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| 02:44 Uhr

Hafen immer teurer für Mühlberger

Bald wieder Umschlagplatz? Der Hafen in Mühlberg wurde nur einmal bislang von Flügelhersteller Vestas genutzt.
Bald wieder Umschlagplatz? Der Hafen in Mühlberg wurde nur einmal bislang von Flügelhersteller Vestas genutzt. FOTO: vrs1
Mühlberg/Lauchhammer. Bereits 2,5 Millionen Euro sind in die Ertüchtigung des Binnenhafens in Mühlberg geflossen. Flügelhersteller Vestas fährt dennoch lieber über Land. Das könnte sich ändern. Auch weil Fördermittel für letzte Arbeiten am Hafen winken. Dafür haben die Abgeordneten der Erhöhung der Grundsteuern zustimmen müssen. Corinna Karl

. Es ist eine bittere Pille, die Mühlberg schlucken muss. Das Land stellt der Kommune für Ausgleichspflanzung, die im Zuge des Hafenneubaus zu leisten sind, und für die Ertüchtigung der wasserseitigen Einfahrt 573 000 Euro in Aussicht. Eine Bedingung: die Erhöhung der Hebesätze.

In der Stadtverordnetenversammlung (SVV) taten sich die Volksvertreter schwer mit ihrer Entscheidung, hatten in Ausschüssen intensiv diskutiert. Dietmar Müller (CDU): "Wenn ich hier zustimme, stimme ich gegen unsere Bürger", schimpfte er. Auch andere hatten, wie es Jörg Fabian (Wählergruppe "Für Altenau"), Vorsitzender der SVV formulierte, "Bauchschmerzen". Abgeordnete erinnerten daran, dass 2007 nur eine politische Entscheidung gefordert wurde. Der Bund, hieß es damals, sei zuständig für die Elbe und damit für die Hafenzufahrt. Aus eigenen Haushaltsmitteln kann Mühlberg sich die Ertüchtigungsarbeiten wie das Freibaggern der Einfahrt nicht leisten. "Die Kommune kann Zuweisungen erhalten, wenn sie Bedingungen erfüllt, wie der Nachweis von Wirtschaftlichkeit", so Bürgermeisterin Hannelore Brendel (parteilos). Zudem steigt die Grundsteuer A von 270 auf 288 Prozent, die Grundsteuer B von 379 auf 381 Prozent. Jörg Fabian: "Ich stimme zu, im Interesse der Region." Die Mehrheit der Abgeordneten folgten seinem Beispiel. Diese Erhöhung ist befristet (zwei Jahre), gilt ab 2014. Die Zustimmung hatten die Vertreter jedoch ebenso an Bedingungen geknüpft: unter anderem müsse die Ortsumgehung (L 67) vorangetrieben werden, zudem müsse bis zu ihrer Fertigstellung die Durchfahrt der Baulaster durch die Stadt beschränkt werden.

Jan Hinrich Glahr von der Betreibergesellschaft begrüßt die Entscheidung: "Die wasserseitige Erreichbarkeit ist wichtig." Es gebe wieder Gespräche mit Vestas und anderen Interessenten. Es wurde als Holzumschlagplatz ins Auge gefasst. "Auch gibt es Anfragen aus Sachsen und von Schwergutspediteuren." Konkret sei leider nichts. Glahr: "Ich sehe es aber weiter positiv."

Vestas-Sprecherin Ines Heger: "Aus unserer Sicht ist der Hafen Mühlberg eine sinnvolle Infrastruktur-Investition in die Region. Die Möglichkeit, den Hafen zu nutzen, ist ein großer Wert und ist für den Standort Vestas in Lauchhammer existenziell wichtig." Zukünftig zeigen sich Chancen für Mühlberg auf. Heger: "Gerade haben wir den Fall, dass die wichtigste Nord-Süd-Achse in Norddeutschland, die A7-Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal für Schwerlasttransporte mindestens bis Ende des Jahres gesperrt ist. Es können über diese Strecke keine Rotorblätter von Deutschland nach Dänemark und keine Gondeln von unserem dänischen Hauptsitz nach Deutschland transportiert werden." Die Transporte müssten auf schwierige Alternativrouten ausweichen. Heger: "Was sehr abhängig von Sondergenehmigungen und mit hohen Kosten verbunden ist." Vestas prüfe gerade mit der Betreibergesellschaft, ob die Projekte effizienter über Mühlberg umgeschlagen werden können. Laut Vertrag zahlt Vestas fürs Recht der Nutzung, deckt so die laufenden Kosten des Hafens.