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| 16:39 Uhr

Hochwasser
Herzberg kritisiert Elbe-Risikokarten

Herzberg. Neben den Überschwemmungsgebieten für die Schwarze Elster schränken jetzt auch HQ 200 Risikogebiete für die Elbe das Bauen in der Kreisstadt und anderen Gemeinden im Landkreis ein. Von Birgit Rudow

Seit 2016 sind sie amtlich festgelegt, die Überschwemmungsgebiete an der Schwarzen Elster. Davon betroffen ist hochgradig auch die Stadt Herzberg. Jeder Bauantrag im Überschwemmungsgebiet muss wasserrechtlich geprüft werden. Das Ausweisen von Baugebieten in diesem Gebiet ist kaum möglich. Bei Um- und Ausbauten sowie Neubauten muss hochwassersicher gebaut werden. In Herzberg sind vor allem flussnahe Bereiche von diesen Regelungen betroffen. Seit die Karten für die Überschwemmungsgebiete öffentlich gemacht wurden, sind die betroffenen Kommunen dagegen Sturm gelaufen. Sie befürchten Abwanderungen Bau- und Investitionswilliger. Und vor allem fordern sie konkrete Maßnahmen im Hochwasserschutz. Denn erst, wenn diese realisiert sind, können die Auflagen für die Überschwemmungsgebiete gelockert oder aufgehoben werden.

Als ob das nicht reicht, sind die Kommunen jetzt mit weiteren Einschränkungen konfrontiert. Am 5. Januar 2018 sind Veränderungen des Wasserhaushaltsgesetzes (ein Bundesgesetz) in Kraft getreten. Hier fordert der Paragraf 74 Risikokarten für „Hochwasser mit niedriger Wahrscheinlichkeit (voraussichtliches Wiederkehrintervall mindestens 200 Jahre) oder bei Extremereignissen“. Für einen Teil des Elbe-Elster-Kreises bedeutet dies auch Karten für ein HQ 200 Hochwasserrisiko an der Elbe. Auf ihnen ist der halbe Kreis blau markiert.

Nun mag es darüber hier und da schon Informationen gegeben haben, der Stadt Herzberg ist das Problem konkret aber erst vor etwa einem Monat auf die Füße gefallen, als ein Bauherr im Zusammenhang mit der Einreichung seines Bauantrages von der unteren Wasserbehörde des Kreises darauf hingewiesen wurde, Forderungen für den Bau in diesem Risikogebiet einzuhalten. Herzbergs Stadtplanerin Janett Lehmann hat darüber die Abgeordneten in der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung informiert.

Janett Lehmann bemängelt dabei  die Kommunikation durch das Land. „Zu den Überflutungskarten an der Schwarzen Elster wurden öffentliche Informationsveranstaltungen vom Landesumweltamt durchgeführt. Zu den Risikokarten die Elbe betreffend gab es keine öffentliche Information“, sagte sie zur RUNDSCHAU. Als problematisch bei diesen Karten erachtet die Herzberger Stadtverwaltung auch, dass sie ein Hochwasser bei Mühlberg simulieren ohne die Beachtung vorhandener Deichanlagen, so Janett Lehmann. Außerdem werde die Brandenburger Landesgrenze als „Mauer“ betrachtet, als ob das Wasser nicht über die Grenzen hinweg fließen würde.

Für das Baugeschehen in Herzberg bedeuten die Erfordernisse dieser Risikokarten Erschwernisse auch über die Überschwemmungsgebiete hinaus. Baugebiete dürfen nicht ausgewiesen werden. Für einzelne Gebäude kann es Ausnahmen geben. Grundsätzlich aber muss hochwasserangepasst (und somit teurer) gebaut werden und ein Retentionsraumausgleich muss erfolgen. Die Stadt Herzberg ist derzeit in Kontakt zur Kreisverwaltung, um eine Lösung für das Problem zu finden. „Die Karten müssen vom Landesumweltamt neu berechnet werden“, sagt Janett Lehmann. Betroffene Kommunen wie Herzberg, Falkenberg, Mühlberg und Uebigau-Wahrenbrück wollen gemeinsam auftreten und sich an das Land wenden.