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| 16:59 Uhr

Herzberg
Geplante Umleitung sorgt für Protest in Neunaundorf

  Hier wird bald die Dresdener Straße gebaut. Der Verkehr aus Richtung Bad Liebenwerda müsste durch die Umleitung. Ebenso der Binnenverkehr zu Kaufland.
Hier wird bald die Dresdener Straße gebaut. Der Verkehr aus Richtung Bad Liebenwerda müsste durch die Umleitung. Ebenso der Binnenverkehr zu Kaufland. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Bauarbeiten in der Dresdener Straße in Herzberg belasten Neunaundorf. Land prüft Alternative mit vielen Haken und Ösen. Von Birgit Rudow

Wie verläuft die Umleitung, wenn der Landesbetrieb Straßenwesen die Dresdener Straße (B 101) in Herzberg grundhaft ausbaut? Auf diese Frage gibt es auch nach der Einwohnerversammlung am Montag in Neunaundorf noch keine Antwort. Der Landesbetrieb sieht vor, sie in eine Richtung stadtnah durch den kleinen Stadtteil Neunaundorf und dann auf dem ausgebauten Pflaumenweg auf die B 87 zu führen.

Neunaundorfer wollen Umleitung nicht

Eine Neunaundorfer Bürgerinitiative hatte schon in der Herzberger Bauausschusssitzung am 29. Januar unmissverständlich klar gemacht, dass sie diese Umleitung durch ihren Ort nicht will. Sie forderte eine Prüfung von Alternativen. Steffen Kleiner, Planungsdezernent des Landesbetriebes, hatte versprochen, deswegen noch einmal in einer kleinen Arbeitsgruppe zusammen zukommen. Da dies nicht zustande kam, hat die Stadt zu Montag erneut alle Neunaundorfer ins Gemeindehaus eingeladen.

Etwa eine Woche zuvor hatte die Bürgerinitiative mehrere Alternativvorschläge unterbreitet. Sie favorisiert eine Umleitungsführung von der Osterodaer Straße links abbiegend an Meli-Bau vorbei über das Betriebsgelände der Landesstraßenmeisterei und dann durch die Alte Osterodaer Straße wieder auf die Dresdener Straße.

Clemens Fischer vom Straßenverkehrsamt Elbe-Elster hat am Montag einige Alternativen erläutert, die das Amt geprüft hat. Dazu gehört eine Ampelregelung an der Baustelle Dresdener Straße. Dabei würde es aber zu einem Rückstau bis in den Kreiselbereich kommen, der den Verkehr in alle Richtungen behindert. Geprüft wurde auch eine großräumige Umleitung über Falkenberg oder Schlieben. Diese Strecken seien aber so groß, dass sie bei den Autofahrern nicht auf Akzeptanz stoßen würden. Der kleinräumige Verkehr würde in diesem Fall doch den Weg durch Neunaundorf und über den Pflaumenweg wählen, sagte Fischer. Er führte als Beispiel an, dass viele Kraftfahrer während der Kreiselbaus in Herzberg nicht die weiträumige Umleitung, sondern die Lange und die Mühlstraße genutzt hätten.

Was die Alte Osterodaer Straße betrifft, so führte Clemens Fischer an, dass diese Strecke über das Betriebsgelände der Straßenmeisterei führt. Das sei nicht als öffentlicher Verkehrsraum gewidmet. Weiter müsste die Straße über die still gelegte Bahnstrecke führen. Die Umweltbehörde habe bereits angekündigt, dass der Bereich umwelttechnisch untersucht werden müsse. Ein weiterer Punkt sei die Anbindung der Alten Osterodaer Straße an die Dresdener Straße. Die würde sich im Baufeld der Straße befinden, so Fischer.

