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| 19:59 Uhr

Kommunalwahl 2019
Von Freibier bis schwer im Magen liegend

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Logo Wahlen 2019 FOTO: LR / Janetzko, Katrin
Herzberg. Die Rundschau hat hingehört, was Gewinner und Verlierer in der Region zum Wahlausgang sagen. Von Sylvia Kunze

Der erste Jubel ist verhallt. Aber die Freude über das Wahlergebnis ist in der Stadt Herzberg noch ausreichend präsent. „Wir haben für die Ländliche Wählergruppe Kreisstadt Herzberg ein richtig gutes Ergebnis einfahren können“, bilanziert Gerd Rothaug. Immerhin stehen im neuen Stadtrat acht Stühle für die Vertreter der Wählergruppe bereit, die fortan stärkste Kraft in der Kreisstadt ist.  „Ich bin dankbar, dass die Wähler erkannt haben, dass wir eine Alternative zu den etablierten Parteien bieten“, sagt Rothaug.

Während sich bei dem einen schon der Blick für die Zukunft klärt, ist ein anderer noch immer noch voll im Feiermodus. Das rührt aber eher daher, dass sein Lieblingsfußballverein Union Berlin gerade den Aufstieg perfekt gemacht hat. Christian Voigt von „Herzberg zählt“ steht kommunalpolitisch jedoch auf dem Boden der Tatsachen.

Die heißen nach dem guten Abschneiden bei der Wahl, „Herzberg zählt“ als zweitstärkste Kraft besetzt vier Plätze im neuen Stadtparlament, dass man sich nun aufstellen muss. „Nächste Woche beraten wir, wer sich von uns welchen Themen zuwendet und eventuell in welchem städtischen Ausschuss tätig werden kann“, kündigt Voigt an.

Für ihn steht mit Blick auf die Zusammensetzung in der Stadtverordnetenversammlung und auf die dazugehörigen Personen fest: „Es wird auf jeden Fall parteiloser zugehen.“ Und er erwarte eine gute Zusammenarbeit.

Die besitze höchsten Stellenwert, um die dringend nötige Haushaltskonsolidierung voranzutreiben. Voigt ist mit diesem Ansinnen auf einer Linie mit Gerd Rothaug. Auch er sieht ein Gesunden des Stadthaushalts als vordringlichste Aufgabe, der sich die Abgeordneten gemeinsam mit der Verwaltung widmen müssen. Und hat damit schon einen gemeinsamen Nenner mit „Herzberg zählt“ gefunden. „Ich bin überzeugt, dass eine gute Sacharbeit möglich wird.“

Etwas außen vor ist da die bisher stärkste Kraft in der Herzberger Stadtverordnetenversammlung: die CDU. Sie ist der Verlierer der diesjährigen Wahl. In der zu Ende gegangenen Wahlperiode mit sieben Abgeordneten vertreten, wird sie künftig nur noch zwei Sitze besetzen. Für Dieter Jagode ein Ergebnis, das ihn schwer im Magen liegt. Die Auseinandersetzung mit dem Parteikollegen Rothaug könne ebenso dazu geführt haben wie nachfolgende Zerwürfnisse in der alten Fraktion und im Ortsverband. „Der Neuanfang mit neuen Kandidaten ist nicht so gelungen, wie geplant. Vielleicht haben wir nicht offensiv genug Wahlkampf betrieben“, berichtet er. Ursachenforschung folge, wichtiger sei jedoch, jetzt zu sachorientierter Arbeit für die Stadt zu finden.

Auch Thomas Lehmann (CDU) war unterlegen — im Kampf um das hauptamtliche Bürgermeisteramt in der Stadt Uebigau-Wahrenbrück. Aber aus seiner Sicht habe sich das Ergebnis in den letzten Tagen vor der Wahl angedeutet. „Es war jedenfalls klar, dass es knapp wird. Für mich hat’s leider nicht gereicht“, bilanziert er. „Delf Gerlach gelten meine besten Wünsche.“

Derart nette Worte hat der Gewinner seit Verkünden des Wahlergebnisses am Sonntagabend schon viele vernommen. „Das Telefon hört nicht auf zu klingeln“, verrät er im (Telefon)Gespräch mit der Rundschau. Das Ergebnis habe ihn nach einer Zeit des Hoffen und Bangen während des Auszählens der Stimmen aber doch überrascht. „Wir waren schließlich immer sehr nah beieinander“, erinnert der FDP-Mann an das Kopf-an-Kopf-Rennen.

Für ihn steht fest: „In den Orten, in denen ich nicht so eine große Akzeptanz gefunden habe, werde ich verstärkt den Kontakt zu den Bürgern suchen.“ Er wolle auch sie überzeugen, dass er für Uebigau-Wahrenbrück nur das Beste wolle. Gemeinsam mit dem neuen Stadtparlament. „Ich freue mich schon auf die gemeinsame Arbeit für unsere Stadt“, sagt Gerlach.

Bei der trifft er wieder auf seinen Kontrahenten Lehmann  — der als Abgeordneter für die CDU weiter aktiv sein wird. Das Wundenlecken ist bis dahin beendet. Dass er ausgerechnet in seinem Heimatort so ein schlechtes Ergebnis einfuhr und seinem Widersacher dort so deutlich unterlag, wurmt sehr. „Aber ich bin stolz, dass ich es wieder in den Kreistag und die Stadtverordnetenversammlung geschafft habe und weitere fünf Jahre kommunalpolitisch was drauflegen kann“, so der Uebigauer.

Das will auch Cornelia Schülzchen (CDU). Ebenfalls wie Lehmann weiter im Kreistag, stemmt sie zugleich noch den ehrenamtlichen Bürgermeisterposten in der Stadt Schlieben. Sie sammelte knapp zwei Drittel der Stimmen und fuhr damit ein so deutliches Ergebnis im Duell mit der parteilosen Iris Schülzke ein, an das im Vorfeld wohl  nur die Wenigsten glaubten. „Mit so einem klaren Votum hatte ich nicht gerechnet“, bekennt die Schliebenerin und setzt nach: „Ich freue mich, dass scheinbar die Arbeit, die ich in den vergangenen Jahren für die Stadt geleistet habe, Anerkennung findet. Und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit so tollen, engagierten Leuten“, sagt sie mit Blick auf die Zusammensetzung des neuen Stadtparlaments.

Das Beste: Bei der Freude allein soll es nicht bleiben. Zum Pfingstsingen will Cornelia Schülzchen ihren Wahlsieg feiern: mit Freibier. „Und danach wird weiter kräftig für die Stadt gearbeitet“, kündigt die in ihrem Ehrenamt Bestätigte an.