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| 02:39 Uhr

Gräfendorfer: Stadt soll klagen

Vielen Gräfendorfer wäre dieses Bild ein Grauen. Sie wollen den Bau der 207 Meter hohen Windkraftanlagen noch verhindern.
Vielen Gräfendorfer wäre dieses Bild ein Grauen. Sie wollen den Bau der 207 Meter hohen Windkraftanlagen noch verhindern. FOTO: R. Weiß
Herzberg. Die Gräfendorfer sind entsetzt. Das Landesumweltamt hat kurz vor Weihnachten, am 19. Birgit Rudow

Dezember, den Bau von zwei Windkraftanlagen genehmigt, eine davon in der Gräfendorfer Gemarkung. Und das, obwohl die Stadt Herzberg dem Vorhaben ihr Einvernehmen versagt und sich die Ortsbeiräte aus Gräfendorf und Fermerswalde eindeutig gegen den Bau der Anlagen ausgesprochen haben. Sie haben sich auf den Flächennutzungsplan der Stadt Herzberg berufen, der ausschließlich ein Gebiet am Sender als Fläche für Windkraft ausweist. Allerdings befindet sich der Bereich, auf dem die Anlage in der Gemarkung Gräfendorf gebaut werden soll, im Windeignungsgebiet Beyern/Großrössen. Die Windeignungsgebiete sind im Teilregionalplan Wind der Regionalen Planungsgemeinschaft Lausitz-Spreewald festgelegt, der im vergangenen Jahr Rechtskraft erhalten hat. "Der Regionalplan steht über dem Flächennutzungsplan der Stadt. Es ist nur eine kleine Teilfläche des Gräfendorfer Gebietes, die in das Windeignungsgebiet reinragt. Aber auf ihr soll die Anlage stehen", so Herzbergs Bauamtsleiter Rüdiger Bader. Der Investor habe gleich nach der Genehmigungserteilung mit den Arbeiten begonnen, so Bader im Bauausschuss. Die Stadt habe gegen die Baugenehmigung sofort Widerspruch eingelegt. Der Eingang beim Land sei am 18. Januar bestätigt worden. "Er hat aber keine aufschiebende Wirkung auf die Baugenehmigung", so der Bauamtsleiter.

"Unsere Bürger sind total betroffen", sagte der Gräfendorfer Wilfried Haase in der Bauausschusssitzung. "Wir sind von der Baugenehmigung völlig überrascht worden. Das ging alles so still und heimlich über Weihnachten", sagt er. "Die Windkraftanlagen sollen 207 Meter hoch werden. Unser Kirchturm ist nur 25 Meter hoch. Sie stehen nur 1200 Meter von der Wohnbebauung entfernt. Aber Schallemission und Schattenwurf werden als nicht bedenklich angesehen. Die Lärmbelästigung beträgt 38 Dezibel. Die Anlage führt zu einer massiven gesundheitlichen Gefährdung unserer Bürger", sagt Wilfried Haase. Der Gräfendorfer befürchtet, dass die Anlage steht, ehe der Widerspruch der Stadt vom Land bearbeitet ist. Deshalb möchten die Gräfendorfer, dass die Stadt sofort klagt. "Die Stadt müsste beim Verwaltungsgericht einen Antrag auf Herstellung der aufschiebenden Wirkung stellen. Das ist ein relativ schnelles Verfahren. Wenn dem Antrag stattgegeben wird, müssten die Bauarbeiten eingestellt werden", erklärt Gräfendorfs Ortsvorsteher Gerd Rothaug. Inwieweit eine Klage erfolgreich ist, ließe sich nicht sagen. Aber man müsse schauen, was möglich ist, so Rothaug.

Rüdiger Bader verweist darauf, dass es zu einer Klage in der Stadt eine politische Entscheidung geben müsse. Die Stadtverordnetenversammlung muss sich auf ihrer nächsten Sitzung damit befassen, sagte er. Die wäre am 23. Februar. Die Gräfendorfer wollen heute noch zusammenkommen. Im Ort hat sich eine Initiative gegen den Bau der Anlagen gebildet.

Zum Thema:
Die Initiative zum sofortigen Baustopp der Windenergieanlagen in Gräfendorf, zu der Wilfried und Steffi Haase, Klaus und Bettina Schulz sowie Hartmut Kasper gehören, lädt die Einwohner des Ortes am heutigen Mittwoch in "Bodos Landgaststätte" zu einer Informationsveranstaltung ein. Sie fordert "Keine Windkraftanlagen auf Gräfendorfer Flur so dicht an der Wohnbebauung". Die Initiative kritisiert die Baugenehmigung des Landesumweltamtes und die Tatsache, dass die Bürgerinnen und Bürger des Herzberger Ortsteils Gräfendorf darüber nicht informiert wurden. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.