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| 02:37 Uhr

Herzbergs Top-Athletin ist unter der Haube

Ein glückliches Brautpaar, das nach der Trauung am Freitag die Glückwünsche auch vieler Herzberger entgegennahm - Yvonne und Matthias Pijahn.
Ein glückliches Brautpaar, das nach der Trauung am Freitag die Glückwünsche auch vieler Herzberger entgegennahm - Yvonne und Matthias Pijahn. FOTO: Rudow
Herzberg. Die zweifache Bronze-Medaillengewinnerin der Paralympischen Spiele von Sydney und mehrfache Europameisterin sowie Vize-Weltmeisterin im Rollstuhlsprint Yvonne Sehmisch und ihr langjähriger Freund, der Berufssoldat Matthias Pijahn, sind seit gestern Mittag ein Ehepaar. Im Herzberger Rathaus haben sie sich das Ja-Wort gegeben. Birgit Rudow

Sportinteressierte und Fans der Behindertensportlerin werden sich jetzt an den Namen Yvonne Pijahn gewöhnen müssen. Die 38-Jährige hat mit der Hochzeit den Namen ihres langjährigen Freundes angenommen. "Sicher ist Sehmisch im Behindertensport ein Begriff, aber ich möchte den Namen meines Mannes tragen", sagt sie.

In der Hochzeitskutsche des Züllsdorfer Reit- und Fahrvereins ging es gestern zum Standesamt - Yvonne im ivoryfarbenen Brautkleid und mit dezentem Schleier und ihr Mann Matthias im dunklen Anzug. Seit sieben Jahre sind Yvonne und Matthias ein Paar. Warum sie gerade jetzt heiraten? Einen besonderen Grund gibt es dafür nicht. "Das verflixte siebente Jahr ist rum. Und sieben Jahre reichen eigentlich als Probezeit", meint Matthias Pijahn.

Der 38-jährige Kommunikationselektroniker (er ist ein halbes Jahr jünger als Yvonne) ist von Hause aus Köthener. Nach seinem Grundwehrdienst ist er der Bundeswehr treu geblieben und hat die Berufssoldatenlaufbahn eingeschlagen.

Der Hauptfeldwebel arbeitet heute im CRC Schönewalde im Stabsbereich und ist dort für die Technik zuständig. Insider ahnen schon, dass sich Yvonne und Matthias nicht beim Sport, sondern bei der Arbeit am Bundeswehrstandort kennengelernt haben. "Das fing alles ganz unspektakulär an. Wir hatten dienstlich ab und an mal mitein-ander zu tun. Daraus ist dann mehr geworden. Und jetzt sind wir seit fast genau sieben Jahren zusammen", sagt sie.

Auf die Frage, was ihr an ihrem Matthias besonders gefällt, antwortet Yvonne: Einfach alles. Besonders aber liebe sie ihn dafür, dass er sich vorbehaltlos auf ihre Behinderung eingelassen hat. Die 38-Jährige ist von Geburt an querschnittsgelähmt. "Das hat Matthias überhaupt nicht gestört. Er hat es zugelassen, dass zwischen uns etwas entstehen konnte. Es gibt ja viele, die vor einer Behinderung zurückschrecken. Er nicht", sagt Yvonne.

Für Matthias Pijahn war die Behinderung seiner Frau nie ein Problem. "Es ist sogar vorgekommen, dass ich mit ihr im Auto losgefahren bin und der Rollstuhl stand noch draußen. Ich habe gar nicht an ihn gedacht. Den Rollstuhl merke ich eigentlich nur, wenn sie mir damit aus Versehen mal über die Füße fährt", sagt er. Der 38-Jährige schätzt Yvonnes Humor, wie er sagt, und "ihr liebes, nettes Aussehen". Die beiden, so sagen sie, verstehen sich ohne Worte. Blicke verraten, was der andere denkt. In der Partnerschaft zwischen Matthias und Yvonne spielt der Sport der 38-Jährigen natürlich eine bedeutende Rolle. Seit dem Beginn ihrer Beziehung hat Matthias, wenn der Dienst es zugelassen hat, die Athletin zum Training, zu Wettkämpfen oder zu Veranstaltungen und Ehrungen begleitet, auch ins Ausland. Er ist selbst sportbegeistert und an der Karriere seiner Frau beteiligt. Darüber ist sie sehr glücklich. "Ich bin viel unterwegs, und wenn der Partner dafür kein Verständnis und Interesse hat, funktioniert eine solche Beziehung nicht", sagt Yvonne.

Der Sport wird auch weiterhin eine große Rolle im Hause Pijahn spielen. Nachdem der Leichtathletikverband der Behindertensportler Yvonne trotz erreichter Qualifikationsnorm die Teilnahme an den Paralympics in London verwehrt hatte, hat sie mit sich gehadert, wie es weitergehen soll mit dem Sport. Jetzt hat sie sich entschieden: Ihr Rennrollstuhl hängt mittlerweile an der Decke im heimischen Flur.

Dafür hat sie sich ein Handbike zugelegt. Yvonne Pijahn gehört jetzt nicht mehr zu den Leichtathleten, sondern zu den Radsportlern und bekommt von Profis und Trainern in Cottbus Unterstützung und so manch guten Rat. "Ich bleibe dem Sport treu, aber mit dem Hand bike bin ich noch in der Findungsphase. Hier ist alles anders. Das Sitzverhalten, die Muskelgruppen, die beansprucht werden. Das ist ein hartes Stück Arbeit und braucht Zeit", sagt sie. Dass diese Sportart seit 2004 ebenfalls olympisch ist, soweit will sie jetzt noch gar nicht denken.

Das Bike haben sie und ihr Mann gestern nicht gebraucht. Für solch einen Tag eignet sich die Hochzeitskutsche besser. Gefeiert wurde mit der Familie und engen Freunden in der Grillhütte in Grochwitz. "Schließlich ist es ein besonderer Tag, den wir nur einmal erleben und genießen möchten", so das junge Paar.