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| 15:03 Uhr

Geschichte vor der Haustür
Herzberger Gymnasiasten und die KZ-Aufseherin Maria Mandl

 Die Schüler bei der Präsentation der unfassbaren Ergebnisse ihrer einmonatigen Recherche.
Die Schüler bei der Präsentation der unfassbaren Ergebnisse ihrer einmonatigen Recherche. FOTO: Silvia Dedek
Herzberg. Ein Projekt Herzberger Gymnasiasten beschäftigt sich mit den Verbrechen aus der NS-Zeit. Von Silvia Dedek

Im zweiten Halbjahr der Jahrgangsstufe 11 wird gemäß dem Lehrplan der gymnasialen Oberstufe im Geschichtsunterricht die Zeit des Nationalsozialismus behandelt – ein Thema, das regelmäßig in gleicher Weise schockiert und fasziniert.

Das Projekt „Geschichte vor der Haustür“ ermöglichte es den Schülerinnen und Schülern der Klasse 11b des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums in Herzberg den Fokus auf die regionalen Ereignisse dieser Zeit zu legen und im Rahmen des Geschichtsunterrichtes und darüber hinaus an originalen Quellen eigene Forschungsschwerpunkte zur Thematik „Täter – Opfer – Zuschauer“ zu setzen. Die Ergebnisse präsentierten sie nun im Rahmen einer Nachmittagsveranstaltung.

Inspiriert durch Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“, welcher im Deutschunterricht des ersten Halbjahres thematisiert wurde, beleuchtete eine Gruppe die Biografie der berüchtigten KZ-Aufseherin Maria Mandl, die ihre zweifelhafte Laufbahn 1938 im KZ Lichtenburg in Prettin begann. Anders als bei der Romanfigur der Hanna Schmitz konnte die Gruppe bei ihrer Recherche jedoch keine mildernden Umstände oder schicksalhafte Wendungen im Leben Maria Mandls erarbeiten, die deren brutalen Umgang mit den Häftlingen irgendwie erklärt hätten. „Was bleibt ist nur die unfassbare Schwere der Verbrechen und eine neue Frage, die wir uns am Ende gestellt haben: Wie kann es sein, dass ein Mensch irgendwann nur noch so wenig Mensch ist, dass er in der Lage ist, solche Dinge zu tun?“, zog Leonora Schulze das nachdenkliche Fazit der Gruppe.

Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten etwa einen Monat lang während der Geschichtsstunden und darüber hinaus an ihren Projekten, für die sie Materialien und Quellendokumente der Gedenkstätten Schlieben-Berga und Lichtenburg/Prettin zur Verfügung gestellt bekamen. In dieser Zeit besuchten sie auch die Gedenkstätte KZ Lichtenburg in Prettin im Rahmen einer Exkursion. „Die Exkursion war beeindruckend und auch die Arbeit mit den Quellen war sehr interessant. Wir hätten nur gern noch mehr Zeit dafür gehabt“, erklärte Dorkas Höhne im Nachhinein.

Alle sind durch die räumliche Nähe der Ereignisse und den Kontakt mit den Originaldokumenten sehr berührt – ein Ziel, das Fachlehrerin Dr. Claudia Franke und Referendarin Lisa Pechstein mit ihrem Projekt konsequent verfolgt haben. „Die Zusammenarbeit mit den Gedenkstätten liegt uns sehr am Herzen. Das macht Geschichte für die Schüler greifbar und erfahrbar“, erklärte die Geschichtslehrerin, die für das Gymnasium bereits Kooperationsverträge mit der Gedenkstätte Schlieben-Berga und Lichtenburg/Prettin abgeschlossen hat und sich um eine gute Vernetzung mit weiteren Gedenkstätten bemüht.