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Herzberg-Fan rettet kulturelles Erbe

Der "Siegeskranz" in der Schliebener Straße in Herzberg um 1915.
Der "Siegeskranz" in der Schliebener Straße in Herzberg um 1915. FOTO: Wolfgang Klee
Herzberg. Der Herzberger Unternehmer Timo Gleinig ist eng mit seiner Heimatstadt verbunden. Vor allem die historische Bausubstanz hat es ihm angetan. Als nächstes Projekt hat er sich die Sanierung der ehemaligen Gaststätte "Siegeskranz" vorgenommen. Stephanie Kammer

Dort, wo in Herzberg die Schliebener in die Leipziger Straße mündet, schlummert der ehemalige "Siegeskranz" seinem Ruin entgegen. Das Gasthaus hat einst glanzvolle Zeiten gesehen. Tanz, Musik und Artisten, dazu geselliges Landvolk beim Feiern im wohl größten Saal der Stadt. Wie ein verstaubter Juwel hätte es seinen letzten Kampf verloren, wenn nicht der Herzberger Timo Gleinig diese kostbare Substanz unter den Spuren des Verfalls entdeckt hätte.

Das Parkett ist zur Hälfte aufgedeckt. Zwischen den Holzsäulen im Saal wachsen ordentlich aufgereihte Mauersteine gestapelt in den Raum. Die Bühnenunterkellerung ist von gleichmäßigen Öffnungen übersät. Dahinter sind Überraschungen zu vermuten, die fast immer das Gleiche kosten: Nerven, Zeit und Geld. Das ist der mühsame Anfang eines Jahre dauernden Bauunternehmens, mit dem Herzbergs Kultur bunte Schmetterlingsflügel erhalten könnte.

Architektur verliebter Investor

Bereits 2004 ergab sich für den Computerfachmann Timo Gleinig fern seiner Branche eine neue Möglichkeit, aus persönlichen Vorlieben ein Geschäft gedeihen zu lassen. Er begann Häuser zu kaufen, sie grundlegend zu sanieren und zu vermieten. "Ich bin architekturverliebt. Gleiches gilt für Ästhetik und Gartenkunst", erklärt der Herzberger seine persönliche Verbundenheit zum Bauen und Gestalten. Für ihn ist es ein besonderer Reiz, kulturelles Erbe zu retten, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Bauwerken ihren ursprünglichen Charakter zurückgeben, ist eine Aufgabe, die Gleinig seitdem fesselt. "Dann sitze ich über alten Hausansichten und studiere die Denkmalliste der Stadt, bis in meinem Kopf ein Bild entsteht, das die Eigentümlichkeit des herzurichtenden Gebäudes unterstreicht oder neu hervorhebt. Wenn ich später an den sanierten Häusern vorbeifahre, freue ich mich an allen Erfahrungen und an so manchem Schmerz, wenn etwas schiefging", beschreibt Timo Gleinig den Lebensgeist, der von dieser rastlosen Bautätigkeit ausgeht.

Gute Planung und Unterstützung

Dass diese Immobilien inzwischen das Stadtbild prägen, zahlreiche Standorte insbesondere in der Innenstadt aufwerten, ist kein Geheimnis. Bei Projekten, wie der Sanierung des 170 Gäste fassenden Siegeskranzes, seien eine gute Planung und Unterstützung nötig. "Denkbar wäre, dass sich nach der Fertigstellung hier ein Kino-Café als kultureller Anlaufpunkt etabliert", denkt Timo Gleinig laut über eine mögliche Nutzung des herrschaftlich anmutenden Saales nach. "Ich bin ein Fan von Herzberg", fügt er weiter an. "Hier lässt es sich gut leben und arbeiten. Das soll auch so bleiben."