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| 16:23 Uhr

Schule
Gemeinsames Lernen ist Programm

Herzberg. Ab kommendem Schuljahr nimmt Herzberger Elsterlandgrundschule an Landesprojekt teil. Von Birgit Rudow

Wenn am 20. August das neue Schuljahr beginnt, dann ist die Elsterlandgrundschule in Herzberg offiziell eine „Schule des gemeinsamen Lernens“ und damit neben Falkenberg und Rückersdorf die dritte Grundschule im Elbe-Elster-Kreis, die sich an diesem Landesprogramm beteiligt. Das Projekt schließt sowohl die Förderung von Kindern mit Lernhindernissen ein, als auch von Schülern mit besonderen Begabungen.

Für die sonderpädagogische und individuelle Förderung werden die Schulen personell besser ausgestattet. Sie erhalten vom staatlichen Schulamt eine pauschale Zuweisung von Lehrerwochenstunden, die sich an der Gesamtschülerzahl orientiert, und sie haben die Möglichkeit, pädagogische Unterrichtshelfer einzusetzen, die das Lehrpersonal unterstützen.

Was heißt das für die Elsterlandgrundschule? Wird hier ab dem neuen Schuljahr alles anders? Schulleiterin Ramona Nitzsche schüttelt den Kopf. „Inklusion ist ein langer Prozess, nicht nur in den Schulen, sondern in der gesamten Gesellschaft“, sagt sie. „Wir wollen nicht die Kinder an die Strukturen der Schule anpassen, sondern die Strukturen an die Schüler“, so die Schulleiterin. Ramona Nitzsche weiß, wovon sie redet. Sie hat gerade ein Zertifikatsstudium zur Sonderpädagogin abgeschlossen. „Das Studium war für mich als Schulleiterin ein richtiger Schritt zur richtigen Zeit. Ich habe jetzt einen anderen Blick auf die gesamte Problematik“, sagt sie.

Schon seit mehreren Jahren betreut die Elsterlandgrundschule auch lernbehinderte Kinder sowie Kinder mit emotionalen und sozialen Beeinträchtigungen oder geistigen Entwicklungsstörungen. Insgesamt sind es derzeit zwölf. „Viele Eltern möchten, dass ihre Kinder bei uns an der Schule bleiben und nicht an die Förderschule gehen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der tatsächliche Lernzuwachs an der Regelschule für diese Kinder größer sein kann“, sagt Ramona Nitzsche.

In dem Projekt „Schule des gemeinsamen Lernens“ ist die Unterstützung für diese Kinder noch umfangreicher. Entscheidungen könnten schneller gefasst werden. „Wir können Kindern und Eltern unsere Hilfe sofort anbieten und müssen nicht erst lange Verfahren durchlaufen“, sagt sie.

Das Lehrerkollegium bekommt eine Grundqualifikation. Drei Jahre wird es von Fachleuten begleitet. Über Befragungen werden Schwerpunkte für notwendige Qualifikationen festgelegt. Die Pädagogin Bärbel Grunwald koordiniert das Projekt. Sie hat viele Jahre in der Förderschule gearbeitet und ist seit einigen Jahren an der Elsterlandgrundschule. Ab 1. August, so Ramona Nitzsche, wird auch die Schulsozialarbeiterin Birgit Schillinger ihre Arbeit an der Schule aufnehmen. Pädagogische Unterrichtshelfer können jetzt flexibler eingesetzt werden. „Alle Kollegen stehen dem Projekt aufgeschlossen gegenüber. Wir müssen unseren Blick schärfen und uns weiter qualifizieren für den Umgang mit beeinträchtigten Kindern. Wer sich damit beschäftigt, der merkt, dass das gemeinsame Lernen Sinn macht und Zukunft hat. Das Wichtigste sind die Bedürfnisse der Kinder“, so die Schulleiterin.

Für das neue Schuljahr rechnet sie aber nicht mit einem Ansturm von Schülerinnen und Schülern mit Lernhindernissen an die Schule. Bei den Mädchen und Jungen, die neu hinzukommen, müsse man schauen, wo sie eventuell besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung benötigen, sagt die Schulleiterin. Wo es nötig ist, könnten die Rahmenlehrplanforderungen herabgesetzt werden. Die Kinder bekämen die Inhalte vermittelt, aber auf einem niedrigeren Niveau, erklärt Ramona Nitzsche. Letztlich zähle aber der Wille der Eltern, ob ihr Kind mit Lernhindernissen die Regelschule oder eine Förderschule besucht. „Wir beraten und wägen Vor- und Nachteile ab. Aber die Voraussetzungen für eine Förderung an der Regelschule verbessern sich mit dem Projekt „Schule des gemeinsamen Lernens“, so die Schulleiterin.

Das macht sich in der Elsterlandgrundschule nicht nur in der pädagogischen Arbeit bemerkbar, sondern auch an den äußeren Bedingungen. Dank der Initiative der Stadt Herzberg als Träger bekommt die Schule in den nächsten Jahren einen attraktiven Erweiterungsanbau, der ein völlig neues und großzügigeres Raumkonzept zulässt. „Dafür sind wir der Stadt Herzberg wirklich sehr dankbar“, sagt die Schulleiterin.