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| 18:42 Uhr

Für einen großen Sohn der Stadt
Herzberg auf dem Weg ins Dino-Land

 Diese Tafel am Haus in der Kirchstraße 5 in Herzberg erinnert an das Geburtshaus von Werner Janensch in Herzberg. Gestiftet haben sie Gisela und Rudolf Klaus.
Diese Tafel am Haus in der Kirchstraße 5 in Herzberg erinnert an das Geburtshaus von Werner Janensch in Herzberg. Gestiftet haben sie Gisela und Rudolf Klaus. FOTO: LR / Rudow
Herzberg/Berlin. Das Jahr 2019 wird dem großen Sohn der Stadt, dem Expeditionsforscher Werner Janensch, gewidmet. Das Berliner Naturkundemuseum hilft bei der Ausstellung. Von Birgit Rudow

„Im zentralen Lichthof zeigt das Museum für Naturkunde Fossilien von Tieren und Pflanzen aus der späten Jurazeit. Eine Vielzahl der ausgestellten Objekte stammt aus einer der bedeutendsten paläontologischen Expeditionen am Tendaguru-Hügel, im heutigen Tansania. Zwischen 1909 und 1913 fanden Wissenschaftler des Museums unter Leitung des Paläontologen Werner E. M. Janensch (1878-1969) rund 230 Tonnen Knochen. Es ist die erfolgreichste Dinosaurier-Grabung aller Zeiten. Noch heute stehen die Funde dieser Expedition im Fokus der Forschung des Museums.“ So wirbt das Museum für Naturkunde in Berlin auf seiner Internetseite in höchsten Tönen für seine Saurierwelt, die täglich die Besucher in ihren Bann zieht. Fast jeder kennt das 13 Meter hohe Skelett des Brachiosaurus brancai. Da dürften die Herzen der Herzberger höher schlagen. Denn benannter Werner Janensch ist ein Sohn ihrer Stadt – geboren am 10. November 1878 im Haus Kirchstraße 5.

An dem Gebäude erinnert eine Tafel an ihn. Für die meisten Herzberger aber ist Werner Janensch bis heute ein Unbekannter. Dabei hat es immer wieder Aktivitäten gegeben, den Bürgern die Person Werner Janensch und dessen Wirken näher zu bringen. Erinnert sei an den Beitrag von Dr. Olaf Meier im Heimatkalender 2009 oder an das Ansinnen, einen original Fußabdruck des Brachiosaurus brancai im Stadtpark aufzustellen, woraus bisher jedoch nichts geworden ist.

Jetzt, zum 110. Jahrestag der Tendaguru-Expedition, nimmt die Stadt erneut Anlauf, eine ihrer größten Persönlichkeiten in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Das Jahr 2019 steht in Herzberg im Zeichen von Werner Janensch. Höhepunkt soll eine Ausstellung im Bürgerzentrum sein. Deshalb haben sich Susanne Wegner, zuständig für Stadtmarketing, und der Leiter der Mediathek André Keßler vergangene Woche auf den Weg nach Berlin ins Naturkundemuseum gemacht. Sie wollten herauszufinden, ob das Museum den Herzbergern bei der Ausstellung behilflich sein könnte. „Eigentlich haben wir gedacht, ehrfürchtig um Hilfe betteln zu müssen. Deshalb waren wir total erstaunt, wie aufgeschlossen die Mitarbeiter, allen voran der Kurator für fossile Säugetiere und Geologie Dr. Oliver Hampe, uns und unserem Ansinnen gegenüber standen“, erzählt Susanne Wegner. Die Wissenschaftler würden alle voller Hochachtung von Werner Janensch und seiner Arbeit sprechen, ergänzt André Keßler. „Für die Fachwelt ist er ein großer Name“, sagt er.

 Der grüne Dino, der schon letztes Jahr im Herzberger Stadtbild zu sehen war, überwintert zur Freude der Kinder im Tourismuspunkt.
Der grüne Dino, der schon letztes Jahr im Herzberger Stadtbild zu sehen war, überwintert zur Freude der Kinder im Tourismuspunkt. FOTO: LR / Rudow

Das Museum wird die Ausstellung in Herzberg nach seinen Möglichkeiten vor allem mit Exponaten unterstützen. Nicht mit Originalen, was schon aus Sicherheitsgründen nicht in Frage kommt, aber mit täuschend echten Nachbildungen zum Beispiel von einem etwa 170 Zentimeter großen Schulterblatt des Brachiosaurus brancai, das zum erstklassigen Fotomotiv werden dürfte.

Susanne Wegner und André Keßler sind jetzt dabei, ein Konzept für die Ausstellung zu erstellen. „Wir sind keine Profis, aber wir werden sie in drei Themenbereiche untergliedern – einen zur Person von Werner Janensch, einen zur Tendaguru-Expedition und einen weiteren zu wissenschaftlichen Exponaten, wie Janenschs Präparationen zum Beispiel“, sagt Susi Wegner. Oliver Hampe jedenfalls war begeistert von der Idee. André Keßler ist überzeugt, dass sich auch das Museum weitere Kenntnisse aus dem Leben von Werner Janensch von den Aktivitäten in Herzberg erhofft. Die Forschungen zur Tendaguru-Expedition sind noch lange nicht beendet.

Die Wissenschaftler haben auch Vorträge und eine Buchvorstellung in Herzberg angeboten. Erst im Dezember 2018 ist das Buch „Dinosaurierfragmente – zur Geschichte der Tendaguru-Expedition und ihrer Objekte 1906 bis 2018“ erschienen. Es beleuchtet die Expedition aus verschiedenen Gesichtspunkten bis hin zu der Frage, wem das Material eigentlich gehört, das Werner Janensch damals nach Deutschland bringen ließ. Janensch selbst hat noch bis zu seinem Tod an den Objekten geforscht. Mit einem Passierschein soll er dafür fast täglich von Westberlin in den Ostteil der Stadt gekommen sein.

Auf die Herzberger und viele andere Interessierte wartet jedenfalls (voraussichtlich im August oder September) eine spannende Ausstellung. Doch das soll noch nicht alles zu diesem Thema gewesen sein. „Wir möchten viele Herzberger von Werner Janensch und seinem Wirken begeistern und somit dem Paläontologen und Forschungsreisenden einen Stellenwert in der Stadt geben, den er verdient“, sagt Susanne Wegner.

Und das soll schon bei den Kleinsten beginnen. So hat es bereits erste Aktionen in Kindergärten gegeben. In der Kita „Kuschelbär“ wurde jüngst eine Geburtstagsfeier unter das Thema „Dinosaurier“ gestellt. Die Hortkinder haben Dinos gebastelt und gemalt. Ein großer Malwettbewerb an den Schulen ist geplant. Der Thementag des diesjährigen Tierparkfestes wird unter dem Dino-Motto stehen. Die Mediathek will den Dinosauriern mit Belletristik und Sachliteratur einen ganzen Bereich widmen – für die Großen wie auch für die Kleinen. „Das Thema bietet so viel Potenzial. Es wird Zeit, dass es in Herzberg mal genutzt wird. Und es wird bestimmt über Jahre reichen“, meint André Keßler.