ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:25 Uhr

Insignen der Macht
Neues Herzberger Stadtoberhaupt verschmäht die Schärpe

Karsten Eule-Prütz wird die Schärpe seines Vorgängers im Rathaus nicht tragen.
Karsten Eule-Prütz wird die Schärpe seines Vorgängers im Rathaus nicht tragen. FOTO: Privat / LR
Elbe-Elster. Die Insigne der Macht bleibt in Herzberg künftig im Schrank. In Elsterwerda und Bad Liebenwerda hingegen tragen die Bürgermeister seit einigen Jahren Amtsketten. Von Birgit Rudow und Frank Claus

Herzbergs Neu-Bürgermeister Karsten Eule-Prütz ist weit davon entfernt, nach seinem Amtsantritt zu Jahresbeginn im Rathaus gleich alles über den Haufen zu werfen. Von einem Relikt aber will er sich gern sofort trennen – von der Bürgermeisterschärpe seines Vorgängers. Den Beschluss dazu hat er im Hauptausschuss bereits erwirkt. Die Schärpensatzung wird gekippt. Widerrede von den Abgeordneten gab es dazu nicht, eher ein verständnisvolles Lächeln. „So was ist doch aus der Zeit. Ich habe ein gespaltenes Verhältnis dazu, zumal es bei der Schärpe keinen historischen Kontext gib. Außerdem gefällt sie mir nicht“, sagt er.

Das Tragen einer Bürgermeisterschärpe wurde in Herzberg in Ermangelung einer Amtskette per Satzung im Jahr 2005 auf Wunsch des damaligen Bürgermeisters Michael Oecknigk eingeführt. Dieser trug das grün-weiße Band mit dem großen gelben Schriftzug „Herzberg Elster“ fortan zur Repräsentation bei feierlichen und kommunalpolitisch wichtigen Anlässen. Karsten Eule-Prütz legt darauf wenig Wert, und das nicht nur, weil ihm die Schärpe etwas zu groß sein dürfte. Einmal hat er sie angelegt, aber eher zum Spaß. „Ich bin nicht der Typ für solche Machtinsignen“, beendet er das Thema.

Was allerdings nicht das Ende der Herzberger Bürgermeisterschärpe bedeuten muss. Das gute Stück soll im Rathaus ein Plätzchen finden, vielleicht sogar ausgestellt werden. Es könne ja sein, dass sein Nachfolger einmal Gefallen daran findet, so Eule-Prütz.

31.Januar 2018: Altbürgermeister Dieter Herrchen legt der neuen Bürgermeisterin Anja Heinrich die Amtskette an.
31.Januar 2018: Altbürgermeister Dieter Herrchen legt der neuen Bürgermeisterin Anja Heinrich die Amtskette an. FOTO: Frank Claus / LR

Aber kann eigentlich jedes Stadt- oder Amtsoberhaupt mit Amtsketten oder Bürgermeisterschärpen verfahren wie es will? Ja und nein, sagt dazu das Brandenburger Innenministerium. Vorschriften auf Landesebene gibt es nicht. Einzelne Gemeinden hätten das in ihrer jeweiligen Hauptsatzung geregelt. Es ist also Sache der Abgeordneten, darüber zu befinden. Finsterwaldes ehemaliger Bürgermeister Johannes Wohmann zum Beispiel hat es in seiner Amtszeit mehrmals versucht, eine Bürgermeisterkette einzuführen. Doch die Mehrheit des Stadtparlaments hat das abgelehnt.

