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| 21:45 Uhr

Fusionitis: (Noch) nicht zwischen Elbe-Elster und Meißen
Was eine ominöse E-Mail bewirkt

 Der mögliche Blick über den Tellerrand grafisch dargestellt.
Der mögliche Blick über den Tellerrand grafisch dargestellt. FOTO: LR / Schubert
Elbe-Elster. Fusion der Sparkassen Elbe-Elster und Meißen?:  – Ja! – Nein! – Vielleicht! Von Frank Claus

Manche Dinge werden auf höchst seltsame Weise öffentlich. Da landet in der Redaktion der Sächsischen Zeitung (SZ) eine E-Mail, in der behauptet wird, dass die Sparkassen Elbe-Elster und Meißen im Mai 2019 fusionieren würden. Damit nicht genug: Mit Finsterwalde stünde auch schon der Hauptsitz fest und auch der Chef auf dem Sessel sei bereits gekürt: Jürgen Riecke, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Elbe-Elster.

Als wäre das alles angesichts des nötigen Vorlaufs, den eine solche Fusion vor allem auf dem politischen Parkett tatsächlich erfordern würde, nicht schon absurd genug, gibt sich der Absender der E-Mail als wer aus? Riecke.

Jürgen Riecke zeigt sich entrüstet: „Was ist das für ein Quatsch?“ Also alles nicht der Rede wert und ab in den Papierkorb? Mitnichten. Denn zumindest eins ist richtig. Zärtliche Kontakte zwischen beiden Sparkassen gibt es. Elbe-Elster-Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, wie sein sächsischer Amtskollege Arndt Steinbach (beide CDU) Vorsitzender des Verwaltungsrates, dementiert den Zeitpunkt der Fusion. Er wolle „die positive Entwicklung“ des Landkreises „auch in Zukunft gerne fortschreiben“. Dazu gehöre, so erklärt er, „dass wir Strukturen und Prozesse in unserem eigenen Umfeld und Zuständigkeitsbereich ständig analysieren und, wenn nötig, korrigieren, und anpassen sowie verbessern.“

Für den Elbe-Elster-Landrat gehöre dazu „auch der Blick über den Tellerrand, der Austausch mit Kollegen landkreisübergreifend, ja sogar länderübergreifend“. Und so stellt er die Frage in den Raum, für die der E-Mail-Schreiber provokant schon mal die Antwort parat hatte: „Was wäre, wenn zum Beispiel die Sparkassen der Landkreise Elbe-Elster und Meißen fusionierten?“

RUNDSCHAU-Informationen zufolge ist darüber auch im Verwaltungsrat der Sparkasse Elbe-Elster diskutiert worden. Allerdings ohne eine Marschrichtung vorzugeben. „Hypothetisch“, so der EE-Landrat, sei der Zusammenschluss „mal erörtert worden. Das war’s dann aber auch. Es gab dazu weder einen Tagesordnungspunkt in der Verwaltungsratssitzung, geschweige einen Gremienbeschluss.“

Dabei, so der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Elbe-Elster, Jürgen Riecke, sei eine solche Fusion durchaus reizvoll, würde die Schlagkraft für beide Seiten beträchtlich erhöhen. „Wir ticken ähnlich, haben zum Beispiel ähnliche Vertriebsstrukturen.“ Beide Sparkassen sitzen fest im Sattel, sind gesund. Elbe-Elster hat 260 Millionen Euro Eigenkapital auf der hohen Kante, die Meißner fast 300 Millionen. Eine Fusion könnte beide Seiten stärken.

In Sachsen wäre die neue Bank ein starkes Gegengewicht vor allem zur Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Denn nach Angaben der SZ würden die Sparkassen Meißen und Bautzen misstrauisch auf die Dresdner schauen. Weil die Landräte fest zu ihren regionalen Sparkassen halten, scheint momentan ausgeschlossen, dass Dresden auch das Umland schlucken kann.

Dabei bestimmen Fusionen schon lange das Bild auch in der Sparkassenlandschaft. Stefan Marotzke, Pressesprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, spricht von einer „moderaten Fusionsbewegung bei den deutschen Sparkassen“, die es seit vielen Jahren gäbe. Aktuell seien 384 Sparkassen am Markt, Ende vergangenen Jahres waren es noch 385 Institute. Den letzten Zusammenschluss habe es im Kölner Raum gegeben.

„Während Fusionen früher zumeist Ausdruck sich ändernder Wirtschaftsräume, zum Beispiel in der Folge von Kreisgebietsreformen, waren, stellen wir in den vergangenen Jahren fest, dass es mitunter auch die durch zahlreiche Regulierungsanforderungen geänderten geschäftspolitischen Rahmenbedingungen sind, die gerade bei kleineren Instituten zu Fusionsüberlegungen führen“, sagt Stefan Marotzke. Selbst die zunehmenden Regulierungsanforderungen seien kein Grund für eine Fusion mit Meißen. „Diese Anforderungen müsstest du auch nach einer Fusion erfüllen“, sagt der Elbe-Elster-Vorstand, der im Übrigen vor Fusionen keine Angst habe. „Ich habe bereits fünf erfolgreich durchgeführt“ und auch die Mitarbeiter müssten „keine Angst“ haben. Fusionen seien immer ein Prozess.

Zusammenschlüsse von Sparkassen über Bundesländergrenzen hinaus kämen ohnehin nur sehr selten vor. Genau genommen bislang nur einmal. Im Jahr 2014 haben die Sparkassen Bremerhaven (Bremen) und Wesermünde-Hadeln (Niedersachen) fusioniert. „Es gab keine weiteren, länderübergreifenden Fusionen seit 2014“, bestätigt dann auch Oliver Struck von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Eins stellt Jürgen Riecke, dessen Dienstverhältnis im November 2024 endet, gleichlautend gegenüber der SZ und der LR fest: „Ob irgendwann ein Zusammengehen verhandelt werden wird, steht gegenwärtig nicht fest und hat vor dem Hintergrund unserer sehr guten Vertriebssituation und Marktdurchdringung sowie des hohen Eigenkapitals keine Dringlichkeit.“

 Das gelte im Übrigen nicht nur für die Meißner Sparkasse. „Es gibt auch keine konkreten Verhandlungen mit anderen Sparkassen.“ Was freilich nicht bedeute, dass man nicht ständig Entwicklungen des Marktes im Blick habe.