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Großer Gesprächsbedarf beim geplanten Schutzgebiet

Frankenhain. Im Schliebener Land soll im Bereich Frankenhain ein Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Vor Ort ist man wenig begeistert. Die Amtsverwaltung, aber auch Landnutzer und Jäger stehen dem Vorhaben eher ablehnend gegenüber. Sylvia Kunze / Quelle: Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg

Das Naturschutzgebiet "Frankenhainer Luch" ist schon seit mehreren Jahren im Gespräch. Erstmals ist das Vorhaben der Unterschutzstellung 2002 von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises angegangen worden. "Der Landkreis hatte sich die Befugnis zur Ausweisung des gleichnamigen Naturschutzgebietes übertragen lassen. Zunächst erfolgte die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange. Schon damals gab es Bedenken vonseiten des Amtes Schlieben und verschiedener Landnutzer zur Unterschutzstellung", erinnert sich Jutta Wegner, bei der Kreisverwaltung für die Landschaftspflege und die Schutzgebiete zuständig.

Der Landkreis habe diese Bemühungen letztlich nicht weiter vorangetrieben und abgebrochen, als offenkundig wurde, "dass die alleinige Unterschutzstellung der geplanten Fläche für eine nachhaltige Sicherung des FFH-Gebietes ,Kremitz und Fichtwaldgebiet' nicht ausreichend ist, (...) weil wesentliche Teile des inzwischen ausgewiesenen FFH-Gebietes fehlten."

Stattdessen treibt nun das Land die Unterschutzstellung der Flächen, deren Grenzen jetzt in veränderter Form erscheinen, voran. Seit dem Spätsommer liegt der Entwurf vor. Schutzzweck sei, so ist zu lesen, die vielfältig strukturierte und für die Niederlausitz bedeutsame Niedermoorlandschaft in diesem Gebiet. Augenmerk liegt dabei auf Feuchtwiesen und Feuchtweiden, Pfeifengraswiesen, Flutrasen, Staudenfluren feuchter und frischer Standorte und Bruchwälder; ebenso auf wild lebende Pflanzenarten (darunter besonders und streng geschützte Arten wie z.B. Torfmoose, Froschbiss und Wasserfeder) und Tierarten (beispielsweise Kranich, Bekasine und Tüpfelralle).

Die Träger öffentlicher Belange sind bereits Ende vergangenen Jahres in einem öffentlichen Auslegungsverfahren beteiligt worden. Die Stellungnahme des Amtes Schlieben fasst im Wesentlichen alle vor Ort aufgekommenen Sorgen und Ängste, die beim Lesen des Entwurfs zur Verordnung über das Naturschutzgebiet "Frankenhainer Luch" aufkommen, zusammen und besteht aus drei Kernthemen: Landwirtschaft, Jagd, Gewässerunterhaltung. Es wird die Forderung aufgemacht, dass die im Geltungsbereich wirtschaftenden landwirtschaftlichen Betriebe nicht in ihrer Existenz eingeschränkt werden dürfen. Amtsdirektor Andreas Polz und Kämmerin Cindy Wegner als Unterzeichner der Stellungnahmen sehen aufgrund unflexibler Festsetzungen diese durchaus in ihrer Existenz bedroht. Auch Verbote der Jagdausübung bereiten Sorgen. Insbesondere wird eine unkontrollierte Vermehrung von Waschbären befürchtet. Und im Bereich der Gewässerunterhaltung leuchten alle Warnlampen, wenn vom Hauptvorfluter Kremitz und womöglich eingeschränkter Unterhaltung die Rede ist. Das Amt erteilt der Ausweisung des Naturschutzgebietes jedenfalls keine Zustimmung.

Eine von der im Schliebener Land beheimateten Landtagsabgeordneten Iris Schülzke (BVB/Freie Wähler) Kleine Anfrage an die Landesregierung greift ebenfalls diese Sorgen auf. In der Antwort des Ministers wird jedoch darauf verwiesen, dass z.B. landwirtschaftliche Nutzung grundsätzlich weitergeführt werden könne und Auflagen zur Beantragung von Ausgleichszahlungen berechtigen. Auch andere Sorgen werden entkräftigt.

"Ich weiß, dass noch viel Rede- und Erklärungsbedarf besteht", sagt die für das Verfahren zuständige Bearbeiterin vom Landesamt für Umwelt in Cottbus, Sabine Ludwig. "Die Bedenken werden auf jeden Fall ernst genommen", versichert sie und kündigt an, in den nächsten Monaten das Gespräch mit den Ansprechpartnern vor Ort zu suchen.

Zum Thema:
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