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Herzberg hat ein Lärmproblem

Ein Lärmschwerpunkt in Herzberg ist dieser Bereich Anhalter Straße/Grochwitzer Straße. Hier wechselt der (schlechte) Fahrbahnbelag. In der Anhalterstraße liegt noch Kopfsteinpflaster. Das soll sich mit dem Bau des neuen Busplatzes ändern.
Ein Lärmschwerpunkt in Herzberg ist dieser Bereich Anhalter Straße/Grochwitzer Straße. Hier wechselt der (schlechte) Fahrbahnbelag. In der Anhalterstraße liegt noch Kopfsteinpflaster. Das soll sich mit dem Bau des neuen Busplatzes ändern. FOTO: ru
Herzberg. Die Stadt Herzberg muss einen Lärmaktionsplan erarbeiten und verabschieden. Vor allem auf den Straßen in der Innenstadt ist es zu laut. Machbare Regelungen müssen her. Birgit Rudow

Das Landesministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft drängelt seit Monaten. Es hat sogar schon mit Sanktionen gegen die Stadt gedroht. Denn aus Herzberg liegt noch immer keine Lärmaktionsplanung vor, wie sie die Europäische Kommission vorschreibt. Eine Umgebungslärmkartierung aus dem Jahr 2012 hat für Herzberg relevante Lärmprobleme und Lärmauswirkungen aufgezeigt. Eine Lärmaktionsplanung soll prüfen, wie diese reguliert werden können. Auf Druck des Ministeriums hat die Stadt eine solche Planung bei der Hoffmann-Leichter Ingenieurgesellschaft Berlin in Auftrag gegeben. Sie liegt jetzt vor und soll im September von der Stadtverordnetenversammlung verabschiedet und dann beim Landesumweltamt eingereicht werden.

Die Ingenieurgesellschaft hat eine umfangreiche Bestandsanalyse vorgenommen und Schwerpunkte der Lärmbetroffenheit in Herzberg herausgearbeitet. Dabei sind Teile der Leipziger Straße als so genannte "Pflichtstraße" eingruppiert, weil sie von mehr als 8000 Fahrzeugen pro Tag passiert werden. Aber auch für Bereiche der Anhalter Straße, der Falkenberger Straße, der Grochwitzer Straße, der Berliner Straße und der Dresdener Straße wurde eine große Belastung der Bevölkerung durch Verkehrslärm festgestellt.

Laut Untersuchungen des Ingenieurbüros liegt die Belastung in diesen Bereichen ganztags zwischen 65 und 70 db. So sind zum Beispiel in der Berliner Straße mehr als 145 Anwohner diesem Lärm ausgesetzt. Im Bereich Anhalter Straße/Grochwitzer Straße liegt der Pegel laut Untersuchungen mitunter sogar bei 75 db. Das Umweltbundesamt hatte Ende Juli veröffentlicht, dass ein Mittelungspegel von 65 dB am Tage und 55 dB in der Nacht nicht überschritten werden sollte, um die Gesundheit der Bürger zu schützen.

Verkehrslärm lässt sich durch viele Maßnahmen reduzieren. Das Ingenieurbüro führt dazu allgemein Ortsumfahrungen, die Lenkung des Lkw-Verkehrs, die Beschränkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, die "Grüne Welle" oder die Nachtabschaltung von Ampeln, einen lärmmindernden Fahrbahnbelag, eine veränderte Aufteilung von Straßenquerschnitten oder Lärmschutzwände und Lärmschutzwälle an. Speziell für die Stadt Herzberg schlägt das Büro vor, Tempo-30-Zonen zu errichten, Lichtsignalanlagen in der Nacht abzuschalten, um ein ständiges Bremsen und Anfahren der Fahrzeuge zu minimieren, und Veränderungen bei Straßenquerschnitten zu prüfen. In der Anhalter Straße sollte das Pflaster durch Asphalt ersetzt werden, heißt es in der Planung. In diesem Bereich will die Stadt demnächst sowieso beginnen, den letzten Abschnitt der Torgauer Straße bis zur Katharinenstraße zu erneuern. Mit dem Bau eines neuen Busplatzes vor dem Gymnasium wird dann auch das Pflaster in der Anhalter Straße verschwinden.

Nächste Aufgabe des Ingenieurbüros ist das Prüfen und gegebenenfalls Einarbeiten weiterer Vorschläge zur Lärmminderung an den betroffenen Schwerpunkten. Außerdem müssen die Wirkung der Maßnahmen und die Kosten abgeschätzt werden. Erst dann lassen sich Prioritäten festlegen und der Lärmaktionsplan kann fertiggestellt werden. Auch die Bürger sollen einbezogen werden. Eine Informationsveranstaltung ist Bestandteil des Arbeitsprogramms.

Zum Thema:
Die Stadt Herzberg lädt alle interessierten Bürger zu Dienstag, dem 22. August, in das Bürgerzentrum zu einer Informationsveranstaltung ein. Dort soll der Lärmaktionsplan vorgestellt und sollen Fragen der Bürger dazu beantwortet werden. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.