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Großräschener ist Doppelweltmeister

Ausgelassene Stimmung unter den erfolgreichen deutschen Zollstocksammlern bei der weltgrößten Baumesse in München. Rechts der nunmehrige Doppelweltmeister Reiner Pietrzak aus Großräschen.
Ausgelassene Stimmung unter den erfolgreichen deutschen Zollstocksammlern bei der weltgrößten Baumesse in München. Rechts der nunmehrige Doppelweltmeister Reiner Pietrzak aus Großräschen. FOTO: privat
Großräschen. Reiner Pietrzak aus Großräschen besitzt jetzt die beiden wichtigsten Weltrekorde im Sammeln von Zollstöcken. Bei der Messe "Bau München", der weltgrößten ihrer Art, hat er den Standverantwortlichen auf seiner mehrtägigen Marathontour sagenhafte 1120 Stück der hölzernen Gliedermaßstäbe regelrecht abgequatscht. Manfred Feller

Auf so viele habe es noch keiner gebracht. Der alte Rekord lag bei 1054.

"Frech kommt weiter", beschreibt der sprachgewandte 61-jährige Versicherungsmann sein stets erfolgreiches Herangehen. "Man darf nicht zu vorsichtig und nicht zu überfreundlich auftreten. Eine Schablone habe ich nicht, sondern stelle mich auf jeden Firmengesprächspartner ein", sagt er, der stets einen flotten Spruch auf Lager hat.

Er interessiere sich durchaus für das jeweilige Unternehmen und dessen Produkte. Wenn sein Gegenüber jedoch anfängt, die Vorzüge seiner Betonmischer, Dachziegel und Arbeitssocken aufzuzählen, dann rückt Reiner Pietrzak freundlich, aber bestimmt mit der Sprache heraus, dass er es eigentlich nur auf die bedruckten Zollstöcke abgesehen hat. Er weise sich unter anderem mit dem jüngsten RUNDSCHAU-Weltmeisterartikel aus und reicht seine bunte Visitenkarte herüber. Zusätzlich durften die Münchner Aussteller in extra angefertigte Weltrekordlisten unter der Überschrift "Wir haben geholfen" unterschreiben.

Unter den in München eingesammelten 1120 Zollstöcken waren sehr viele doppelt, zehn- und zwanzigfach vertreten. Für die Rekordsammlung in Großräschen bleiben lediglich 136 übrig, die Reiner Pietrzak noch nicht hat. Die anderen werden wie immer getauscht. Falle ihm ein bedruckter Zollstock in die Hände, dann könne er mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, ob er diesen bereits besitzt. Durch München hat sich seine Sammlung einmaliger, nicht doppelter Stücke auf jetzt 52 786 erhöht. Fast täglich werden es mehr. Aus Platzgründen dämpft der Großräschener seine Leidenschaft. Der Zweitplatzierte liegt mit unter 52 000 Stück ein wenig zurück. Reiner Pietrzak sieht auf absehbare Zeit keine Gefahr, dass ihn jemand einholt. Von der im Internet kursierenden Liste hält er nicht viel. Dort seien weniger "Jäger", denn Aufkäufer von aufzulösenden Sammlungen unterwegs, die zudem oft kaum Wert auf ausschließlich Einzelstücke legen.

Über seine weniger professionell agierenden Mitbewerber in München, wie Olaf aus Greifswald, Egon aus Nürnberg und Marcel aus Geisa in Thüringen, kann der Großräschener Weltrekordhalter nur schmunzeln. "Ich habe mich kaputtgelacht, wie die sich angestellt haben. Statt der Zollstöcke bekamen sie manchmal nur Gummibärchen", erinnert er sich. Egoistisch sei er trotzdem nicht. Er gebe Tipps gern weiter und suche nach wie vor Mitstreiter aus der näheren und weiteren Umgebung, die mit ihm Messen besuchen (Telefon 03573 14257).

In München hat Reiner Pietrzak einen wahren Marathon hingelegt. Er war fast vier komplette Tage unterwegs. "Dabei habe ich nicht weniger als 1414 Firmenvertreter angesprochen. Zum Essen war kaum Zeit", sagt er. Insgesamt gab es 2160 Aussteller. Ausländische Firmen habe er kaum aufgesucht. Zollstöcke als Werbegeschenke seien bei denen eher nicht üblich. Österreich gehe gerade noch so. "Dagegen sind die Schweizer geizig", bemängelt er. Bis auf eine Firma, die mit sage und schreibe 8000 durchnummerierten Zollstöcken angereist war und dem deutschen Weltrekordbesitzer geholfen hat.

Festgestellt hat er auch, dass ostdeutsche Firmen weniger Geld für Werbung übrig haben. "Im Westen ist das ganz anders. Vereine und Sammler interessieren die Menschen dort viel mehr. Die waren begeistert, dass sie einen Weltmeister leibhaftig vor sich haben", weiß Reiner Pietrzak inzwischen ganz genau, wo er am erfolgreichsten ist. Einziger Nachteil vom vielen Überreden: "Am En- de war die Stimme total weg."

Bei der Messe habe er täglich mindestens drei Koffer voll mit Zollstöcken aus den Hallen und hin zur Pension geschleppt.

Jetzt hat der beste Gliedermaßstabsammler über alle Kontinente hinweg das nächste Ereignis vor Augen: die Welttauschbörse am 24. April in Köthen. Diese findet jedes Jahr in der dortigen Mensa statt. Bis dahin könnte die nie erreichte Marke von 53 000 Zollstöcken erreicht sein, bevor Reiner Pietrzak dort noch einmal ordentlich nachlegt. Und sich natürlich als Weltrekordler feiern lässt.