| 01:24 Uhr

Herzberger Teleskoptreffen: Jeßnigk an ISS, bitte kommen!

Der lizensierte Funkamateur Günter Adler versuchte, eine Verbindung zwischen Jeßnigk und der ISS herzustellen. Foto: rng1
Der lizensierte Funkamateur Günter Adler versuchte, eine Verbindung zwischen Jeßnigk und der ISS herzustellen. Foto: rng1 FOTO: rng1
Jeßnigk. Mehr als 500 Astronomen besuchten am vergangenen Wochenende das 12. Herzberger Teleskoptreffen in Jeßnigk. Ausgestattet mit zum Teil selbstgebauten Fernrohren nutzten sie die geringe Lichtverschmutzung, um gemeinsam Ausschau nach den Sternen zu halten. Von Markus Reiniger

"Wow, hier scheinen sich echt alle zu treffen", freute sich Oliver Homberg aus Menden (Sauerland) am vergangenen Samstag über das sehr gut besuchte 12. Herzberger Teleskoptreffen. Mehr als 500 Kilometer hatten er und seine Begleitung auf sich genommen, um am Wochenende gemeinsam mit anderen Astronomen Erfahrungen auszutauschen und Himmelskörper zu beobachten. "Die Sicht ist hier wirklich extrem gut", lobte er die Voraussetzungen in Jeßnigk und gab freimütig zu: "Damit kann man den Himmel bei uns zu Hause nicht vergleichen." Dazu komme die "Gutwettergarantie" bei den Herzberger Teleskoptreffen: Seit der ersten Auflage im September 2000 gab es während der Veranstaltungen keine einzige Nacht, in der die zahlreichen Fach- und Amateurastronomen gar keine Sterne erkennen konnten.

Mit seiner Anreise quer durch Deutschland war der Sauerländer allerdings nicht der Exot des 12. Treffens: Einige Gäste aus Schweden, Tschechien, der Schweiz und Liechtenstein gaben dem Event eine internationale Komponente, die von den Organisatoren - allesamt Vereinsmitglieder des "AstroTeam Elbe-Elster e.V." - mit zum Teil dreisprachigen Programmpunkten berücksichtigt wurde.

Ein Highlight, auf das sich die Besucher aller Nationen einigen konnten, war zweifelsohne der Versuch der Veranstalter, ein Live-Funkgespräch mit der ISS (Internationale Raumstation) herzustellen und dieses mittels Lautsprecher auf dem gesamten Campingplatz hörbar zu machen. "Wir wollen Kontakt über die ISS aufnehmen und damit weltweite, freundschaftliche Verbindungen ermöglichen", erklärte Günter Adler, Mitglied des "AstroTeam Elbe-Elster e.V.", das Vorhaben.

Anhand von Keplerdaten, die sich der lizensierte Funkamateur von der NASA übermitteln ließ, konnte er die Position der bemannten Raumstation ausmachen und damit den Einzugskreis der Funkwellen feststellen. Für einen Zeitraum von 10 bis 20 Minuten ermöglicht sich auf diese Weise der Kontakt zwischen irdischen Amateurfunkern über die ISS und - mit ein wenig Glück - auch eine Verbindung zu den Crewmitgliedern. "Das ist aber alles vom Zufall abhängig, weil nichts vereinbart werden kann und wir nur den für Funkamateure freigegebenen Frequenzbereich nutzen dürfen", gab Günter Adler am Samstag zu bedenken und bremste vorzeitige Euphorie. Auf die Frage, worüber man sich im Falle eines Erfolges denn so unterhalten würde, antwortete er: "Man tauscht Namen, den Standort, das aktuelle Wetter sowie Daten über die Stations- und Antennenausrüstung aus." Außerdem senden sich die Funker untereinander so genannte QSL-Karten, die als Empfangsbestätigung fungieren und Informationen über den Tag, die Frequenz und die Modulationsart enthalten.

Am Sonntag, gegen 11 Uhr war es dann soweit: Günter Adler hatte zwar keine Verbindung zu den wissenschaftlichen Mitarbeitern, aber eine zum Amateurfunk-Computer der ISS. Sicher war noch eins: Das 12. Herzberger Teleskoptreffen bot mit seinem umfangreichen Programm, das von zahlreichen Workshops bis zu einem astrofotografischen Abend reichte, wieder eine tolle Plattform für hunderte passionierte Astronomen. Und der Rest steht sowieso in den Sternen.