niemals ein nicht hörendes Baby entdecken.“ Dr. Jaskulla strahlte: „Wenn immer negative Befunde angezeigt werden, hätte das Gerät seine Funktion in der bestmöglichen Weise erfüllt.“