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| 14:02 Uhr

Wiedersehen
Herzberger Leichtathleten schwelgen wieder in Erinnerungen

Herzberg. Ihr 4. Jahrestreffen findet Freitag im Naturschutzzentrum in Kleinrössen statt.

Zu ihrem 4. Jahrestreffen kommen am Freitag ehemalige Sportler der Sektion Leichtathletik der BSG Traktor Herzberg im Naturschutzzentrum Kleinrössen zusammen. Wie schon in den Jahren zuvor werden sie in Erinnerungen schwelgen, Fotos anschauen und Zeitungsausschnitte und Broschüren wälzen.

Die Herzberger Läufer, Werfer oder Springer vergangener Tage – sie sind heute Mitte 70 bis Mitte 80 Jahre alt – freuen sich auf diese Zusammenkünfte, die Dieter Kestin aus Falkenberg und der Rahnisdorfer Wilfried Gärtner, der in Wittenberg lebt, vorbereiten. Sie kommen dazu aus vielen Gegenden Südbrandenburgs oder Sachsen-Anhalts nach Herzberg.

Die Leichtathletik hatte einst in Herzberg eine stolze Tradition. Ende der 50er- und Anfang der 60er-Jahre war sie neben dem Fußball das sportliche Aushängeschild der Stadt. Wilfried Gärtner hat einige historische Fakten, vor allem Ergebnisse, zusammen getragen.

Die Sportgemeinschaft wurde 1946 als SG Konsum gegründet. Später wurde der Kreisbetrieb für Landtechnik Träger und die SG zu BSG Traktor umbenannt. Aber schon vor dieser Zeit wurde die Leichtathletik betrieben. Wilfried Gärtner hat recherchiert, dass der Herzberger Richard Graßmann 1920 bei den Deutschen Meisterschaften in Dresden die 5000 Meter in für die damalige Zeiten ausgezeichneten 16:04,2 Minuten gelaufen ist. Sie bedeutete damals einen Landesrekord für Sachsen.-Anhalt (bis zur Verwaltungsreform 1952 gehörte Herzberg zu diesem Bundesland, danach zum Bezirk Cottbus), der fast drei Jahre Bestand haben sollte.

Wilfried Gärtner führt weitere Erfolge aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg auf. Vor allem die jungen Leichtathleten aus Herzberg holten Titel und Medaillen bei DDR-Jugend- und Juniorenmeisterschaften sowie bei Landesmeisterschaften. Zu ihnen gehörte unter anderem Arno Brand, der 1950 bei den DDR-Jugendmeisterschaften im Hammerwerfen mit 27,30 Meter Zweiter wurde und im gleichen Jahr im Stabhochsprung mit 3 Metern einen DDR-Jugendrekord aufstellte. Adolf Kretzschmer wurde 1951 DDR-Jugendmeister im Hammerwerfen. Peter Winter hat 1952 bei den DDR-Juniorenmeisterschaften einen dritten Platz über 3000 Meter Hindernis erkämpft.

Neben den sportlichen Erfolgen war den Herzberger Leichtathleten von einst aber vor allem der Zusammenhalt in der Sportgemeinschaft wichtig. Das haben sie bei ihren ersten drei Jahrestreffen stets zum Ausdruck gebracht. Seine eineinhalb Jahre als aktiver Leichtathlet bei der BSG Traktor in Herzberg werde er nie vergessen. Sie hätten ihm viel für sein weiteres Leben gegeben, schrieb zum Beispiel Dieter Kestin in seinen Erinnerungen an diese Zeit.

Dieter Kestin war es auch, der Wilfried Gärtner zur Leichtathletik brachte. Der erinnert sich gern daran, dass die jungen Sportler bei Wettkämpfen durch ihre Trainer auch mit der Schönheit und der Geschichte der Wettkampforte vertraut gemacht wurden.

Am Freitag werden sie sich wieder viel zu erzählen haben, die Haudegen der Herzberger Leichtathletik, die sich 2015 zu ersten Mal wieder getroffen haben. Für viele war es das erste Wiedersehen nach 60 Jahren. Und da man nicht jünger wird, entstand der Wunsch nach jährlichen Zusammenkünften. Somit gehen die Treffen heute in ihre vierte und wohl noch lange nicht letzte Runde.