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Herzberg springt auf den Luther-Zug

Herzberg. Herzberg möchte einen aktiven Beitrag zur Lutherdekade leisten. Kürzlich wurde die Stadt in den europäischen Tourismusverband „Stätten der Reformation“ aufgenommen. Sie will sich mit dem Thema Bildung in das Reformationsjubiläum einbringen. Von Birgit Rudow

Das neu entwickelte kulturtouristische Entwicklungskonzept der Stadt Herzberg, das der Kultur- und Bildungsausschuss kürzlich diskutiert hat, setzt auf mehrere Säulen. Neben den Sehenswürdigkeiten, dem Wirken in der Arbeitsgemeinschaft "Historische Stadtkerne", der Mitgliedschaft in der Mitteldeutschen Kirchenstraße und dem Status als Pilgerstadt am Jacobsweg entdeckt Herzberg seine Bedeutung zur Zeit der Reformation und als Stadt der Bildungstradition. "Wir möchten das Reformationsjubiläum 2017 mit vorbereiten. Die Reformationszeit war äußerst bedeutend für die Stadtentwicklung", sagt Kulturamtsleiterin Karin Jage. Das sieht auch Pfarrerin Dr. Jutta Noetzel so. "Die strategische Bedeutung von Herzberg in der Zeit der Reformation ist noch nicht ausreichend erforscht. Aber hierher wurde die Universität Wittenberg 1506 kurz ausgelagert. Herzberg war eine der ersten Städte, die evangelische Gottesdienste einführten", sagt sie.

Das Pfund, mit dem Herzberg wuchern kann, ist das Thema Bildung. "Seit der Reformation hat das städtische Schulwesen einen dominanten Stellenwert. Man denke an das Verhältnis von Luther und Melanchthon zu dem Herzberger Johannes Clajus, der ein Stipendium bekam, um die erste deutsche Grammatik zu verfassen. In Herzberg wurde 1555 die erste Mädchenschule eröffnet, Melanchthon hat 1538 für die Lateinschule der Stadt die erste Schulordnung verfasst. Das sind nur einige Beispiele, und bis heute finden sich in der Stadt alle brandenburgischen Schulformen", zieht Karin Jage den Boegn zur Gegenwart. Jutta Noetzel sieht im Mitwirken der Stadt in der Lutherdekade eine große Chance. "Wir müssen uns intensiver mit diesem Teil der Geschichte auseinandersetzen und exemplarische Diskussionen führen. Wir wollen den Bürgern die kulturhistorische Bedeutung bewusst machen und sie in die Gegenwart übersetzen, und zwar für alle Weltanschauungen, die sie hat. Die Voraussetzungen dafür sind gut", sagt die Pfarrerin.

Zu den anderen Lutherstätten der näheren Region - Wittenberg und Torgau - haben die Herzberger bereits den Kontakt aufgenommen. "Sie haben uns gut aufgenommen", so Karin Jage. "Torgau beansprucht mit der Residenz Friedrich des Weisens die Stellung als Zentrum der Macht und Verwaltung, Wittenberg die Kunst mit Cranach und wir die Bildungstradition. Wenn wir uns im Zusammenhang mit der Lutherdekade jetzt nicht einbringen, ist der Zug für die Stadt auf lange Zeit abgefahren", sagt die Kulturamtsleiterin.

Zur nächsten Mitgliederversammlung des Verbandes "Stätten der Reformation" ist Herzberg eingeladen. Dort darf die Stadt sich vorstellen.

Zum Thema:
Der 31. Oktober 1517 - der Tag des Thesenanschlags von Martin Luther - ist die Wiege der Reformation. Von 2008 bis 2017 wird die Lutherdekade begangen, die in jedem Jahr unter einem besonderen Thema steht. 2012 ist es das Thema "Musik". Die Lutherdekade mündet in das Reformationsjubiläum 2017. Sie greift Themen der Reformation auf, die in die Gegenwart reichen. www.luther2017.de