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Gelassen durch den Tag

Liebe Leserinnen und Leser, kennen Sie das? Nichts geht mehr, weder vor noch zurück, festgefahren, eingekeilt, aber nicht im Stau auf der A13, sondern in den eigenen Gedanken. Die Aufgaben werden immer mehr, es nimmt gar kein Ende.

Und das schlimmste, der Urlaub, der vermeintlich Entlastung schaffen könnte, ist noch so weit weg. Überlastungssyndrom, Burnout, zu viel Stress, die Gedanken kreisen nachts hin und her. Immer mehr Menschen betrifft das. Ja, wir leben in einer Leistungsgesellschaft und möchten gerne Leistung abliefern. Das erwartet nicht nur mein Arbeitgeber, das sagt mir auch meine innere Stimme. Ich will gut da stehen, vor mir selbst und den anderen.

Ich vermute, Sie kennen das, die anderen erwarten, dass ich ordentlich arbeite. Pünktlich zum Dienst, Verwaltungsarbeit exakt erledigt, immer ein nettes Wort für die Menschen, ich darf nicht aus meiner Rolle fallen. Und zu Hause soll auch alles nach Plan gehen. Aber manchmal merke ich, ich habe meine Belastungsgrenze erreicht, ohne es zu merken. Wir haben dafür auch ein schön-schauriges Bild: "im Hamsterrad laufen". Immer mehr, immer im Kreis. Und nicht nur ich merke es oft zu spät, auch die anderen denken, dem kannst du noch etwas draufladen, er wird das schon schaffen. Ist doch immer gegangen! Im besten Fall haben sie gute Ratschläge, im schlechteren Fall schauen sie einfach weg.

Wie gelingt es mir, einfach mal loszulassen und nicht noch alles eben schnell zu erledigen? Wie kann ich achtsam mit mir selbst sein? Ich fürchte, dafür gibt es kein Patentrezept, auch weiter so oder der Griff zu Medikamenten kann es doch nicht sein.

In der Bibel gibt es eine kleine, schöne Geschichte. Einer lädt zu einem großen Sommerfest ein, alle sollen kommen, die Familie, die Freunde, Bekannte, der Nachbar von drüben. Der Termin ist bekannt, die ersten haben schon zugesagt. Aber dann kommen die Absagen, der eine will ein Haus bauen und muss sich den Baugrund ansehen, der andere muss gerade dann sein Hobby pflegen und der dritte plant einen Ausflug mit seiner Frau. Eine Absage nach der anderen. Alles gerät plötzlich ins Wanken. Aber halt, nein. Der Mann tut etwas anderes. Er lässt den Kopf nicht hängen. Er ist wohl traurig, aber dann besinnt er sich und lädt die ein, die eigentlich gar nicht kommen sollten. Am Ende sind viele da und es wird ein schönes Fest.

Umdenken, wieder handlungsfähig werden, nicht stehen bleiben, sondern nach Lösungen suchen. Darum liebe ich diese Geschichte. Der Mann verharrt nicht. Er möchte feiern und tut es auch. Er steckt sich ein neues Ziel und lotet aus, was gehen könnte. Er hat Menschen um sich, die mit anpacken. Er findet Unterstützer. Und vor allem: Er sorgt für sich. Jesus hat einmal gesagt: Ich zeige dir die Quelle des Lebens, ich gebe dir, was du brauchst. Darauf zu achten, was mir gut tut, auch einmal nein sagen, das brauche ich selbst und das wünsche ich Ihnen. Und dann kommen wir - so Gott will - gelassen durch den Tag.