Herr Gutsche, die Herzberger kennen die Standardwerke der städtischen Geschichtsschreibung - die Schulze-Caspar-Chronik und die Pallas-Chronik. Was hat es jetzt mit der Bürgermeister-Biltz-Chronik auf sich?
1835 endet die Schulze-Caspar-Chronik, und erst 1873 setzt Herzbergs historische Schulchronik ein. 1901 ist dann die Chronik von Karl Pallas erschienen. In der Landschaft der Herzberger Stadtchroniken gab es zwischen 1835 und 1873 also eine Lücke.

Und die konnte jetzt geschlossen werden?
Ja. Ulf Lehmann, Stadtverordneter und aktiver Freund seiner Heimatstadt, ist bei seinen Recherchen zum Augustiner-Eremiten-Kloster in Herzberg im Kreisarchiv auf ein handschriftlich geführtes Buch unter dem Titel "1. Fortsetzung der vormaligen Chur- und jetzigen Kreis-Stadt Herzberg vom Jahr 1835 an" gestoßen. Es wurde mittlerweile in heute lesbare Schrift übertragen wird. Mit Redaktionsschluss der alten Stadt-Chronik hat der damals waltende Bürgermeister Biltz persönlich die Fortschreibung vorgenommen bzw. zwischendurch auch anonym gebliebene Chronisten beauftragt. Die 121 Seiten sind oft klein und eng beschrieben.

Wovon berichten Bürgermeister Biltz und seine Helfer?
Die Eintragungen bis 1856 betreffen Kirchen- und Schulwesen, Gemeindewesen, Verfassung der Stadt, Stadtschulden, öffentliche Bauten, Armenwesen, Gesundheitszustand von Mensch und Tier, Unglücksfälle, Witterung, Fruchtbarkeit und Ernte, Preise von Getreide und Fleisch, statistische Nachrichten und allgemeine Nachrichten.

Bis 1873 fehlten aber noch einige Jahre.
Um die Lücke zwischen 1835 und 1873 noch besser zu schließen, haben wir auch die von Herzbergs Wohltäter Dr. Franz verfassten Aufzeichnungen für die Kirchturmkugel in den Anhang gebracht sowie die Erklärung damaliger Fremdwörter und alter Münzen, Maße und Gewichte. Dazu kommen Schriftproben aller fünf Chronisten sowie die Biografien von Caspar, Bürgermeister Biltz und Dr. Franz. Zur Abrundung und zum besseren Verständnis der damaligen Geschehnisse hat uns der Herzberger Historiker Prof. Dr. Horst Diere ein Nachwort geschrieben.

Der Heimatverein hat in den vergangenen Jahren viel dafür getan, die Herzberger Heimatgeschichte wieder vielen Bürgern zugänglich zu machen.
Die Verlegerin Stephanie Kammer hat 2003 einen prachtvollen unveränderten Neudruck der Pallas-Chronik herausgebracht. Die Schulchronik wurde 2005 neu gestaltet und aufgelegt. Seit 2011 liegt die Schulze-Caspar-Chronik als unveränderter Nachdruck vor. Das neue Büchlein, die Biltz-Chronik, ist sozusagen die Fortsetzung der legendären Schulze-Casper-Chronik. Sie ähnelt dem gewichtigen Vorgänger vortrefflich.

Und wo gibt's die Chronik?
Wir stellen sie am 28. November um 19.30 Uhr zu Beginn der Stadtverordnetenversammlung im Bürgerzentrum vor. Danach ist sie - solange der Vorrat reicht - in der Buchhandlung BücherKammer erhältlich.

Mit Horst Gutsche sprach

Birgit Rudow.