Von Birgit Rudow

Die Herzberger lieben ihren Tierpark in Grochwitz. Vor allem, aber natürlich bei weitem nicht nur, zum Tierparkfest. Das ganze Jahr über tummeln sich hier Kindergartengruppen und Schulklassen. Großeltern steuern mit ihren Enkelkindern das Areal gern und regelmäßig an, und so mancher Erwachsene spaziert durch den Park und genießt die nur durch Vogelgezwitscher, Eselsrufe oder Schafgeblöke unterbrochene Ruhe. Zu schauen gibt es hier immer etwas bei den Kamelen, Affen, Ziegen oder Hängebauchschweinen.

Dennoch ist nicht zu übersehen, dass der Park an vielen Stellen dringend eine Generalüberholung und auch eine Neuordnung braucht. Der Förderverein Freunde des Tiergeheges Grochwitz müht sich seit Jahren, den Tierpark punktuell attraktiver zu gestalten. Sein größtes Projekt (und größter Wunsch) ist zum Beispiel die Erdmännchenanlage.

Als außerschulischen Lernort etablieren

Die Stadt Herzberg „leistet“ sich das Gehege als freiwillige Aufgabe mit sechs Mitarbeitern und einem jährlichen finanziellen Aufwand von etwa einer Viertelmillion Euro am Rande des Machbaren. Mehr ist nicht drin. Und doch muss man sich Gedanken machen, wie das Gehege aufgepeppt werden kann, um es zukunftssicherer und noch attraktiver zu gestalten. So sollen die Besucherzahlen steigen, und der Park soll sich vor allem noch besser als außerschulischer Lernort etablieren.

Deshalb hat die Stadt einen Ziel- und Entwicklungsplan für das Tiergehege erarbeiten lassen und sich dabei der jungen Agentur A & A Parkdesign aus der Nähe von Hannover bedient. Für die Herzberger ist Inhaber Markus Köchling kein Unbekannter. Er ist im Erlebnis-Zoo Hannover als Tierpfleger tätig und organisiert europaweit Tiertransporte. Auch für den Herzberger Tierpark hat er solche Transporte schon absolviert. Seit kurzem sind er und seine Mitarbeiterin Jeanette Heindorf auch im Bereich Zoodesign tätig, unterbreiten Ideen für die Gestaltung von Gehegen und planen sie mit den Einrichtungen und Architekten. „Wir glauben, dass Markus Köchling für unsere Vorhaben sehr kompetent ist“, sagt Herzbergs Stadtplanerin Janett Lehmann.

Gibbons und Mufflons sollen umziehen

Sie hat in dieser Woche das für das Tiergehege Grochwitz erarbeitete Planungskonzept sowohl im Bauausschuss als auch im Kultur- und Bildungsausschuss vorgestellt. Danach soll der Eingangsbereich mit einem Portal neu gestaltet werden. Das Gehege für die Gibbon-Affen wird einen anderen Platz bekommen, da es in seiner jetzigen Form bald auch nicht mehr genehmigt werden wird. Die Planer schlagen vor, die Gibbons auf die Insel des vorderen Teiches umziehen zu lassen und eine neue Gibbonhalle mit Besuchervorhalle zu bauen. Insel und Haus werden mit einem Steg verbunden sein. Die alte Gibbonanlage könnte dann von Tieren wie Steppenfüchse oder andere Affenarten „nachgenutzt“ werden.

Die Emu- und die Känguruanlage würden die Planer gern zusammenlegen und das Stallgebäude zu einer Besucherlounge umbauen. Die Sittichanlage soll größer werden. Intuition der Planer ist es bei allen Vorhaben, die Besucher noch dichter an die Tiere heranzubringen. Dazu sollen an verschiedenen Stellen auch so genannte Edutainmentstationen, eine Mischung aus Erlebnis, Spiel und Spaß, dienen

Ganz am Ende des Tiergeheges, noch hinter den Eseln, befindet sich derzeit die Mufflonanlage am ehemaligen Eiskeller für das Schloss. Sie wird von vielen Besuchern gar nicht wahrgenommen. Deshalb wird vorgeschlagen, die Mufflons perspektivisch mit dem Damwild im Damwildgehege zu vereinen, das zum Beispiel auch eine Aussichtsplattform erhalten soll.

Erdmännchenanlage ist großer Wunsch

Ein besonderes Vorhaben ist die neue, etwa 87 Quadratmeter große Erdmännchenanlage. Sie wird im hinteren Teil des linken Bereiches entstehen. Von einer Aussichtsbrücke sollen die Tiere auch von oben beobachtet werden können. In der Anlage befinden sich dann auch öffentliche, behindertgerechte Toiletten, die derzeit im Tiergehege fehlen.

Mit zunehmender Realisierung der Vorhaben wird ein Rundweg entstehen, in den auch der Wirtschaftshof als Erlebnisbauernhof mit eingebunden werden kann. Noch ist der Weg durch den abgesperrten Wirtschaftsbereich der Tierpfleger unterbrochen. Bessere Arbeitsbedingungen für das Personal sind ein weiterer wichtiger Faktor in der Planung. Die Büro- und Sozialgebäude könnten in Containerbauweise dort aufgestellt werden, wo sich jetzt das völlig unzulängliche, als Büro genutzte Gartenhäuschen befindet.

Der Ziel- und Entwicklungsplan enthält noch viele weitere detailliertere Aspekte. Für die Umsetzung mit einfachen Mitteln und Materialien veranschlagen die Planer Materialkosten von etwa 280 000 Euro. Dieses Konzept ist aber noch längst nicht in Stein gemeißelt. „Es ist eine Richtschnur. Das heißt nicht, dass wir alles genau so umsetzen müssen. Vor allem ist es auf einen längeren Zeitraum angelegt. Schon allein deshalb, weil wir schauen müssen, wo wir Fördermittel generieren können, um die Vorhaben zu finanzieren“, sagt Janett Lehmann. Deshalb hat die Stadt das gesamte Projekt auch in die Hände des Fördervereins gegeben.

Was Fördermittel betrifft, gibt es aber bereits gute Nachrichten. Der Vorstand der Lokale Aktionsgemeinschaft Elbe-Elster hat Ende Januar weitere Projekte ausgewählt, die einen Förderantrag für das Leader-Programm einreichen dürfen. Dazu gehört auch der Antrag des Fördervereins zum Tierpark Herzberg über 150 000 Euro. Er kann im April beim zuständigen Landesamt in Luckau gestellt werden. Profitieren könnte davon unter anderem die Erdmännchenanlage. Für sie hat der Förderverein schon zahlreiche Spenden gesammelt, die er als Eigenanteil (bei Leader handelt es sich um eine 80-Prozent-Förderung) leisten könnte.

Neue Schilder sind in Arbeit

In Arbeit ist auch eine neues Beschilderungssystem für den Tierpark. Die Platten sind bereits fertig. Sie müssen aber noch montiert werden. Dieses Vorhaben wird mit 5000 Euro aus dem Leader-Programm für kleine Maßnahmen gefördert. „So müssen wir sehen, wie wir das Konzept in den nächsten Jahren Schritt für Schritt umsetzen können. Die Haushaltssituation in Herzberg lässt es nicht zu, dass wir jetzt einfach drauflosbauen“, sagt die Stadtplanerin. Unter dieser Prämisse haben die Abgeordneten beider Fachausschüsse dem Ziel- und Entwicklungsplan für das Tiergehege Grochwitz in dieser Woche auch ihr OK gegeben.