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Halb Herzberg beim Sommerkino

Julius Meier (Schwester Hermine ist noch in den Ferien) nimmt den ersten Preis von Ulf Lehmann und Dr. Olaf Meier (r.) entgegen.
Julius Meier (Schwester Hermine ist noch in den Ferien) nimmt den ersten Preis von Ulf Lehmann und Dr. Olaf Meier (r.) entgegen. FOTO: Birgit Rudow
Herzberg. "Halb Herzberg beim Sommerkino" – nun gut, das ist vielleicht etwas übertrieben. Sommerkino gibt es vielerorts. Birgit Rudow

Aber in Herzberg ist es doch etwas Besonderes. Und so ließ auch die 9. Auflage keinen Zweifel daran, dass der Platz namens Plan inmitten der Stadt wieder rappelvoll werden würde. Klappstuhl unter den Arm geklemmt, ein paar Euro in die Hosentasche gesteckt, Petrus für vernünftiges Wetter gedankt — und schon war der Weg frei für einen schönen Abend unter freiem Himmel in Gesellschaft von noch ein paar Hundert anderen. So jedenfalls fühlte es sich Freitagabend für die Besucher an.

Die Organisatoren hingegen hatten schon etwas mehr zu tun. Denn Sommerkino auf dem Plan, das ist mehr, als Technik und Biertischgarnituren aufzubauen, sich um die Versorgung zu kümmern und einen guten Streifen auszusuchen (in diesem Fall "tschick" von Fatih Akin). Dieses Ereignis wird eher von den Kurzfilmen befeuert, die Herzberger selbst gedreht haben, die von einer illustren Jury bewertet wurden und die beim Sommerkino zu ihrer öffentlichen Aufführung kommen. Drei Kurzfilme mit Bezug zu Herzberg wurden diesmal eingereicht. Frei nach Luther hieß das Motto "Gute Werke (Filme) haben keinen Namen". Wenn aber doch, ist es auch nicht schlimm. So zeigten Stefan Kaatz und Karsten Eule-Prütz "Herzberg von oben" mit wunderschönen Drohnen-Aufnahmen. Der Streifen könnte gut und gern an alle Schulen der Region Herzberg gehören - als Werbefilm für das, was die Heimat so schön und attraktiv macht.

Wenn Steffen Modrach und Christian Poser dabei sind, zwei ausgemachte Mimen und Komiker auch mit ernster Hintergründigkeit, dann wird es interessant und mitunter kompliziert. So auch bei ihrem Film "Hänsel und Gretel". Schaurig-witzig. Doch soviel Mühe sich die Erwachsenen mit ihren Filmen auch gegeben haben, der 1. Preis (immerhin 120 Euro) ging an das Geschwisterpaar Julius (13) und Hermine (8) Meier für seine vier lustigen Luther-Szenen in Herzberg. Da versaut der Volkspolizist mit seinem Paragrafen-Gequassell dem Martin den Thesenanschlag an die Stadtkirche St. Marien, und da muss sich der Julius, der eigentlich nur mal fragen wollte, wo er müssen kann, im Tourismuspunkt erstmal alle Luther-Andenken zeigen lassen, ehe er mit dem Luther-Klopapier seinem Ansinnen näher kommt. Julius, der einfach mal was Witziges über Luther machen wollte, und Hermine haben den Wettbewerb schon zum dritten Mal gewonnen. Das sollte den "großen" Filmemachern vielleicht zu denken geben. Aber das hat Zeit bis zum nächsten Sommer.

Jetzt kommt erst der Herbst. Und weil die Herzberger schon mal überlegen, ob sie sich nicht noch das eine oder andere neue Kleidungsstück gönnen, haben hiesige Models schon traditionell zum Sommerkino die neue Kollektion der Boutique Fashion & Style von Jutta Globig vorgestellt. Sollte da manche Dame eher der Modenschau als der Filme wegen gekommen sein?

Das bleibt Spekulation. Es war jedenfalls wieder eine runde Sache, die Günter Schulze, Olaf Meier und Ulf Lehmann auf dem Platz mitten in Herzberg initiiert haben. Und weil es ohne viele Helfer und Sponsoren nicht geht, gab es auch jede Menge Dankesbekundungen. Wir danken auch: für einen schönen Sommerflimmerabend mit halb Herzberg auf dem Plan.