ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:25 Uhr

Heimatgeschichte
Jugendliche Recherchehelfer

Ein Geschichtsprojekt hat den Gedenkstättenverein aus Schlieben-Berga mit Schülern des Herzberger Gymnasiums zusammengeführt, hier im Bild Eileen Eckert und Josie Lange (l.) bei der Vorstellung ihrer Rechercheergebnisse zu früheren Lagerinsassen in Schlieben-Berga.
Ein Geschichtsprojekt hat den Gedenkstättenverein aus Schlieben-Berga mit Schülern des Herzberger Gymnasiums zusammengeführt, hier im Bild Eileen Eckert und Josie Lange (l.) bei der Vorstellung ihrer Rechercheergebnisse zu früheren Lagerinsassen in Schlieben-Berga. FOTO: LR / Sylvia Kunze
Herzberg/Schlieben. Schliebener Gedenkstättenverein baut auf eine neue Qualität der Zusammenarbeit mit dem Herzberger Gymnasium und wünscht sich noch mehr derartiges Engagement aus der Region. Von Sylvia Kunze

Der Verein Gedenkstätte KZ-Außenlager Schlieben-Berga kann ab sofort auf eine neue Qualität der Zusammenarbeit mit Schulen vor Ort bauen. Das Herzberger Gymnasium ist die erste Bildungseinrichtung des Landkreises, die gemeinsam mit den Gedenkstättenbetreuern ein Projekt angegangen ist. Bei dem haben Jugendliche als Recherchehelfer richtig gute Arbeit geleistet. „Das war perfekt, was sie abgeliefert haben“, sagt Dr. Jürgen Wolf vom Vorstand des Schliebener Vereins nach der Präsentation der Ergebnisse.

Mädchen und Jungen der Klasse 11 c haben sich  im Rahmen ihres Geschichtsunterrichts, bei dem aktuell die nationalsozialistische Gewaltherrschaft auf dem Lehrplan steht, nicht mit allgemeinen Informationen abspeisen lassen, sondern sind selbst auf Recherche gegangen - hier direkt vor Ort und immer mit dem klaren Bezug zum einstigen KZ-Außenlager in Schlieben-Berga. Angefangen beim KZ-Lagersystem mit Unterthemen wie das Konzentrationslager Buchenwald und seine Außenlager, das Terrorsystem Arbeit-Strafe-Mord, die SS, Frauen im Außenlager, Kinder und Jugendliche im Lager oder auch Widerstand im KZ über die HASAG-Werke und ihre Rüstungsproduktion in den Lagern bis hin zu ganz konkreten Lebenswegen von Häftlingen, die in Schlieben-Berga inhaftiert waren.

„Ich hätte das Thema auch ganz anders unterrichten können, aber die Praxisnähe und das forschende Arbeiten macht die Sache doch viel spannender für die Schüler“, begründet Lehrerin Julia Böhm und hat damit ins Schwarze getroffen. Aus den Vorträgen der Jugendlichen ist herauszuhören, dass sie sich sehr intensiv mit den Themen beschäftigt haben. „Sie waren alle sehr emsig und motiviert“, bescheinigt die Geschichtslehrerin.

Auch Dr. Jürgen Wolf zeigt sich beeindruckt von den vorgestellten Rechercheergebnissen. Insbesondere das Nachzeichnen der Lebenswege von vier Lagerinsassen bringt die Arbeit des Gedenkstättenvereins deutlich voran. „Was die Jugendlichen alles über die Einzelschicksale herausgefunden haben, ist bemerkenswert und eine richtig gute Vorarbeit für unsere Ausstellung, in der wir dann demnächst den vier Häftlingen in Form von Schautafeln ebenfalls ein Gesicht geben können“, sagt er.

Während für die junge Lehrerin längst feststeht, an der Zusammenarbeit mit dem Gedenkstättenverein festzuhalten, wünscht sie Wolf indessen noch mehr solcher Initiativen. „Wir vermissen das Engagement der Schulen des Landkreises. Lehrer fahren mit ihren Schülern nach Auschwitz oder sonstwohin, aber der konkrete lokale Bezug und Kontakt zur Gedenkstätte in Berga wird nicht gesucht“, beklagt er bisher fehlendes Interesse.