Die Stadt Herzberg hat eine Machbarkeitsstudie zur sozialen Infrastruktur bei der Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH Berlin (BSM) in Auftrag gegeben. Dafür gibt es zwei gravierende Gründe: die demografische Entwicklung bis 2030 und der große Sanierungsstau in den Kindertagesstätten. Die Stadt braucht einen Fahrplan, wie die Kita-, Hort- und Schullandschaft künftig aussehen soll.

Erstes Modul ist fertig

Die Studie wird in vier Modulen erarbeitet. Sie betrachtet erstens die Ausgangssituation und Bedarfsabschätzung auf Grundlage der Bevölkerungsprognose bis 2030. Sie untersucht zweitens die städtebauliche Situation in Herzberg und erfasst drittens den baulichen Zustand der Einrichtungen, ermittelt den Investitionsbedarf und schätzt die Kosten. Viertens stellt die Studie eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung an und gibt Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung der Standorte.

Das erste Modul der Studie ist fertiggestellt. Herzbergs Stadtplanerin Janett Lehmann hat es im Bauausschuss und im Bildungsausschuss vorgestellt. Im März sollen auch die Module zwei und drei vorliegen.

Mehr Angebot als Bedarf

Im ersten Modul schätzt die Studie ein, dass Herzberg ein umfangreiches Angebot an Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen hat, es aber zahlreiche baulich-räumliche Defizite gibt. In allen Einrichtungen in der Kernstadt besteht teilweise erheblicher Sanierungsbedarf.

Die Stadt verfügt über sieben Kindertagesstätten mit derzeit 753 Plätzen. Die Kitas "Spatzennest" (Träger: Kommune), "Flax und Krümel" (Volkssolidarität), "Kuschelbär" (Elterninitiative) und "Gänseblümchen" Gräfendorf (Kommune) sind sehr gut ausgelastet. In den Kitas "Löwenzahn" Züllsdorf (Kommune) und "Märchenland" (Intawo) übersteigt das Angebot aber bei Weitem die Nachfrage. Insgesamt, so wird eingeschätzt, geht das Betreuungsangebot über den Bedarf hinaus. Aufgrund der jeweiligen Ausrichtung und Lage der Kitas sei aber eine Reduzierung des Angebotes derzeit nicht vorgesehen.

Weniger junge Leute

Die demografische Entwicklung werde jedoch dazu führen, dass die Auslastung der Kitas weiter zurückgehen wird, prognostiziert die BSM. Die Beratungsgesellschaft sieht den Einwohnerrückgang in Herzberg bis zum Jahr 2030 allerdings nicht so drastisch wie eine vom Land erarbeitete Prognose. Diese sieht 2030 noch 7732 Einwohner in Herzberg. Laut BSM werden es voraussichtlich noch 8674 Einwohner sein. Damit verbunden sei aber eine Abnahme der jüngeren Altersgruppen, heißt es in der Studie. Waren 2014 noch zwölf Prozent der Einwohner unter 16 Jahre alt, so werden es 2030 nur noch 8,9 Prozent sein. Nur unter diesem Hintergrund sei eine Beurteilung der Zukunftsperspektiven der Kita-Standorte möglich. Es müssten auch Flüchtlingszahlen und deren Auswirkung auf die Bildungseinrichtungen beachtet werden.

Trägerwechsel geplant?

Im Bildungs- und Sozialausschuss der Stadt warfen die Abgeordneten einige Fragen auf, so zur Wirtschaftlichkeit der einzelnen Kita-Standorte oder zur Zukunft des Hortes nach der Containerlösung 2007. Thematisiert wurde auch der Trägerwechsel in kommunalen Einrichtungen. Mitarbeiterinnen der Kita "Spatzennest" berichteten im Ausschuss, dass davon die Rede sei, ihre Kita in Trägerschaft der Johanniter zu übertragen. Das beunruhige und verunsichere sie sehr, sagten sie.