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Großes Schwärmen vom „dunklen Himmel“

Jeßnigk. Nur gut, dass das Jeßnigker Areal, auf dem sich das AstroTeam Elbe-Elster angesiedelt hat, so viele „Reserven“ bietet. Bei nahezu 300 Besuchern sind die Wiesen am Kulturhaus schon recht dicht bevölkert. Der Großteil der Gäste hat eine längere Anfahrt und bleibt das gesamte Wochenende. Da ist nicht nur Platz für die Astrotechnik gefragt, sondern auch für ausreichend Stellflächen für Zelte und Wohnmobile. Von Sylvia Kunze

Die Veranstalter des Treffens nehmen mit zufriedenem Blick das rege Treiben auf den Wiesen zur Kenntnis. Während in den ersten Jahren die Zahl der Tagesgäste weitaus größer war als die der Dauersternengucker, hat sich das Verhältnis nun gedreht. Wer Hunderte Kilometer anreist, um bei dieser Sternenparty dabei zu sein, fährt schließlich nicht nach zwei Stunden wieder nach Hause. Auch der in der Nähe von Stuttgart wohnende Bernhard Engeser gehört zu diesen Dauergästen. Vor zwei Jahren ist er auf dieses Treffen aufmerksam geworden. Im vergangenen Jahr kam er zwischendurch mal nach Jeßnigk. Diesmal hat er sich extra das Wochenende freigehalten, um wieder beim Teles koptreffen dabei zu sein. “Das war eine Wahnsinnsnacht„, schwärmt er von seinen Beobachtungen in der Nacht zum Samstag. “Ich war schon bei vielen Treffen, aber so einen dunklen Himmel wie hier findet man glaube ich in ganz Deutschland nicht noch einmal„, begründet er die weite Reise. “Außerdem ist das Treffen bestens organisiert„, lobt er Rahmenprogramm, Versorgung und das gesamte Fluidum.

Sogar international ist es. Gleich nebenan hat ein Schwede seine Apparatur aufgebaut. Schräg dahinter kann man eine tschechische Gruppe entdecken. Und mittendrin genießt Walter Meier die Atmosphäre. Der Schweizer ist durch einen Leipziger Astrofan auf das Treffen aufmerksam geworden. “Es ist beeindruckend, was man hier zu sehen bekommt. Ich finde es toll„, sagt der rüstige Senior, der sich seit Jahren mit den Sternen beschäftigt. Auch er bestätigt das mit dem “dunklen Himmel„ über Jeßnigk.

Für Ralf Hofner vom AstroTeam die beste Gelegenheit, noch einmal ein ausdrückliches Dankeschön an die umliegenden Gemeinden loszuwerden, in denen während des zurückliegenden Wochenendes die Straßenbeleuchtung in den Nachtstunden auf absoluter Sparflamme gefahren wurde. “Das hat die Bedingungen noch wesentlich verbessert„, weiß Hofner. Und so was spricht sich herum -- weltweit. “Sogar eine Anfrage aus Kanada hat uns erreicht„, berichtet er.

Eine besondere Akttraktion beim 11. Herzberger Teleskoptreffen ist die nagelneue Sternwarte des AstroTeams. Michael Möckel hat den finanziellen Löwenanteil gestemmt. Der junge Mann aus Chemnitz ist passionierter Astrofreak und von den Bedingungen in Jeßnigk fasziniert. Stundenlang hat er mit seinen Vereinsfreunden im zurückliegenden Jahr an der Sternwarte gewerkelt. Pünktlich zum Treffen ist sie soweit fertig, dass das erste Opening gefeiert werden kann. “Die Leute haben Schlange gestanden, um sich hier oben mal umsehen zu können„, freut sich Michael Möckel über großes Interesse, das das gesamte Wochenende über nicht abreißt. Immer wieder kraxelt ein neuer Neugieriger die schmale Treppe hinauf und steigt zu ihm in die drehbare Kuppel. Mancher kommt inzwischen zum wiederholten Mal, schließlich gibt es dank modernster Technik immer wieder was Neues zu sehen. Ein wichtiges Detail für Möckel: “Das hier oben kann ich alles von Chemnitz aus bedienen.„

Eine richtige Einweihung der Sternwarte soll es später geben. Aber bis dahin stehen noch einige Arbeitseinsätze für das AstroTeam auf dem Plan.