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| 15:47 Uhr

Schulpolitik
Gemeinsames lernen soll Normalität werden

Die Herzberger Elsterlandgrundschule wird im kommenden Schuljahr in das Projekt "Gemeinsames Lernen" einsteigen.
Die Herzberger Elsterlandgrundschule wird im kommenden Schuljahr in das Projekt "Gemeinsames Lernen" einsteigen. FOTO: LR / Rudow
Elbe-Elster. Schulrat Uwe Mader informiert Kreistagsabgeordnete über Landesprojekt und wirbt für die Vorzüge. Skepsis ist dennoch vorhanden. Von Birgit Rudow

Seit Jahren beschäftigt das Thema Inklusion die Bildungslandschaft auch im Elbe-Elster-Kreis. Schülerinnen und Schüler mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf sollen in Grund-, Ober- oder Gesamtschulen gemeinsam lernen. Dafür erhalten die Schulen eine entsprechende Ausstattung mit pädagogischen Kräften.

Eine speziell geförderte Form ist die „Schule des gemeinsamen Lernens“ - ein Projekt des Landes, dem sich in den nächsten sechs Jahren möglichst alle Schulen in Brandenburg anschließen sollen. Die „Schule des Gemeinsamen Lernens“ war kürzlich auch Themenschwerpunkt im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport des Kreistages. Der Ausschuss hatte Uwe Mader, selbst Mitglied des Kreistages und als Schulrat des Staatlichen Schulamtes Cottbus für den Bereich Sonderpädagogik in Elbe-Elster zuständig, eingeladen, über den Stand des „Gemeinsamen Lernens“ in Elbe-Elster zu berichten. Das Thema ist im Zusammenhang mit der Zukunft der drei Förderschulen Lernen im Landkreis nicht unumstritten.

Ausschussvorsitzender Gerd Rothaug (CDU) ist der Meinung, dass das Projekt „Gemeinsames Lernen“ in Konkurrenz zu den Förderschulen Lernen steht. „Wenn das gemeinsame Lernen gefördert wird, dann geht der Anspruch an die Förderschulen zurück“, meinte er.

Laut Uwe Mader steht der Landkreis mit dem Projekt noch ganz am Anfang. An dem Pilotprojekt „Inklusive Grundschule“, das im Schuljahr 2012/13 gestartet wurde, hatte sich keine Schule in Elbe-Elster beteiligt. Dennoch sei das Interesse der Eltern an den Erfahrungen aus dem Projekt sehr groß gewesen, so Mader. Das Pilotprojekt wird seit dem Schuljahr 2017/18 unter Einbeziehung auch der Oberschulen und Gesamtschulen in Brandenburg als „Gemeinsames Lernen“ fortgeführt. Für die teilnehmenden Schulen wird die Pauschalausstattung für sonderpädagogische und sonstige individuelle Förderung erweitert. Es besteht auch die Möglichkeit, pädagogische Unterrichtshelfer einzusetzen, die das Lehrpersonal unterstützen.

Derzeit beteiligen sich 24 Schulen im Schulamtsbezirk  Cottbus am „Gemeinsamen Lernen“: sieben in SPN, sechs in OSL, sieben in LDS, zwei in Cottbus und zwei in Elbe-Elster. Das sind die beiden Grundschulen in Falkenberg und Rückersdorf. Ab dem Schuljahr 2018/19 werden im Schulamtsbezirk zwölf weitere Schulen hinzukommen. Mit der Elsterlandgrundschule Herzberg ist eine aus Elbe-Elster dabei. Für das Schuljahr 2019/2020 hätten drei Schulen aus den Bereichen Herzberg und Finsterwalde sowie zwei aus dem Bereich Bad Liebenwerda Interesse signalisiert. „Das soll alles auf freiwilliger Basis geschehen. Unser Ziel im Schulamt sind für 2019/20 zehn bis zwölf weitere Schulen, ohne, dass wir in den Entscheidungsprozess eingreifen“, so Uwe Mader. Alle Schulen, die im Schulamtsbezirk bisher in das Programm eingestiegen sind, hätten durchweg gute Erfahrungen gemacht, sagte er.

Überzeugen soll die Schulen, die für das „Gemeinsame Lernen“ ein schuleigenes Konzept und die Zustimmung des Schulträgers einbringen müssen, die personelle Ausstattung zur Absicherung des gemeinsamen Unterrichts. Das schließt nicht nur die Förderung von Kindern mit Lernhindernissen ein, sondern auch Schüler mit besonderen Begabungen. Die Klassenstärke im „Gemeinsamen Lernen“ sollte maximal 25 Schüler betragen. Sind es mehr, wird das durch eine erhöhte Wochenstundenzahl des Lehrpersonals ausgeglichen.

Die Schulen erhalten vom staatlichen Schulamt eine pauschale Zuweisung von Lehrerwochenstunden, die sich an der Gesamtschülerzahl orientiert. Für Grundschulen werden dafür 3,5 Lehrerwochenstunden mit 5 Prozent der Gesamtschülerzahl multipliziert, für Oberschulen ist der Multiplikationsfaktor 10 Prozent. Hat eine Oberschule zum Beispiel 300 Schüler, so bekäme sie für das gemeinsame Lernen 105 zusätzliche Lehrerwochenstunden zugewiesen.  „Wie die Schulen mit diesen Ressourcen umgehen, und wie sie diese einsetzen, entscheiden sie je nach Bedarf und  Anforderungen selbst. Es ist eine flexible  Verteilung für alle Schüler möglich, zum Beispiel für Kinder, die Verhaltensauffälligkeiten zeigen, für lernschwache Kinder, für Kinder mit Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwäche aber auch für besonders begabte Schülerinnen und Schüler“, so Mader.  Zusätzliches  Personal erhalten die Schulen weiterhin für die Unterstützung von Kindern mit Benachteiligungen bei der körperlichen Mobilität, beim Sehen und Hören, in der geistigen Entwicklung oder mit Autismus. „Insgesamt bekommen die Schulen eine enorme zusätzliche Ausstattung mit Lehrerstunden“, so der Schulrat.

Für die Mitglieder des Bildungsausschusses stellte sich an dieser Stelle die Frage, wie dieser Bedarf an Fachpersonal gestemmt werden soll. Die Schulen, die im Schulamtsbereich Cottbus schon jetzt im „Gemeinsamen Lernen“ arbeiten, seien personell abgesichert, so Mader. Das Land unternehme große Anstrengungen, um entsprechendes Lehrpersonal zu werben. Das könnten auch Seiten- oder Quereinsteiger sein, die als Voraussetzung nach Möglichkeit über einen universitären Abschluss verfügen sollten und die eine dreimonatige Qualifikation absolvieren müssen.

In Bezug auf die von Gerd Rothaug aufgeworfene Frage nach der Zukunft der Förderschulen meinte der Schulrat, dass man derzeit noch nicht vorhersagen könne, wie sich das Projekt  „Gemeinsames Lernens“ künftig insgesamt auf die Schullandschaft in Elbe-Elster auswirken werde.

Die Ausschussmitglieder sind den Ausführungen des Schulrates intensiv gefolgt. Eine gewisse Skepsis konnten einige von ihnen aber nicht verbergen. „In der Theorie hört sich das alles sehr schön an. In der Praxis funktioniert es aber nicht immer so“, meinte zum Beispiel Evamaria Riethdorf.