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Gefahr durch Brände und Munition

Teilnehmer der Beratungsrunde betrachten das vorhandene Kartenmaterial zur Annaburger Heide, das jedoch dringend erneuert werden muss.
Teilnehmer der Beratungsrunde betrachten das vorhandene Kartenmaterial zur Annaburger Heide, das jedoch dringend erneuert werden muss. FOTO: svg
Annaburger Heide. Die Annaburger Heide weist im Brandfall vielfältige Gefahren für die Einsatzkräfte auf. Auch die Ausdehnung des Areals auf drei Bundesländer sorgt für Probleme. Sven Gückel

Bei ihrer Größe von 11 000 Hektar sind Waldbrände für die Annaburger Heide stets eine Gefahr. Eventuelle Löscharbeiten werden zusätzlich durch die Belastung mit Altmunition erschwert. Das Löschen von Waldbränden gehört zu den Schwerpunktaufgaben der örtlichen Feuerwehren. Sofern die Waldgebiete frei zugänglich sind, lassen sich Löscharbeiten koordinieren. In der Annaburger Heide ist das aber nur bedingt der Fall. Schon die Tatsache, dass sich ihr Areal auf drei Bundesländer ausdehnt, birgt Schwierigkeiten. Jeder der angrenzenden Landkreise Elbe-Elster, Wittenberg und Torgau-Oschatz arbeitet mit zum Teil unterschiedlicher Gesetzgebung.

Denen, die damit umgehen müssen - die Feuerwehren sowie die Mitarbeiter des Bundesforstbetriebes Mittelelbe und der angrenzenden Betreuungsforstämter - ist an einer engen Zusammenarbeit aller Akteure gelegen. Um Probleme und Lösungen zu erörtern, trafen sie sich kürzlich zu einer beratenden Runde. Dabei wurden unter anderem die Standorte von Löschwasserentnahmestellen benannt und erörtert, und nach Wegen für einen verbesserten Brandschutz in der Heide gesucht. Beitragen soll dazu eine Einweisung von Ortswehrführern der umliegenden Ortschaften. Zudem, gab René Bruschke, Leiter des Betriebsbereichs Ost im Bundesforstbetrieb Mittelelbe, bekannt, ist für 2018 eine gemeinsame Übung der Rettungskräfte in der Annaburger Heide angedacht.

Zum Erbe der Liegenschaft gehören bis heute Blindgänger. Erst vor drei Wochen sind Mitarbeiter des Bundeswehrdienstleistungszentrums Doberlug-Kirchhain bei Pflegearbeiten auf zwei Granaten gestoßen. "Einige Flächen wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits beräumt. Aber der weitaus größere Teil ist das noch nicht", so Stabsfeldwebel Mario Reihs, der als Standortfeldwebel auch für Sicherheitsbelange der Annaburger Heide zuständig ist. Nach wie vor gebe es in der Heide Gebiete, die weiträumig gemieden werden müssen, sagte er. Das gelte auch für Feuerwehren. Deshalb sollten auch sie die Flächen bei einem Brand nur dann betreten, wenn ortskundige Kräfte der Bundeswehr oder Revierförster zugegen sind. "Immer wieder werden Munitionskörper gefunden, vom Kaliber 7,62 Millimeter bis 255 Millimeter", sagte Reihs. Dass Altmunition an die Oberfläche stößt, ist oftmals Baumwurzeln geschuldet. Daher sei auch das vorherige Beräumen von Flächen keine vollständige Garantie für Sicherheit. "Die Beräumung geschieht zumeist in 30 bis 50 Zentimeter Tiefe. Das ist nicht viel", fügte Reihs an.

Ein weiteres Problem stellt für die Einsatzkräfte das vorhandene Kartenmaterial dar, das nicht auf dem aktuellen Stand ist. Gebiete, die bedingt durch den jahrelangen Beschuss mit Artilleriemunition laut Karte frei von Baumbestand sein sollen, hat sich die Natur inzwischen zurück geholt. Damit verändert sich mitunter auch das Wegesystem. "Aktuelles Kartenmaterial ist dringend notwendig, und zwar für die gesamte Annaburger Heide, nicht nur für die einzelnen Bundesländer", mahnte Frank Ackermann, Leiter des Betreuungsforstamtes Annaburg an. Mindestens einmal im Jahr wolle man in Zukunft zusammenkommen und den Stand der Dinge erörtern. Zum Wohle der Heide, aber auch zur Sicherheit der Feuerwehrleute.