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Gott mehr gehorchen als dem Mensch

Ich erinnere mich an die Zeit um meine Konfirmation herum. Da war mir ein Psalmvers sehr nahe: Der HERR ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen tun? (Psalm 118,6) Ich war kein sonderlich frommer Jugendlicher.

Es war meine damalige Lebenssituation, die mir den Gedanken dieser beiden Verse einprägte. Die Unsicherheiten der Pubertät, die Zerissenheiten, die ich damals gesellschaftlich beobachtete, schwierige Lehrer (neben den besseren) - das alles gab mir eine Ahnung, dass Menschen mir schon etwas tun konnten. Da waren jede Menge Unsicherheiten und andererseits eine vage Ahnung davon, dass ich meinen eigenen Weg zwischen dem allen zu finden hatte. Ja, das wollte ich, ohne in den meisten Fällen genauer zu wissen, wie. Man mag das jugendliche Ziellosigkeit nennen, aber ich bin mir gar nicht so sicher, ob nicht auch Erwachsene oft lediglich so tun, als wüssten sie Bescheid. Weil das eben so von ihnen erwartet wird. Dabei passiert das Erwachsenen ja auch: Man nickt, weil alle nicken. Man schweigt, weil alle schweigen, man vertuscht, weil man Angst hat, aus dem Rahmen zu fallen. Für mich war der Gedanke damals ein Halt, dass Gott mehr zu gehorchen ist als den Menschen. Ein Hinweis, dass es da eine Richtung für mich gibt, die allen Einflüssen meines Lebens gerecht wird.

Bleibt die Frage, wie der Wille Gottes denn zu erkennen ist und ob jemand leichtfertig sagen kann, er kenne ihn? Vielleicht ist das Antwort, Plan und Wille genug: gefragt zu werden und zu fragen. Schließlich kommt gehorchen von horchen, hören. Und womöglich gilt das besonders für die, die meinen, genau Bescheid zu wissen.