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| 11:36 Uhr

Naturschutz in Elbe-Elster
Große Wiese im Oelsiger Moor gemäht

Ein zu einer Morraupe umgebauter Pistenbully ist im Oelsiger Luch zum Einsatz gekommen. Die von ihm ausgeführte Wiesenmahd war die erste Maßnahme, die sich aus dem neuen Bewirtschaftungsplan für das Gebiet ableitete.
Ein zu einer Morraupe umgebauter Pistenbully ist im Oelsiger Luch zum Einsatz gekommen. Die von ihm ausgeführte Wiesenmahd war die erste Maßnahme, die sich aus dem neuen Bewirtschaftungsplan für das Gebiet ableitete. FOTO: NaturSchutzFonds / privat
Oelsig. „Nach 30 Jahren, in denen nur geredet wurde, ist endlich was gemacht worden“, freut sich Gerhard Kupke, dessen Aufmerksamkeit seit vielen Jahren dem Oelsiger Luch gilt. Mit Spannung erwartet er nun die nächste Blühsaison. Welche schon vor Ort ausgestorben geglaubten Pflanzen werden wieder Platz zum Wachsen finden? Von Sylvia Kunze

Mit Spezialgerät ist jetzt die nasse Pfeifengraswiese im Oelsiger Luch gemäht worden. Angestoßen wurde die Maßnahme im Rahmen der Erstellung des Schutz- und Bewirtschaftungsplanes für das Oelsiger Luch, welche die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg in den vergangenen zwei Jahren koordinierte und im Sommer dieses Jahres abgeschlossen hat. Die Mahd lässt nun hoffen, dass Orchideen, die früher in dem Gebiet einmal gewachsen sind, nun, da sie wieder Platz zum Wachsen finden, zurückkehren.

„Das Breitblättrige Knabenkraut ist eine dieser Orchideen, die schon seit einigen Jahren nicht mehr gesichtet wurden. Ihr Verschwinden könnte mit dem starken Aufwuchs auf der Fläche zu tun haben, der kleinwüchsigere Pflanzen mehr und mehr verdrängte“, beschreibt André Freiwald, der sich aus der Sicht der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg mit dem Luch beschäftigt.

Er weiß: Das ist kein Einzelfall. „Vor Beginn der Industrialisierung der Landwirtschaft wurden auch diese nassen Wiesen gemäht und das Schnittgut oft als Einstreu verwendet. Heute lohnt sich diese Form der Bewirtschaftung nicht mehr. Viele solcher artenreichen Wiesen wachsen daher in ganz Brandenburg zu.“

Noch bis vor einiger Zeit hat der Naturschutzverein „Elsteraue“, der die Flächen betreut, mit mühevoller Handarbeit die Flächen im Oelsiger Luch gemäht, denn Technik kann aufgrund des Wasserstandes in diesem Gebiet längst nicht mehr zum Einsatz kommen. Die Vereinsmitglieder können diese kraftaufwendige Arbeit mittlerweile aber nicht mehr zu leisten.

Im Zuge des Erstellens des Schutz- und Bewirtschaftungsplanes für das Gebiet ist auch dieses Problem erkannt und ganz oben auf die Liste der zu erledigenden Arbeiten gesetzt worden. Mit der Firma R.-P.  Meyer-Luhdorf, die sich auf die Mahd genau solcher nassen Flächen spezialisiert und in ganz Brandenburg Feuchtwiesen mäht, hat sich der NaturSchutzFonds einen guten Partner an seine Seite geholt. André Freiwald hat gemeinsam mit Anwohnern aus Oelsig und Mitgliedern des Falkenberger Naturschutzvereines „Elsteraue“ diese Naturschutzmaßnahme initiiert. Finanziert wurde sie über das Vertragsnaturschutzprogramm des Landesamtes für Umwelt. Ein Pistenbully PB 240 ist dabei als Mäh- und Laderaupe für leicht verbuschte Feuchtwiesen im Oelsiger Luch zum Einsatz gekommen.

„Auch wenn heute keine Orchideen mehr auf der Pfeifengraswiese wachsen, sind hier noch viele andere gefährdete Arten der Roten Liste zu finden: Kuckuckslichtnelke, Sumpf-Veilchen und Kümmelsilge zum Beispiel. Insgesamt 50 Arten wurden bei Untersuchungen im Rahmen der Managementplanung gefunden“, informiert Katinka Münch, die für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Natura 2000-Managementplanung verantwortlich ist.

„Ein weiterer Einsatz der Moorraupe im Oelsiger Luch in den kommenden Jahren ist denkbar“, wagt  André Freiwald einen Blick in die Zukunft. „Da werde ich dranbleiben“, versichert Gerhard Kupke, der seit vielen Jahren ortsansässiger „Moorbeauftragter“ ist und mit Sorge die „starke Vernachlässigung“ der Wiesenfläche beobachtet hat. Er bleibt jetzt optimistisch: „Experten haben berichtet, dass sich Samen bis zu 30 Jahre im Boden halten kann. Warten wir es also ab, welche seltenen Pflanzen nun wieder auf der Pfeifengraswiese im Oelsiger Luch Platz zum Wachsen finden.“

So sieht die Pfeifengraswiese nach der Mahd aus. Über viele Jahre war sie vernachlässigt worden. Mit normaler Technik kommt man auf die nasse Fläche nicht mehr rauf. Reine Handarbeit ist nicht mehr zu leisten bzw. nicht mehr bezahlbar.
So sieht die Pfeifengraswiese nach der Mahd aus. Über viele Jahre war sie vernachlässigt worden. Mit normaler Technik kommt man auf die nasse Fläche nicht mehr rauf. Reine Handarbeit ist nicht mehr zu leisten bzw. nicht mehr bezahlbar. FOTO: NaturSchutzFonds / privat
Man hofft, dass auch das Breitblättrige Knabenkraut wieder blühen wird.
Man hofft, dass auch das Breitblättrige Knabenkraut wieder blühen wird. FOTO: NaturSchutzFonds / privat