(ru) Zum Klinikum führte der Geschäftsführer aus, dass es in den drei Häusern in Herzberg, Finsterwalde und Elsterwerda 16 chefarztgeführte Fachabteilungen und 22 Klinikambulanzen gibt. Des weiteren sind in den Medizinischen Versorgungszentren 29 Arztpraxen an zwölf Standorten tätig. Mit derzeit 1060 Mitarbeitern, einschließlich Tochtergesellschaften, ist das Klinikum einer der größten Arbeitgeber der Region.

Das Elbe-Elster-Klinikum befindet sich komplett in Trägerschaft des Landkreises. Auch wenn der Kreis für die Absicherung der ambulante Versorgung von Patienten nicht zuständig ist, leistet es mit den im Klinikum angestellten Ärzten in den Medizinischen Versorgungszentren einen großen Anteil an der ambulanten Versorgung.

Zuständig für die ambulante Versorgung durch niedergelassene Ärzte ist die Kassenärztliche Vereinigung. Anhand des statistischen Materials der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) gab Michael Neugebauer einen Überblick über den Versorgungsgrad in den einzelnen medizinischen Fachbereichen.

Fast überall genug Ärzte

Insgesamt, so geht es aus den Auflistungen der KVBB hervor, ist der Landkreis Elbe-Elster außer bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie und bei den Hausärzten im Raum Finsterwalde in allen Fachbereichen überversorgt. Das ist der Fall, wenn der Versorgungsgrad über 110 Prozent beträgt. Eine zusätzliche Ansiedlung von niedergelassenen Ärzten wäre hier so gut wie nicht möglich.

Die KVBB erarbeitet für die einzelnen Regionen in Brandenburg eine Bedarfsplanung. Dafür gibt es vier verschiedene Versorgungsebenen – die hausärztliche Versorgung in der Mittelbereichsebene, die allgemeinfachärztliche Versorgung auf Landkreisebene, die spezialisierte fachärztliche Versorgung auf der Ebene der Raumordnungsregionen (für Elbe-Elster ist das Lausitz-Spreewald) und die gesonderte fachärztliche Versorgung, wie zum Beispiel Humangenetiker, Pathologen oder Nuklearmediziner im gesamten Bereich der KV.

Finsterwalde braucht noch Hausarzt

Wie viele ambulant tätige Ärzte eines bestimmten Fachgebiets es rechnerisch braucht, um die Menschen eines Planungsbereichs medizinisch zu versorgen, wird laut KVBB mit einer Verhältniszahl festgelegt.

Für den Elbe-Elster-Kreis sieht die daraus resultierende aktuelle Versorgungssituation zum 31. Dezember 2018 folgendermaßen aus:

Hausärzte: Im Mittelbereich Elsterwerda-Bad Liebenwerda besteht mit statistisch 27,75 Ärzten ein Versorgungsgrad von 120,6 Prozent. Im Mittelbereich Herzberg (mit Falkenberg) sind es 20,5 Stellen und ein Versorgungsgrad von 110,7 Prozent. Der Mittelbereich Finsterwalde hat 27 Hausärztinnen und Hausärzte. Das entspricht einem Versorgungsgrad von 108,1 Prozent. Der Bereich Finsterwalde wäre für eine Zulassungsbewerbung also offen.

Augenheilkunde: Sieben ambulante Augenärzte – damit erreicht der Landkreis laut KVBB einen Versorgungsgrad von 121,2 Prozent.

Chirurgie und Orthopädie: Mit 9,5 besetzten Arztstellen hat Elbe-Elster hier sogar einen Versorgungsgrad von 131,2 Prozent.

Frauenheilkunde: In diesem Bereich liegt der Grad der Versorgung noch höher, nämlich bei 148 Prozent. Zwölf niedergelassene Ärztinnen und Ärzte gibt es in EE.

HNO-Heilkunde: Mit vier Fachärzten in Elbe-Elster hat der Kreis einen Versorgungsgrad von 119,6 Prozent.

Innere Medizin: Hier betrachtet die KVBB die Region Lausitz-Spreewald. Mit 58,5 Arztstellen liegt der Versorgungsgrad bei 192,6 Prozent.

Kinder- und Jugendmedizin: Hier liegt die Versorgung mit fünf Ärzten im Landkreis Elbe-Elster bei 134,2 Prozent.

