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| 01:09 Uhr

Herzberger Holz ist heiß begehrt

Herzberg.. Entgegen der allgemeinen Stagnation in der Wirtschaft boomt gegenwärtig die Holzindustrie. Die Sägewerke rattern auf Hochtouren, Zellulosewerke können den Bedarf der Papier- und Möbelindustrie kaum decken. Gewinner dieser Tendenz sind die Waldbesitzer. Zwar lassen sich mit ihrem Besitz noch immer keine Reichtümer scheffeln. Doch ganz so verlustreich, wie in den vergangenen Jahren, ist das Kapital Wald im Moment nicht mehr. Von Sylvia Kunze

Noch läuft die Holzernte. War das Geschäft mit der Motorsäge früher einmal auf die kalten Jahrestage beschränkt, so haben die Waldarbeiter nunmehr das gesamte Jahr über zu tun. Unaufhörlich durchforsten sie die Wälder, arbeiten die von den Revierförstern angewiesenen Pflegemaßnahmen ab. Über den Verkauf der gefällten Bäume müssen sich Waldbesitzer gegenwärtig keine Gedanken machen. „Der Bedarf an Holz steigt stetig. Und das bei allen Sortimenten“ , äußert Hubert Prause, Leiter der Oberförsterei Herzberg. Egal ob Laubholz (vor allem Eiche) oder Kiefer, jeder gefällte Stamm wird zur Weiterverarbeitung sehnlichst erwartet. Die Kurven der Plansoll-Diagramme schießen dabei in ungeahnte Höhen. Mussten durch die Oberförsterei im vergangenen Jahr noch 150 Festmeter Laubholz geliefert werden, so erwarten die Holzwerke in diesem Jahr 500 von ihnen. Ähnlich verhält es sich beim Nadelholz. Hier stieg die Anfrage von 5 000 auf 10 000 Festmeter an. Bedenkt man, dass moderne Unternehmen wie das neu errichtete Zellulosewerk in Stendal täglich etwa 1 000 Festmeter Holz verarbeiten, lässt sich erahnen, welch großer Bedarf somit zu decken ist. Beliefert werden durch die Oberförsterei Herzberg unter anderem Abnehmer in Templin, Drebkau, Torgau, Drochhausen, Baruth, Calau und Stendal, mitunter werden Lieferungen gar bis Rostock chauffiert.
Was aus den Hölzern letztlich einmal wird, hängt ganz von deren Qualität und Stärke ab. Stämme mit einem Mitteldurchmesser ab 20 Zentimeter werden beispielsweise zu Brettern, Stamm- oder Parkettholz verarbeitet. Weisen die Stammstärken geringe Größen auf, sind sie meist für die Bauindustrie vorgesehen. Bedingung hierfür ist aber, dass der auf drei, vier oder fünf Meter Länge gesägte Stamm eine Krümmung von weniger als einem Zentimeter pro laufendem Meter aufweist. So viel Qualität wird letztlich auch belohnt: mit zwei Euro mehr je Festmeter als im Vergleichszeitraum 2004. Industrieschichtholz, das Stammstärken unter zwölf Zentimeter oder sonstige Qualitätsmängel aufweist, geht meist in die Zelluloseverarbeitung. Diese Hölzer werden aus Herzberg überwiegend mit der Bahn ab Fermerswalde ausgeliefert.
Um den Waldbestand auch künftigen Generationen zu erhalten, gilt es für die Oberförsterei nachhaltig zu wirtschaften. Von den 18 900 Hektar, die ihr Arbeitsgebiet umfasst, zählen etwa 1 800 Hektar zum Landeswald und 2 000 Hektar zum Bundeswald. Der Rest ist in etwa 1 600 privaten Händen. Gleichwohl wird auch der auf Anfrage der Besitzer unter „Tätiger Mithilfe“ durch die Landesforstbediensteten bearbeitet. Dabei weisen die Revierförster die zu fällenden Bäume aus, helfen beim Verkauf und beraten bei der Wiederaufforstung und Pflege der Flächen. Das Fällen der Bäume übernehmen meist private Firmen mittels Harvester-Maschinen oder die zwölf für Oberförsterei tätigen Waldarbeiter.
Um den Wald zukunftsorientiert bewirtschaften zu können, müssen die Waldbesitzer spätestens 36 Monate nach einem Einschlag Neupflanzungen vornehmen. Kiefernbestände kommen nach etwa 40 Jahren erstmals in den Genuss der Pflege. Diese greift fortan aller fünf bis zehn Jahre. Ab einem Alter von 80 Jahren lässt sich bereits besseres Holz aus der Fläche herausholen. Eichen fallen nach frühestens 120 Jahren. Ideal sind bei ihnen 160 Jahre, bei der Kiefer 120. „Von diesem Zeitpunkt an ist das Holz voll ausgereift, weist kaum noch merkliche Zuwächse auf“ , erläutert Prause. Kahlschläge, wie sie vor Jahren noch üblich waren, sind heute verpönt. Statt dessen unterstützt das Land Brandenburg die privaten Waldbesitzer nach den Fällungen bei der Aufforstung von Laubholz. Förderungen von 85 Prozent werden hierfür gezahlt. Die gegen Verbiss notwendigen Gatter werden mit 65 Prozent Förderung finanziert.

Hintergrund Zum Vergleich
 Mit einem Waldanteil von 34 Prozent deckt das Land Brandenburg gerade einmal neun Prozent des gesamtdeutschen Waldbestandes ab. Insgesamt liegt es damit an fünfter Position aller Bundesländer. Sein Holzvorrat rangiert gegenwärtig bei 197 Kubikmeter je Hektar.