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Gräfendorfer protestieren gegen Windkraftanlagen

Einige Gräfendorfer und Sympathisanten der Initiative hatten sich am Dienstag vor der Gaststätte zum stillen Protest versammelt.
Einige Gräfendorfer und Sympathisanten der Initiative hatten sich am Dienstag vor der Gaststätte zum stillen Protest versammelt. FOTO: ru
Gräfendorf. "Windkraft, die uns dahinrafft" steht auf einem Plakat, das am Dienstagabend vor der Landgaststätte in Gräfendorf in die Höhe gehalten wird. Etwa 40 bis 50 Gräfendorfer machen ihrem Unmut über die beiden Windräder Luft, deren Bau gut einen Kilometer vom Ort entfernt im Windeignungsgebiet Beyern begonnen hat (die RUNDSCHAU berichtete). Birgit Rudow

Die Energiequelle GmbH Zossen errichtet hier zwei Anlagen, von denen eine die Agrargenossenschaft Beyern finanzieren und betreiben wird. Energiequelle und Genossenschaft hatten Anwohner der vier an den Windpark grenzenden Orte zu einer Informationsveranstaltung in die Gräfendorfer Gaststätte eingeladen. Viele Spezialisten und Gutachter waren vor Ort, um mit den Bürgern über die Anlagen zu reden, über Lärm, Schatten, Naturschutz und andere Parameter.

Doch fast alle Gräfendorfer vor der Tür wollten sich das weder anhören und noch ansehen. Sie blieben draußen. "Wir haben heute Abend zu einem stillen Protest aufgerufen", so Wilfried Haase von der Initiative "Gräfendorfer Gegenwind - Lebensqualität erhalten". Es blieb still und friedlich. Auch wenn einigen die Aufregung der vergangenen Tage und Wochen anzumerken war. So musste sich der Chef der Agrargenossenschaft Beyern, Horst Bielagk, der nach draußen gekommen war, lautstark fragen lassen, warum er nicht persönlich zu den Gräfendorfern gekommen sei. Über das Vorhaben, das seit Jahren im Gespräch ist, sei im Ortsbeirat geredet worden und er selbst habe in der Herzberger Stadtverordnetenversammlung, in der auch Vertreter aus Gräfendorf säßen, dazu Stellung bezogen, antwortete Horst Bielagk.

In der Gaststätte hatte die Energiequelle GmbH Informationstafeln aufgebaut. Spezialisten wollten Rede und Antwort stehen. Bei der Planung der Anlagen seien alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten worden, versicherte Projektleiterin Gabriele Perlow. Sie verstehe nicht, dass die Bürger die Möglichkeiten nicht nutzten, um sich zu informieren. "Das haben wir bei anderen Veranstaltungen anders erlebt", sagte sie.

In einer Karte wurden die Abstände der Anlagen zur Wohnbebauung dargestellt. Bei der Anlage auf der Gemarkung Gräfendorf sind es bis zu einem Gehöft vor der Ortschaft laut dieser Karte 1209 Meter und bis zum Ortsrand 1716 Meter. Bis zum Ortsrand Fermerswalde sind es 1273 Meter. Fachleute der Energiequelle haben erläutert, dass die Schallbelästigung bei starkem Wind in der Wohnbebauung 35 Dezibel betragen würde. Der gesetzlich festgelegte Grenzwert liege bei 45 Dezibel. Störender Schattenwurf sei maximal an 30 Tagen im Jahr bzw. an 30 Minuten am Tag erlaubt, sagen sie. Naturmanager haben erläutert, wie über Jahre hinweg das Areal beobachtet und den vorhandenen Tierarten wie Zauneidechsen, Fledermäusen oder Vögeln Rechnung getragen wurde. Im Sommer würden sich die Anlagen bei bestimmten klimatischen Bedingungen abschalten, um Fledermäuse nicht zu gefährden.

Zu den Argumenten des Unternehmens und der Genossenschaft fanden die Gräfendorfer an diesem Abend aber keinen Zugang. Sie befürchten einen hohen Verlust von Lebensqualität in ihrem Ort durch die Anlagen und fühlen sich durch die im Dezember erteilte Baugenehmigung überrumpelt. Die Stadt Herzberg soll versuchen, auf rechtlichem Weg einen Baustopp zu erwirken, so ihr Wunsch. Bürgermeister Michael Oecknigk (CDU) hat die Bereitschaft der Stadt zu rechtlichen Schritten im Hauptausschuss signalisiert. In der Stadtverordnetenversammlung heute Abend (19.30 Uhr, Bürgerzentrum) steht das Thema Windkraftanlagen bei Gräfendorf auf der Tagesordnung. Auch Horst Bielagk hat sein Kommen angekündigt.