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| 18:54 Uhr

Aus dem Amtsgericht Bad Liebenwerda
Herzberger wegen Kinderpornografie in 49 Fällen verurteilt

 Der Austausch lief meist über WhatsApp. Für den Besitz und die Weiterverbreitung von kinderpornografischen Bildern und Videos, darunter teilweise schwerster Missbrauch, wurde ein Herzberger jetzt zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre.
Der Austausch lief meist über WhatsApp. Für den Besitz und die Weiterverbreitung von kinderpornografischen Bildern und Videos, darunter teilweise schwerster Missbrauch, wurde ein Herzberger jetzt zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre. FOTO: dpa/Fotomontage: Lehmann/lr / Patrick Pleul/ Yui Mok/ Fotomontage: Lehmann/lr
Bad Liebenwerda/Herzberg . Das Amtsgericht Bad Liebenwerda hat einen Herzberger wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsentzug, ausgesetzt auf vier Jahre Bewährung, verurteilt. Auch Darstellungen schwersten Missbrauchs waren dabei. Von Heike Lehmann

Das Amtsgericht Bad Liebenwerda hat jetzt einen Herzberger wegen des Besitzes kinderpornografischer Fotos und Videos in elf Fällen und deren Verbreitung in 38 Fällen zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die Strafe wurde ausgesetzt auf vier Jahre Bewährung.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Egon Schaeuble bezeichnet die Summe der Straftaten des weit über 50-jährigen Angeklagten als „ganz harten Tobak“, den man „nicht verniedlichen“ dürfe.

3388 kinderpornografische Bilder und 141 Videos

Eine spezielle Ermittlungskommission der Polizei hat bei Erich Einsam (Name von der Redaktion geändert) 3388 kinderpornografische Bilder und 141 ebensolche Videos gefunden. Gespeichert waren sie auf fünf Handys. Laut Staatsanwältin geht es um „schwerste Missbrauchshandlungen, Sex mit Kindern, darunter auch Kleinkinder, und Tieren“. Der Austausch mit mehreren Empfängern erfolgte meist über den Chatdienst WhatsApp. Der Zeitraum der strafbaren Handlungen liegt mindestens zwei Jahre zurück.

Erich Einsam stützt sich während der Verhandlung auf dem Tisch ab, faltet die Hände und spricht ruhig. Oft senkt er den Kopf. Er legt ein umfassendes Geständnis ab und schildert aus seiner Sicht, wie er zu den Dateien kam.

„Ich schäme mich abgrundtief dafür, dass ich so dämlich war, bei solchem Mist mitzumachen.“ Seine Frau habe sich vor Jahren, nachdem Diebe in ihr Haus eingestiegen waren, als er auf Montage war, sehr verändert. „Seit sieben Jahren haben wir keinen Sex mehr.“

Zur eigenen Befriedigung leiht sich Erich Einsam ein paar DVDs aus, sucht nach Freunden, die ihm weiteres Material zukommen lassen. Als er Frauen mit dicken Brüsten zugeschickt bekommt, schreibt er zurück: „Ich mag’s lieber etwas kleiner.“ Er behauptet: „Das haben viele falsch verstanden. Ich würde alles dafür tun, diesen Albtraum für immer zu vergessen.“ Er sei seit 40 Jahren auf Montage, komme selten nach Hause. Da habe man keine Freunde. Also suchte er sich welche über WhatsApp, „blöderweise die Falschen“.

„Bilder von Sex mit Kleinkindern verschickt“

Das klingt der Staatsanwältin zu harmlos. „Sie sind nicht ehrlich zu sich selbst. Sie haben sich aktiv an der Kette beteiligt. Auf die Frage ,Was suchst du?’ haben sie geantwortet ,Jungs’. Jungs haben aber keine Brüste. Sie haben Bilder von Sex mit Kleinkindern weiterverschickt“, sagt sie. „Wenn Bedarf da ist, werden Fotos gemacht. Oft führt der Umsetzungsdruck dann in eine Spirale. Hier muss das Gericht Vorsorge treffen.“

Richter Schaeuble bescheinigt Erich Einsam einen „nicht sehr ungewöhnlichen Lebenslauf“. Er wächst auf einem bäuerlichen Hof im Raum Herzberg mit fünf Geschwistern auf. Für die Kinder gibt es Schläge und viel Arbeit auf dem Hof. Er schafft die 10. Klasse, aber nicht den Lehrabschluss zum Baumaschinisten. Den holt er 1986 in der Abendschule nach. Seine erste eigene Wohnung hat er erst nach der Wende. Kinder bringt seine Frau, die er 2003 heiratet, mit in die Ehe. Sie hat zwei Söhne. Zur Familie gehören inzwischen drei Enkelkinder. 2005 wird ein Haus unweit von Herzberg gebaut. Erich Einsam ist aber selten zu Hause. Er arbeitet seit 1992 bei einem Nürnberger Bauunternehmen als Zweiwege-Baggerfahrer im Gleisbau für die Deutsche Bahn. Der Arbeitgeber bezeugt über den Verteidiger des Angeklagten höchste Zufriedenheit und möchte das Arbeitsverhältnis bis zur Rente des Angeklagten fortsetzen.

Angeklagter zu Therapie verpflichtet

Das Gericht folgt mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft, beauflagt den Angeklagten zudem zu einer Sexualtherapie. Binnen drei Monaten muss er 2000 Euro Geldbuße an den Träger des Finsterwalder Wohnheims für minderjährige Mütter zahlen.

Obwohl der Angeklagte versichert, dass er noch nie ein Kind unsittlich berührt habe, untersagen ihm die Richter den unbeaufsichtigten Kontakt zu Kindern.