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| 18:08 Uhr

Generationenwechsel in Herzberger Unternehmen Melibau
„Ich kann zufrieden loslassen“

 Eckhard Schulze hat seinem Sohn Patrick die Führung der Melibau GmbH jetzt vollständig übergeben.
Eckhard Schulze hat seinem Sohn Patrick die Führung der Melibau GmbH jetzt vollständig übergeben. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. 28 Jahre lang war Eckhard Schulze der Chef von Meli-Bau in Herzberg. 1991 hatten er und Christian Schmidt den Betrieb von der Treuhand gekauft. Jetzt geht er in den Ruhestand. Die Übernahme der Firma durch Sohn Patrick ist von langer Hand vorbereitet.

Nach jahrelanger gründlicher Vorbereitung ist der Generationswechsel an der Spitze der Melibau GmbH in Herzberg jetzt endgültig vollzogen. Seit dem 1. Juli führt Patrick Schulze die Geschäfte des Bauunternehmens mit 135 Mitarbeitern allein. Sein Vater Eckhard hat sich in den Ruhestand verabschiedet – nach 49 Berufsjahren, davon 28 Jahre als Geschäftsführer.

Wer 30 Jahre nach dem Mauerfall nach einer erfolgreichen Betriebsgeschichte sucht, die den riskanten Weg von Treuhand, eigener Übernahme, vielen Höhen und auch abgrundtiefen Problemen bis hin zur geregelten Übergabe an die nächste Generation umspannt, findet in Melibau ein klassisches Beispiel. Was Eckhard Schulze getrost mit in seinen Ruhestand mitnehmen kann, sind der Stolz auf das Unternehmen und die Gelassenheit zu wissen, dass es auch ohne ihn weiter geht. Den Anforderungen der Zeit entsprechend vielleicht sogar noch besser.

Meliorationstechnik von der Pike auf gelernt

Wer in Herzberg irgendetwas mit Bauen zu tun hat, der kennt Eckhard Schulze, und das nicht erst seit gestern. Der heute 65-Jährige ist gebürtiger Buckauer und auf einem Bauernhof aufgewachsen. „Für mich war schon als Kind klar, dass ich später in der Landwirtschaft arbeiten werde“, sagt er. Da ein Studium in seiner Lebensplanung eigentlich nicht vorgesehen war, begann er im September 1970 beim VEB Meliorationsbau Cottbus eine Ausbildung zum Meliorationstechniker und lernte den Beruf von der Pike auf. Eckhard Schulze war ein guter Lehrling und gehörte zu den besten, die eines Tages beim Direktor antreten mussten. „Der hat uns eröffnet, dass an der Agraringenieurschule in Fürstenwalde Aufnahmeprüfungen stattfinden und er erwartet, dass wir daran teilnehmen“, erzählt Eckhard Schulze. Widerstand war zwecklos. Er bestand die Prüfung und ging nach der Lehre auch ohne Abitur nun doch zum Studium. „So war ich 1975 als 21-Jähriger mit meiner Ausbildung fertig“, sagt Schulze.

Beim Westen abgeschaut

Auf seiner ersten Baustelle – die Abwasser- und Kläranlage für das Schlacht- und Verarbeitungskombinat Eberswalde – wurde er gleich ins kalte Wasser geworfen. Für den jungen Ingenieur war das ein Glücksfall. „Das Kombinat hat Westberlin beliefert. Deshalb hat eine westdeutsche Firma dort gebaut. Aus technischer Sicht konnte ich mal über den Zaun gucken. Das war sehr interessant. Da habe ich mir Profil und Selbstbewusstsein geholt“, schildert er.

Wieder zurück im Cottbuser Betrieb, hat man ihn in die Bauleitung Herzberg/Jessen gesteckt und zum Bauleiter für den Bereich Jessen gemacht. „Hier habe ich gemeinsam mit Udo Lang gearbeitet. Wir konnten große Projekte umsetzen wie die Komplexmelioration der Elbeaue oder von Herzberg West und in der Nahrungsgüterindustrie die Molkerei Jessen oder die Zuckerfabrik in Brottewitz“, sagt er.

Mitarbeiter hingen in der Luft

Das Wort Melioration hat seinen Ursprung im lateinischen melio und bedeutet soviel wie Verbesserung, erklärt Eckhard Schulze. Wo zu viel Wasser ist, müssen Anlagen her, die es abführen, wo zu wenig Wasser ist, muss man es hinbringen. Als zentraler Wirtschaftszweig existiert die Melioration heute nicht mehr. „Der Westen kannte so etwas nicht. Vieles wurde zerschlagen“, bedauert Schulze. Nach der Wende gelangte der VEB Meliorationsbau Cottbus mit seinen 700 Mitarbeitern in die Hände der Treuhand und stand zum Verkauf. „Aber das funktionierte nicht wie erhofft. Niemand wusste, wie es weiter gehen sollte. Bei einer Abwicklung des Betriebes hätten wir alle auf der Straße gestanden. Da haben unsere Mitarbeiter den Technologen Christian Schmidt und mich gedrängt, den Herzberger Bereich selbst zu übernehmen. Sie haben uns versichert, dass sie voll hinter uns stehen“, erzählt Eckhard Schulze.