Alternative Alte Osterodaer Straße soll geprüft werden

Für die Bürgerinitiative wollte deren Sprecher Marcel Richter verschiedene Argumente nicht gelten lassen. Er fordert eine genaue Prüfung, ob es nicht doch möglich sei, diese Strecke als Umleitung zu nutzen. Er machte Landesbetrieb und Stadt den Vorwurf, nicht den Willen zu haben, nach Alternativen zu suchen. Dem widersprach Steffen Kleiner und versicherte, durchaus Verständnis für die schwierige Situation in Neunaundorf im Zusammenhang mit der Umleitung zu haben, zumal auch der städtische Lkw-Verkehr durch die Umleitung geleitet werden müsse. „Wir haben mit Ihrem Widerstand gerechnet. Aber eine goldene Lösung werden wir nicht finden. Wir können nur versuchen, die Belastung auf das kleinste Maß herunterzuregeln“, sagte er.

Kleiner versprach, auch die Variante Alte Osterodaer Straße gründlich prüfen zu lassen. Wenn, dann käme sie allerdings nur zeitweise in Frage Er machte die Neunaundorfer ausdrücklich darauf aufmerksam, dass sie bei Schäden allein dastehen würden, wenn Neunaundorf keine offizielle Umleitungsstrecke sei und Fahrzeuge dennoch den Ort als Durchfahrt nutzen würden. Er sicherte den Neunaundorfern zu, dass im Falle der Umleitungsführung durch ihren Ort, ein unabhängiger Gutachter den Zustand von Häusern und Straße vor, während und nach der Baumaßnahme dokumentieren würde, damit eventuelle Schäden nachgewiesen werden können. Für den Ausbau des Pflaumenweges würden die Bürger nicht zur Kasse gebeten, versicherte er. Der Leiter des Straßenverkehrsamtes Stefan Wagenmann kündigte eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h im Ort und dementsprechende Kontrollen an. Gesonderte Maßnahmen sollen für die Sicherheit der Kinder im Zusammenhang mit dem Schulbus getroffen werden. Gleiches treffe auf die Radfahrer zu. Dazu wird es noch einen gesonderten Vor-Ort-Termin geben. Neuralgische Punkte im Ort sollen durch Barrieren geschützt werden. Der überrregionale Schwerlastverkehr kann über Falkenberg und Uebigau umgeleitet werden. Eine Beschilderung dazu werde ab Bad Liebenwerda erfolgen, so Wagenmann.

Baubeginn nicht vor März 2020

Der Verlauf der Diskussion am Montag zeigte, dass sich einige Neunaundorfer unter diesen Vorzeichen nicht mehr generell gegen eine Umleitung durch ihren Ort sträuben. Dennoch wird jetzt genau geprüft, ob die Variante Alte Osterodaer Straße als zumindest zeitweise Alternative infrage kommt. Außerdem soll die Antwort des Petitionsausschusses des Landtages abgewartet werden, an den sich die Bürgerinitiative gewandt hatte. Dann will sich eine kleinere Gruppe erneut zusammensetzen.

Unter diesen Umständen, so Steffen Kleiner, wird der Bau der Dresdener Straße nicht vor März 2020 beginnen. Führt die Umleitung durch Neunaundorf, wird im Herbst der Pflaumenweg befestigt. Der Herzberger Bauausschuss hat Dienstag den Beschluss zum Bauprogramm Dresdener Straße, der auch die Umleitung beinhaltet, ausgesetzt.

 Alle diese Fahrzeuge würden sich dann durch den kleinen Ort Neunaundorf schlängeln. Nach Schätzungen könnten es mehr 2000 täglich sein.
Alle diese Fahrzeuge würden sich dann durch den kleinen Ort Neunaundorf schlängeln. Nach Schätzungen könnten es mehr 2000 täglich sein. FOTO: LR / Rudow
 Sollte eine Umleitung durch die Alte Osterodaer Straße in Frage kommen, müssten noch viele „Hindernisse“ beseitigt werden.
Sollte eine Umleitung durch die Alte Osterodaer Straße in Frage kommen, müssten noch viele „Hindernisse“ beseitigt werden. FOTO: LR / Rudow
 Die Alte Osteroder Straße würde im Baustellenbereich auf die Dresdener Straße treffen. Auch das ist ein Problem.
Die Alte Osteroder Straße würde im Baustellenbereich auf die Dresdener Straße treffen. Auch das ist ein Problem. FOTO: LR / Rudow