Kinder- und Jugendpsychiatrie: Der Versorgungsgrad beträgt bei nur fünf Ärzten in der Region Lausitz-Spreewald 97,8 Prozent.

Nervenheilkunde: Im Elbe-Elster-Kreis arbeiten vier Fachärzte. Der Versorgungsgrad liegt bei 116 Prozent.

Dermatologie: Mit drei Fachärzten ist ein Versorgungsgrad von 111,2 Prozent im Landkreis erreicht.

Urologie: Elbe-Elster gilt mit drei Fachärzten und einem Versorgungsgrad von 120,2 Prozent als überversorgt.

Psychotherapie: Im Landkreis sind 18,5 Psychotherapeutenstellen besetzt. Das entspricht einem Versorgungsgrad von 114,2 Prozent.

Amtsärztin: Bedarfsplanung ist unrealistisch

Doch was sagen diese Zahlen eigentlich aus? Die Wahrnehmung in der Bevölkerung in Bezug auf die Haus- und Facharztversorgung ist eine völlig andere. Es gibt viele Beschwerden über lange Wartezeiten auf Facharzttermine. Elbe-Elster-Amtsärztin Dr. Anne-Katrin Voigt hält die Bedarfsplanung der KVBB ebenfalls für unrealistisch. Die Planungsrichtlinien der Kassenärztlichen Vereinigung basierten auf Erhebungen aus den Jahren 1991/92, sagt sie.

Und wie sieht das die Kassenärztliche Vereinigung? „Wir wissen, dass die Zahlen mit der gelebten Realität und dem gefühlten Versorgungsgrad nicht übereinstimmen“, sagt Christian Wehry, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg. Die Basis für die durchschnittlichen Verhältniszahlen sei vom Bund vorgegeben. Das habe das Bundesgesundheitsministerium Anfang der 90er-Jahre gemacht, um der damaligen Situation einer Arztschwemme vorzubeugen, so der Pressesprecher. Der Landesausschuss mit Vertretern der Ärzte, Krankenkassen, Landeskrankenhausgesellschaften und Patienten diskutiere stets mit den Krankenkassen die Vergabe von Verträgen für Ärzte. So würden die individuellen Verhältniszahlen für die unterschiedlichen Regionen in Brandenburg festgelegt. Dabei spiele auch die demografische Entwicklung eine große Rolle. „Die Planung muss aber überprüft werden. Wir haben den Auftrag bekommen, die Bedarfszahlen näher zu betrachten“, so Christian Wehry.

Der Bedarf sei die eine Seite, genügend Ärzte die andere, fügt er an. „Es ist eine große Aufgabe, Ärzte für Brandenburg zu gewinnen, nicht nur für Herzberg“, sagt er. Ärzte, die demnächst das 60. Lebensjahr erreichen, würden von der KVBB angeschrieben mit der Bitte um Auskunft, wie lange sie noch praktizieren möchten. Es gehe darum, frühzeitig zu wissen, wann Ersatz benötigt wird, um langfristig entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können, so Wehry.

Viele Ärzte kurz vor dem Rentenalter

Die Situation bei der ärztlichen Versorgung und vor allem die Tatsache, dass viele Ärzte in Elbe-Elster vor dem Ruhestandsalter stehen, hat auch die Schliebener Landtagsabgeordnete Iris Schülzke kürzlich veranlasst, eine entsprechende Kleine Anfrage an die Landesregierung zu stellen. Aus der Antwort des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie geht hervor, dass der Elbe-Elster-Kreis trotz sinkender Vertragsarztdichte eine im Vergleich zu gesamt Brandenburg deutlich positivere Vertragsarztdichte aufweist. Die lag 2017 im Verhältnis zur Einwohnerzahl in Brandenburg bei 724. In Elbe-Elster betrug sie 775. Elbe-Elster weist aber einen hohen Anteil von Haus- und Fachärzten aus, die älter als 60 Jahre sind. Per 31. Dezember 2017 waren das bei Fachärzten 29,2 Prozent und bei Hausärzten 38,2 Prozent (30 Prozent Mittelbereich Elsterwerda/Bad Liebenwerda; 50 Prozent Herzberg und 34,6 Prozent Finsterwalde). Laut Ministerium hat der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen deshalb den Mittelbereich Herzberg als Förderregion im hausärztlichen Bereich ausgewiesen. In einer solchen Region werden Niederlassungen bzw. die Übernahmen von Praxen mit bis zu 55 000 Euro gefördert.