Viel Verantwortung und viele Schulden

Die beiden Leitungskräfte stellten bei der Treuhand den Antrag auf Kauf der Oberbauleitung Herzberg. Als es soweit war, habe er kurz überlegt, doch noch einen Rückzieher zu machen, gesteht Eckhard Schulze. Aber das habe er sich dann nicht mehr getraut, sagte er. Auch dank der Unterstützung von Bürgermeister Michael Oecknigk, der sich bei der Treuhand für das Unternehmen eingesetzt hat, und der bereits verstorbenen Hannelore Wilhelm von der Sparkasse konnte 1991 die Meli-Bau GmbH Herzberg gegründet werden. Schulze und Schmidt hatten auf einmal viel Verantwortung, hohe Schulden, für die sie mit ihrem Privatvermögen hafteten, und keine Erfahrung mit dem westlichen Wirtschaftssystem. Aber sie hatten 42 Mitarbeiter, die hielten, was sie versprochen hatten.

Melibau hat sich weitere Aufgabenfelder im Baubereich erschlossen. Es ging bergauf, manchmal, in wirtschaftlich schwierigen Lagen, aber auch bedrohlich bergab. Doch gesunken ist das Schiff nicht.

Frischer Wind durch die nächste Generation

2010 – die Firma hatte 120 Mitarbeiter – ist Christian Schmidt altersbedingt aus der Geschäftsführung ausgeschieden. Eckhard Schulze kämpfte mit großen gesundheitlichen Problemen. „Es war mein Sohn Patrick, der gesagt hat, dass es mit der Firma weiter gehen muss. Obwohl er eine eigene Bauunternehmung in Axien hatte, ist er 2011 bei Melibau eingestiegen und hat einige Jahre später die Gesellschafteranteile von Christian Schmidt erworben“, berichte der Vater.

Mit Patrick Schulze ist ein frischer Wind bei Melibau eingezogen. „Er hat die Lehrlingsausbildung wieder aktiviert, was uns jetzt bei der 63er Rentenregelung zugute kommt. Er  hat junge Leute ins Unternehmen geholt und ein gutes Team aufgebaut. Dabei nutzte er natürlich auch meine Erfahrungen. Wir haben eine gute Vater-Sohn-Beziehung“, so Eckhard Schulze.

Seit einigen Jahren ist Melibau wieder auf Expansionskurs. So seien landwirtschaftstypische Bauten hinzugekommen wie Ställe, spezielle Lagerflächen, Dungplätze, Hallen und Kühlbehälter. Ein neues Gebiet für Melibau sei auch die Erschließung für Windparks, Biogas- oder Fotovoltaikanlagen, so Eckhard Schulze. Sein Sohn führt den Betrieb als Unternehmensgruppe weiter, zu der neben Melibau die Bauunternehmung Axien und die Transport- und Handels GmbH Elster gehören. Mit einem neuen Firmenlogo und Firmenschriftzug (Melibau wird jetzt zusammengeschrieben) macht Patrick Schulze auch äußerlich auf Veränderungen aufmerksam.

Immer mehr Aufgabenbereiche

Wie vielseitig das Unternehmen ist, demonstrieren aktuelle Aufträge. Erst vor kurzem konnte die Firma die Lange Straße in Herzberg übergeben. In Baruth baut sie einen Lkw-Parkplatz, in Luckenwalde ist sie an der Erweitertung des Gewerbegebietes beteiligt. In der Glücksburger Heide wird eine Milchviehanlage errichtet, bei Göttingen ein Windpark erschlossen und der Breite Graben bei Lindena renaturiert.

„Ich bin stolz darauf, dass es das Unternehmen auch nach 56 Jahren am Standort Im Winkel in Herzberg noch gibt und dass ich als Einheimischer so viele Jahre in diesem Umfeld tätig sein durfte. Wir haben den Generationswechsel langfristig vollzogen. Ich wünsche meinem Sohn und seinem Team alles Gute“, meint Eckhard Schulze.

Im Hintergrund wird er jetzt noch den Jahresabschluss begleiten und sich dann diskret zurückziehen. 28 Jahre lang hat sein Herzblut der Firma gehört. An Hobbys war nicht zu denken. Jetzt wird auch Zeit sein für andere Dinge, für Fahrradausflüge mit seiner Frau zum Beispiel. „Ich kann zufrieden loslassen“, sagt Eckhard Schulze.

 Eckhard Schulze hat seinem Sohn Patrick die Führung der Melibau GmbH jetzt vollständig übergeben.
Eckhard Schulze hat seinem Sohn Patrick die Führung der Melibau GmbH jetzt vollständig übergeben. FOTO: LR / Rudow