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Genossenschaft Beyern verteidigt Windanlage bei Gräfendorf

Gräfendorf/Beyern. Die Bürgerinitiative möchte einen Baustopp erreichen, sammelt Unterschriften und schreibt an den Bürgermeister. Der künftige Betreiber hat dafür kein Verständnis. Birgit Rudow

Etwa 50 Bürger haben am Mittwochabend an der Informationsveranstaltung in Gräfendorf zum Bau von zwei Windkraftanlagen im Windeignungsgebiet Großrössen teilgenommen, zu der die Bürgerinitiative des Ortes eingeladen hatte. "Die Resonanz war groß. Selten waren so viele Leute zu einer Einwohnerversammlung da", sagt Wilfried Haase von der Initiative. Diese fordert den sofortigen Baustopp für die beiden Windkraftanlagen in und an der Ortschaft Gräfendorf (die RUNDSCHAU berichtete) und hat für ihr Anliegen Unterschriften gesammelt. "53 Bürger haben unterschrieben. Einige wollen sich unserer Initiative anschließen", so Haase. Die Initiative hat auch einen Brief an Herzbergs Bürgermeister Michael Oecknigk (CDU) gerichtet. Darin fordert sie die Stadt Herzberg auf, auf der Grundlage ihres Widerspruchs gegen die Baugenehmigung einen sofortigen Baustopp für die genehmigten Anlagen gerichtlich verfügen zu lassen.

Auf der Versammlung anwesend war auch der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Beyern Horst Bielagk. Die Genossenschaft will eine der beiden Anlagen, die die Energiequelle GmbH baut, finanzieren und betreiben. Es handelt sich um die Anlage, die in dem Windeignungsgebiet Großrössen auf Gräfendorfer Territorium stehen soll.

In einem Gespräch mit der RUNDSCHAU am Freitag haben Horst Bielagk und Vorstandsmitglied Marko Eisermann ihre Position dazu noch einmal dargelegt. So stellt Horst Bielagk klar, dass sich die Stadt Herzberg und der Ortsbeirat Gräfendorf gegen den Bau positioniert haben, der Beirat des Herzberger Ortsteils Fermerswalde sich aber dafür ausgesprochen hat, ebenso wie alle Falkenberger Stadtteile. Die Agrargenossenschaft Beyern möchte sich mit der Anlage neben der Milchviehhaltung, der Pflanzenproduktion, der Sauenhaltung, der Fotovoltaik und der Biogasanlage ein weiteres Standbein aufbauen. "Wir sind ein ortsansässiges Unternehmen, das jährlich 40 000 Euro Grund- und Gewerbesteuern zahlt. Wir beschäftigen 45 Mitarbeiter aus der Region und bilden zur Zeit sechs Lehrlinge aus. Die Anlage mit einer Nabenhöhe von 149 Metern befindet sich in einem Windeignungsgebiet. Die vorgegebenen Abstände werden eingehalten. Wenn wir die Anlage nicht nutzen, dann werden es andere tun, die keine Arbeitsplätze hier schaffen und bei denen nichts in die Region zurückfließt", so Bielagk.

Die Windkraftanlage ist für die Agrargenossenschaft eine zusätzliche Einnahmequelle. "Die Auflagen für die landwirtschaftliche Produktion werden immer schärfer", so Marko Eisermann. "Wir sollen immer weniger Düngemittel anwenden und trotzdem große Mengen produzieren. Die Tier-ställe sollen immer mehr Komfort bekommen. Aber die Erlöse für unsere Produkte steigen nicht. Wenn wir nicht in erneuerbare Energien investieren, werden wir die 45 Arbeitsplätze nicht halten können", sagt er. Bielagk und Eisermann informieren auch, dass weitere zwei Anlagen in Planung sind, mit denen man aber warten will, bis das neue erneuerbare Energiengesetz in Kraft ist.

In Beyern habe man dafür Sorge getragen, dass der Wegebau zu den beiden Anlagen, der Anfang des Jahres begonnen hat, an ein heimisches Herzberger Unternehmen vergeben wurde, so Bielagk. Er sagt auch klipp und klar, dass sich die Energiequelle GmbH und die Agrargenossenschaft rechtlich wehren werden, wenn die Stadt Herzberg mit einer Klage einen Baustopp erwirken will.

Horst Bielagk und Marko Eisermann werben um Verständnis. "Wir nutzen nur den gegebenen rechtlichen Rahmen", sagen sie. Sie finden es auch unfair, wenn, wie auf der Versammlung in Gräfendorf aus ihrer Sicht geschehen, mit dem Thema Schallemission extreme Ängste bei den Bürgern geschürt würden.

Bei der Versammlung am Mittwoch war auch der CDU-Landtagsabgeordnete Rainer Genilke anwesend. Er unterstützt die Gräfendorfer Initiative, macht aber Horst Bielagk keinen Vorwurf. "Er macht das, was er darf und beruft sich auf die Gesetze des Landes Brandenburg", so Genilke. Sein Vorwurf geht in Richtung Landesregierung. "Der Teilregionalplan Wind empfiehlt lediglich einen Abstand der Windkraftanlagen zur Wohnbebauung von 1000 Metern. Die Landesregierung hat es versäumt, von der vom Bund eingeräumten Länderöffnungsklausel Gebrauch zu machen und klare Spezifiken in Bezug auf Abstandsregelungen zu erlassen", sagt er.