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| 14:06 Uhr

Ganz viel Eigeninitiative
Großrössener haben Teil des alten Gutshauses saniert

Großrössen. Einstiger Bewohner stiftet Geld für sein Geburtshaus.

Manchmal bedarf es eines glücklichen Umstands, dass sich im Ort wieder was bewegt. Das war auch im Fall des alten Großrössener Gutshauses so, für das Stadt und Gemeinde bisher nie ausreichend Geld zur Verfügung hatten, um hier einmal kräftig Hand anzulegen. Der Bereich, in dem sich die Kita befindet, hat erst in den zurückliegenden zwei Jahren eine umfangreiche Sanierung erfahren. Der verbleibende Teil, in dem sich der Kulturraum der Gemeinde befindet, blieb davon jedoch aus Finanzierungsgründen ausgespart.

Genau so bekam das Dr. Tilo von Wilmowsky zu sehen, als er im Vorjahr Großrössen besuchte. Seinen Geburtsort. Im alten Gutshaus erblickte er 1941 als Sohn des letzten Gutsbesitzers das Licht der Welt. Auch wenn die Familie mit Kriegsende das Gehöft verließ und Wilmowsky kaum noch Erinnerungen an die Zeit in Großrössen hatte, wollte er noch einmal sehen, was aus dem einstigen Besitz geworden ist. Die Großrössener Ortschronistin Karin Jaich, die mit ihm per Brief Kontakt geknüpft hatte, sollte ihn nun persönlich kennenlernen.

„Wir haben ihm einen Tag lang Großrössen gezeigt. Waren unter anderem in der Kita, in der Kirche - und eben auch in dem Gebäudeteil des alten Gutshauses, in dem sich heute unser Kulturraum befindet“, berichtet Karin Jaich. Was der Gast speziell in letztgenanntem Bereich zu sehen bekam, war nicht vorzeigenswert: eine über die Jahre ausgelatschte Steintreppe, ein Treppenhaus, das schon Jahre keinen Maler mehr gesehen hatte und in dem es muffig roch, Sanitäranlagen, die mehr schlecht als recht funktionierten und keineswegs einen passablen Eindruck machten sowie einen großen Raum, eben jenen Kulturraum, der durchaus einige verschönernde Maßnahmen brauchen könnte.

Dr. Wilmowsky scheint das Gesehene nicht losgelassen zu haben. Wieder zu Hause in Göttingen angekommen, schrieb er Jaichs, dass er Geld stifte: den Großteil für die Sanierung des vom Dorfes genutzten Teils des alten Gutshauses, einen kleineren Betrag für die Orgel in der Kirche. „Das Geld ging auf unser Privatkonto. Und dann haben wir losgelegt“, erzählt Karin Jaich. Klempner, Trockenbauer, Fliesenleger und Maler haben das Treppenhaus und die Sanitäranlagen in Ordnung gebracht. Um die Arbeiten auszufinanzieren, hat neben der Stadt Falkenberg auch das Busunternehmen der Familie Jaich noch einige Euro draufgepackt. Das Ergebnis kann sich nun sehen lassen – auch „dank der vielen freiwilligen Helfer“, will Karin Jaich nicht unerwähnt lassen.

Und selbst wenn regelmäßig Fotos nach Göttingen geschickt wurden, der einstige Gutsbewohner möchte sich in diesem Jahr noch persönlich davon überzeugen, was aus dem Geld geworden ist. Auch weil ganz nebenbei eine deutsch-deutsche Freundschaft entstand.

(sk)