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| 01:06 Uhr

Geburtstagsfeier mit Sondererlaubnis

Brandis / Horst.. Dass Helmut Kurzrock aus Horst seinen Bruder Artur in Brandis zu einer Tasse Kaffee besuchen kommt, ist eigentlich nichts Ungewöhnliches. Anders verhält es sich dann schon, wenn der eine dem anderen zum Geburtstag gratuliert und postwendend die besten Wünsche zurück erhält. Sven Gückel



Gar nicht so ähnlich
Denn, obwohl sich beide nur sehr wenig ähnlich sehen, sind die 83-Jährigen ein Zwillingspaar. „Vorteile? Nein, die hat es nie gebracht“ , stellt Artur Kurzrock von Beginn an fest. Auch sonstige Gemeinsamkeiten habe das zweieiige Geschwisterpaar kaum. Während in Helmut eher der ruhigere Typ schlummert, ist sein vier Stunden älterer Bruder schon ungestümer. „Ich bin wie das Wetter“ , fügt er mit einem Schmunzeln an.
Bestätigung findet diese Aussage bei Arturs Frau Helga, die seit 53 Jahren an seiner Seite lebt. Drei Kinder und sechs Enkel zeugen vom guten Familienklima in Brandis.
Nicht weniger harmonisch geht es im Geburtsort der Brüder, in Horst, zu. Mit Ehefrau Ilse feierte Helmut in diesem Jahr die Goldene Hochzeit, wobei zu dieser Feier auch die beiden Kinder und die zwei Enkel am Tisch Platz nehmen konnten.
Als beide zum großen Fest am Montag auf das bisherige Leben zurückblickten, blieb die Erinnerung an einem prägnanten Datum besonders hängen.

Einst im Bunker gefeiert
Just am selben Tag vor 60 Jahren war schon einmal die Gelegenheit einer gemeinsamen Geburtstagsfeier. Jedoch fand diese 2000 Kilometer vom Heimatort in einem Bunker statt. Beide Männer dienten zu jener Zeit in der Wehrmacht und sahen sich russischen Truppen gegenüber. Mehr zufällig stellte Artur dabei fest, dass sein um Stunden jüngerer Bruder nur wenige Kilometer entfernt stationiert war. „Diesen Tag werden wir nie vergessen“ , blickt Helmut Kurzrock auf die ungewöhnliche Feier zurück. Eine Sondererlaubnis machte es möglich, diesen einen Tag gemeinsam zu verbringen. Nur wenige Tage später wurde Helmut schwer verletzt von der Front abgezogen. Artur erhielt seinen „Heimatschuss“ in Pommern. „Ohne ihn würde ich wohl heute nicht hier sitzen“ , ist der Rentner überzeugt.

Gefangenschaft trennte
Erst nach Jahren der Gefangenschaft trafen sich die Zwillingsbrüder wieder, um in heimatlichen Gefilden ihr Leben zu gestalten. Bis zum Erreichen der Rente verdienten sie sich ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft, wobei es ihnen nicht vergönnt war, den elterlichen Betrieb selbstständig weiter führen zu dürfen. Dennoch, trotz aller Schwierigkeiten, es waren schöne Jahre. Ob in der Familie, allein oder zu zweit mit dem Bruder. „Missen möchten wir davon keine Stunde“ , ergänzt Helmut.