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Glocke als Dorf-Telefon

Viel Beifall erhielten die Kaxdorfer Spieler für ihr Stück um die alte Glocke. Auch die Volkspolizei und die Stasi waren in dem Stück vertreten.
Viel Beifall erhielten die Kaxdorfer Spieler für ihr Stück um die alte Glocke. Auch die Volkspolizei und die Stasi waren in dem Stück vertreten. FOTO: Serena Nittmann
Herzberg.. Mittlerweile sind die Kaxdorfer dafür bekannt, dass sie in der Geschichte des Ortes kramen und anschließend fast vergessene Begebenheiten wieder aufleben lassen. Passend zum 10. Dorffest stellten sie die Geschichte um ihre Glocke in den Mittelpunkt. Das Publikum war begeistert, mit welch Engagement die elf Akteure, jüngste war „Pionier“ Lea-Marie Kirchner (10), das kleine Theaterstück vortrugen. Von Serena Nittmann

„Ich habe Jahre recherchiert, um Fakten zu sammeln. Das Schreiben des Stückes ging dann ganz fix und dauerte nur zwei drei Tage. Erst mal begonnen, sprudeln die Ideen nur so“ , verriet Hartmut Heidrich, der als Koker auch das Fest eröffnete. Die Kaxdorfer Spieler kramten vorher in alten Truhen und Schränken nach Sachen, denn die Geschichte um ihre Glocke spielte in den 70er Jahren. „Damals war die Glocke das Telefon bei Blitz und Donner, Hochwasser und für Beerdigungen. Wenn sie ertönte, musste etwas geschehen sein“, las Martina Heidrich Samstag Abend im Zelt zur Erläuterung vor. Die Gäste erfuhren weiter, dass Kaxdorf zu Herzberg eingemeindet, das Spritzenhaus ausgeräumt, das Gemeindehaus verkauft, Kaxdorf zur Lindenstraße umgewandelt wurde und die Glocke so in Vergessenheit geriet. Frau Köcher, die bei Familie Helemann einst zur Miete wohnte, kaufte das Gemeindehaus, wo am Ärker die Glocke hing. Heute wohnt Familie Löbel dort. Doch mit der Klingel wollte sie nichts zu tun haben, betrieb Nachforschungen in der Glockengießerei Apolda, sie eventuell einschmelzen zu lassen. Perfekt in Szene gesetzt zeigten die Akteure, wie einst die Polizei und Staatssicherheit vor ihrer Tür standen, um diese Ereignisse aufzunehmen. „Herbert Just, der Neffe von Frau Köcher erzählte uns, dass die Frauenhorster Kirchenglocke schon lange Zeit ausfiel, sie musste repariert werden. Auf Anfrage fand dann der Wechsel statt“, erzählte Hartmut Heidrich und verriet auch noch, dass anfangs der Klang nicht stimmte. Des Rätsels Lösung: Nur der Klöppel war verdreht eingebaut.
Der Beifall nach dem Theaterstück zeigte, dass die Aktion der Kaxdorfer bestens gefallen hatte. Allerdings kam damit auch ein wenig Wehmut bei den Ortsansässigen auf. Schön wäre es, wieder die eigene Glocke im Kaxdorf zu hören. Denn die Frauenhorster haben nun zwei Glocken zum läuten. Nur gibt es in Kaxdorf weder Kirche noch Glockenturm.
Ansonsten hatte das Programm jede Menge andere Höhepunkte zu bieten. Schon der Kinorückblick zum 1. Dorffest brachte viel Spaß mit sich. Aber auch am „Spiel ohne Grenzen“ beteiligten sich viele. Alle fassten mit an beim Tauziehen oder probierten sich im Stiefelweit- und Büchsenwurf oder Eierlauf. Samstag Abend loderte das Sonnenwendfeuer und angestoßen wurde mit Kaxdorfer Jahrgangssekt.
Nächstes Jahr, zum 825. Jubiläum Herzbergs, wollen die Kaxdorfer auf dem Markt ihr Stück von der Hexenverbrennung noch einmal aufführen.