Hertha hat treue Fans. 374 zahlende Gäste wollten ihre "Stars" sehen und erleben, wie fit sie für die Landesklasse sind. Letztlich zog aber auch die Neugier auf Turbine Potsdam. Kamen doch die Fußballfrauen mit der ersten Garnitur, darunter die Nationalspielerinnen Mittag, Peter und die Toptorfrau Angerer sowie sechs U 19-Europameisterinnen. Landesklasse gegen Bundesliga, Männer gegen Frauen, wenn das nichts ist?
"Wir wollen hier unser Spielsystem testen, nehmen die Sache sehr ernst. Sicher aus der Abwehr wollen wir mit zwei Spitzen kontrolliert nach vorn spielen. Die spielerische Komponente steht dabei im Vordergrund, und es soll vor allem fair und verletzungsfrei zugehen", so Herthas Trainergespann Thor und Müller vor dem Spiel. Auch Turbines Cheftrainer Bernd Schröder bat im Vorfeld um eine engagierte, aber nicht zu harte Spielweise. Die Bitten wurden erhört. Beide Mannschaften überstanden das Spiel ohne nennenswerte Blessuren.
Schröder hat sich mit Turbine für die kommende Saison viel vorgenommen, obwohl er mit einem Altersdurchschnitt von 19,9 Jahren eines der jüngsten Teams der Liga leitet. "Ein Titel und unter die ersten drei zu kommen, ist für uns Pflicht."
Der anfängliche Respekt der Herthaner wich ganz schnell der Spielfreude. Hertha zeigte sich äußerst engagiert auf dem Platz, schließlich wollte man auch Revanche für das im Jahr 2002 verlorene Spiel. Und die Aufstiegseuphorie scheint noch in der Mannschaft zu stecken. Als Kutscher bereits nach fünf Minuten das erste Tor erzielte, lief es für die Hertha immer besser. Nur ab und an blitzte die technische Überlegenheit der Potsdamerinnen auf, richtig torgefährlich wurde es aber nicht. Mit dem klaren Endergebnis von 4:0 hatte im Vorfeld niemand gerechnet. Hertha scheint gut gerüstet für die Landesklasse.
Ein bisschen enttäuscht zeigte sich Bernd Schröder. "Das ist nun wirklich nicht das Ergebnis, das wir uns erträumt hatten. Wir waren einfach zu ungeschickt und haben zu viele Fehler gemacht." Den Herthanern stellte er aber ein gutes Zeugnis aus, vom Spielerischen her bis hin zur Organisation.
"Wir haben nur zwei Vorbereitungsspiele und haben uns bewusst für Finsterwalde entschieden. Wir wissen, dass wir in der Region viele Fans haben, denen sind wir einfach ein Spiel schuldig und außerdem haben auch einige Spielerinnen ihre Wurzeln in der Region."
Nach der verpatzten Stadtmeisterschaft zeigten sich auch Hans-Joachim Krause und seine Frau Christiane wieder versöhnt. Beide sind seit Jahren Hertha-Fans und verpassen deshalb auch kein Spiel "ihrer" Mannschaften. "Nun kann ich mich richtig auf die neue Saison freuen, denn die erste Mannschaft hat mich heute total überzeugt. Mit dieser Elf ist der Klassenerhalt sicherlich machbar", schätzt der optimistische Fan ein.