Anders als in Herzberg und Finsterwalde sieht es in Bad Liebenwerda und Elsterwerda aus. Hier tragen die Stadtoberhäupter Amtsketten. In historischen Dimensionen betrachtet aber noch nicht lange. Mit Dieter Herrchen hat erst der 76. Bürgermeister, der nach den historischen Archiven für Elsterwerda nachweisbar ist, in der Geschichte der Stadt eine Amtskette getragen. Umgehangen wurde sie ihm im August 2011 im Rahmen der Feierlichkeiten zur 800-Jahrfeier der Stadt von Anja Heinrich, der damaligen Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung. Und da mutet es ebenso besonders an, dass Dieter Herrchen am 1. Februar dieses Jahres die Kette an Anja Heinrich zurückgab – als erste Frau im Bürgermeisteramt in der Geschichte der Stadt.

Die Idee des Bürgermeisterschmucks hatte Eckart Schmidtchen, der in Elsterwerda ein Juwelier- und Uhrengeschäft betreibt und die Kette auch finanziert hat. Gefertigt hat sie sein damaliger Goldschmiedgeselle Marcus Biesecke. Mehrere Wochen Arbeit stecken in dem 36-gliedrigen Schmuckstück, das knapp 500­ Gramm wiegt. Mehr als 300­ Gramm davon sind Silber. Gearbeitet ist die Kette aus allen Talern der Historischen Einkaufsnacht, die seit 2003 herausgegeben wurden, und aus grünen Malachitsteinen. Diese sollen die Entstehung Elsterwerdas auf einer Insel an der Elster symbolisieren, sagte Marcus Biesecke damals. Auch das Wappen der Stadt Elsterwerda fehlt nicht. Es besteht aus Schmuck-Email.

Bad Liebenwerdas Amtskette ist ebenfalls aus einem denkwürdigen Anlass für die Stadt übergeben worden – und zwar 1994 an den damaligen Bürgermeister Detlev Leissner. Er hat sie aus den Händen der damaligen Geschäftsführer der Reiss Büromöbel GmbH, Harald Lax, und der Dienstleistungs-GmbH DHH, Jochen Heinich, erhalten. Mitfinanziert haben die Kette die Mineralquellen und die Tecoss GmbH. Umgehangen wurde sie Detlev Leissner im Festzelt auf der Kurstadtwiese am 3. Oktober zur Festveranstaltung aus Anlass des 4. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung. Dieser Tag war noch in anderer Hinsicht für die Kurstadt bedeutsam: Detlev Leissner konnte die von der damaligen Brandenburger Gesundheitsministerin Regine Hildebrandt unterzeichnete Urkunde präsentieren, die Bad Liebenwerda berechtigte, als erste Stadt in Brandenburg den Titel „Staatlich anerkanntes Heilbad“ zu tragen.

Der Amtskette, die getreu des Wappens der Stadt, in Herzform gestaltet ist, wurde vom Maasdorfer Designer Uwe Schaffranietz entwickelt. Sie besteht aus Sterling-Silber und trägt neben dem Wappen Bad Liebenwerdas die der 13 Ortsteile der Kurstadt und der beiden Partnerstädte Nowe Miasteczko (Polen) und Lübbecke (NRW). Heute legt sie sich Bürgermeister Thomas Richter bei allen festlichen Anlässen an. Verwahrt wird sie in einer eigens gefertigten, wertvollen Schatulle.

Zu einer Amtskette hat es für Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel zwar noch nicht gereicht. Aber sie ist dennoch pfiffig genug, gewichtige Anlässe gebührend zu begleiten. Geht es um Projekte am Wasser, wie bei der Inbetriebnahme des Hafens oder um Termine beim Ruderverein, dann setzt sie sich gern mal die Kapitänsmütze auf. Straßenübergabe-Projekte hat sie schon mit eigens gestalteten Shirts begleitet. Vielleicht kann sich Karsten Eule-Prütz mit ähnlichen Requisiten anfreunden Es muss ja nicht immer silbern funkeln.

Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter mit Amtskette beim Neujahrsempfang. Neben ihm sein ehemaliger Amtskollege Dieter Herrchen.
Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter mit Amtskette beim Neujahrsempfang. Neben ihm sein ehemaliger Amtskollege Dieter Herrchen. FOTO: Mona Claus