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| 13:44 Uhr

Veranstaltungen in Herzberg auf dem Prüfstand
Gewerbeverein verabschiedetsich vom Weihnachtsmarkt

 Mit den Schmiedeaktionen 2017 und 2014 hatte der Gewerbeverein echte Highlights auf dem Herzberger Weihnachtsmarkt organisiert. Jetzt muss man in der Stadt Pläne schmieden, wer den Markt künftig gestalten soll und kann.
Mit den Schmiedeaktionen 2017 und 2014 hatte der Gewerbeverein echte Highlights auf dem Herzberger Weihnachtsmarkt organisiert. Jetzt muss man in der Stadt Pläne schmieden, wer den Markt künftig gestalten soll und kann. FOTO: LR / Rico Meißner
Herzberg. In Herzberg brodelt eine grundsätzliche Diskussion zu Veranstaltungen und zur Rolle der Stadt. Von Birgit Rudow

Es ist Januar. Und eigentlich ist das Thema Weihnachten und Weihnachtsmärkte für einige Monate erst mal durch. Nicht so in Herzberg. Der Gewerbeverein wird den Weihnachtsmarkt nicht mehr machen. So hat es der Vorstand beschlossen, verkündete Vereinschef Volkmar Tietze vorige Woche.

Schon bei seiner Wahl zum neuen Vorsitzenden im November hatte er angedeutet, dass sich im Gewerbeverein unter seiner Leitung etwas ändern werde, weil der Verein „nicht die Kraft hat, eine Event-Agentur zu sein“, sagte er damals. Jetzt ist es offiziell. Der Herzberger Gewerbeverein zieht sich aus dem Weihnachtsmarkt, den er mehr als zwei Jahrzehnte organisiert hat, zurück. Volkmar Tietze nennt dafür mehrere Gründe: Erstens habe der Verein kein Personal, das den Markt stemmen könne und wolle. Tietze weiß, wovon er spricht. In den vergangenen Jahren haben er und Mario Lehmann sich vor den Karren gespannt und dem Herzberger Weihnachtsmarkt mit Einbeziehung von Kirchplatz und Kirchstraße ein attraktiveres Gesicht gegeben. Aus eigener Erfahrung könne er sagen, so Tietze, dass er dafür künftig die Zeit nicht mehr aufbringen könne, zumal Mario Lehmann sich aus beruflichen Gründen etwas zurückgezogen hat. Grund Nummer zwei: Die Hütten sind verschlissen. Sie müssten saniert werden. Das würde etwa 10 000 Euro kosten. Geld, das der Verein nicht hat. Und drittens habe der Weihnachtsmarkt den Gewerbetreibenden der Innenstadt in den letzten Jahren nichts gebracht. Kaum jemand hat das Wochenende zum Einkaufen in der Stadt genutzt. Das ist für Volkmar Tietze ein entscheidender Grund. Denn er sieht es als Hauptaufgabe des Vereins an, die Händler und Gewerbetreibenden zu unterstützen.  „Im vergangenen Jahr haben wir den Weihnachtsmarkt mit Unterstützung der Stadt noch halbwegs durchgezogen. Aber entweder machen wir etwas richtig oder gar nicht. Es wird Zeit, dass sich andere darum kümmern“, sagt Tietze.

Zu allen anderen Veranstaltungen steht der Gewerbeverein erst einmal, weil sie dem Grundzweck des Vereins dienen, so der Vorsitzende. Frühlingsball, Automeile, Pfingstrock und Glühweinmeile sollen in diesem Jahr stattfinden. Auch will der Verein sich weiterhin um die Innenstadtbeleuchtung zu Weihnachten kümmern. Volkmar Tietze könnte sich auch vorstellen, dass der Gewerbeverein als eine Art Dach­verband für Veranstaltungsträger in Herzberg fungiert. Wie immer das aussehen könnte.

Für Herzbergs Bürgermeister Karsten Eule-Prütz kam die Entscheidung des Gewerbevereins nicht überraschend. „Ich bin froh, dass der Verein das jetzt klipp und klar sagt und nicht erst im Oktober“, so der Bürgermeister. Er setzt da­rauf, dass sich interessierte Herzberger finden, die die Organisation des Weihnachtsmarktes übernehmen und sich so für ihre Stadt engagieren. Im Stadtanzeiger will er demnächst einen Aufruf starten. „Wir müssen uns aber auch klar darüber werden, was für einen Weihnachtsmarkt wir eigentlich wollen. Weiter wie bisher oder vielleicht kleiner auf dem Plan oder im Botanischen Garten? Darüber müssen wir in der Stadt reden“, sagt Karsten Eule-Prütz.

Die jetzt aufgeworfene Weihnachtsmarkt-Diskussion passt zur Gesamtsituation, was Feste und Veranstaltungen in Herzberg betrifft. Die Frage, welche Rolle die Stadt dabei einnehmen kann und soll, brodelt seit Wochen. Erst im November hat der Förderverein Tierparkfest im Kulturausschuss eine verbindliche Zusage der Stadt für ihr weiteres Engagement beim Tierparkfest eingefordert. Die Stadt werde das Fest auch weiterhin unterstützen, sagt der Bürgermeister. Aber letztendlich entscheide nicht er über Form und Umfang, sondern die Abgeordneten. Das Kulturamt der Stadt sei nicht dazu da, Kultur zu machen, sondern zu koordinieren und zu unterstützen. „Auch die Stadtverwaltung ist keine Veranstaltungsagentur“, so Eule-Prütz. Die Stadt leistet sich für ihre Bürger das Schwimmbad, den Tierpark und die Mediathek. Jedes für sich kostet eine Viertelmillion Euro im Jahr. Außerdem organisiert sie die Gewerbegebietsfeste, den Bauernmarkt, die Rentnerweihnachtsfeier. Dazu kommt die personelle und finanzielle Unterstützung anderer Feste und Veranstaltungen. „Das kostet alles Geld und eigentlich müsste ich noch einen Veranstaltungsmanager einstellen. Auch die Stadt wird künftig einiges auf den Prüfstand stellen“, sagt der Bürgermeister.