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| 19:13 Uhr

Pilotprojekt
Für ein paar Stunden Elektroniker sein

Sechstklässlerin Laura schraubt tapfer an einem Hausanschlusskasten aus der Produktion von Uesa. Ein Versuch ist es wert.
Sechstklässlerin Laura schraubt tapfer an einem Hausanschlusskasten aus der Produktion von Uesa. Ein Versuch ist es wert. FOTO: LR / Rudow
Falkenberg. Falkenberger Grundschüler setzen ihr Pilotprojekt fort. Diesmal ging es um Technik und Pflege. Von Birgit Rudow

Sind Fünft- und Sechstklässler noch zu jung für die Berufsorientierung? Nein, meint das Bildungsbüro des Kreises und hat eine Initiative des Möglenzer Vereins „Schwalbennest“ am Grundschulzentrum Bad Liebenwerda aufgegriffen. Mit der Astrid-Lindgren-Schule in Falkenberg wurde ein Pilotprojekt gestartet. „Wir nennen es ungern Berufsfrühorientierung“, sagt Sebastian Hilbert vom Bildungsbüro. „Es ist eher eine Mischung aus Erlebnispädagogik und Praxisschnuppern.“ Das Projekt soll bei Kindern und Eltern den Fokus auf regionale Unternehmen lenken und bei den Schülern einen ersten Eindruck von Betrieben und Berufen vor Ort hinterlassen.

Im Mai dieses Jahres waren die Schüler der 5. Klasse der Lindgren-Grundschule bei der Agrargenossenschaft Beyern. An diesem Mittwoch, mittlerweile als Sechstklässler, haben sie das Projekt fortgesetzt. Diesmal zu den Themen soziale Berufe und die Elektrotechnik. Nach einem gemeinsamen Frühstück war in der großen Halle bei der Uesa in Lönnewitz Stationsbetrieb in drei Gruppen angesagt.

Die Uesa stellte ihren Ausbildungsberuf Elektroniker für Betriebstechnik vor. Der Betriebsverbund hat derzeit 28 Auszubildende. Vier von ihnen aus dem 3. Lehrjahr hatte Ausbildungsleiter Jens Jäger zum Projekttag mitgebracht. Sie standen den Grundschülern zur Seite, erklärten und beantworteten Fragen. Die Kinder haben erfahren, wie ein Hausanschlusskasten aufgebaut ist und funktioniert. Schülerin Laura hat an einem solchen Kasten rumgeschraubt und sich redlich gemüht. Dass das Handwerkliche ihre berufliche Zukunft ist, bezweifelt sie. Aber sie hat es zumindest ausprobiert.

Oskar hingegen könnte sich damit anfreunden, meinte er. Seine Gruppe war gerade an der Station der Bundeswehr. Auch hier ging es um den Elektroniker, allerdings für Systeme und Geräte. Sienne Dietrich aus dem ersten Lehrjahr zeigte den Schülern, wie sie einen „heißen Draht“ bauen können, der blinkt und piept. Lena fand das schwierig, weil man so viel Fingerfertigkeit braucht. Für Ausbilder Maik Dutschmann sind solche Projekte ein guter Ansatz, den Kindern zu vermitteln, welche beruflichen Möglichkeiten sie in der Region haben.

Darauf setzten auch Elke Staab und Maria Fischer vom Altenpflegeheim St. Marien in Bad Liebenwerda. Sie hatten am Mittwoch versucht, den Kindern spielerisch Pflegeberufe nahe zu bringen. Die sollten zum Beispiel beim Schreiben mit dunklen Brillen, Handschuhen und Kopfhörern oder beim Rollenspiel im Rollstuhl einen Eindruck davon bekommen, wie eingeschränkt alte Menschen sind. Wichtig war Elke Staab auch, ihnen zu vermitteln, dass es im Pflegebereich Berufe für alle Bildungswege vom Hochschulabsolvent bis zur Hilfspflegekraft gibt.

Dass die Angebote im Projekt altersgerecht auf die Kinder zugeschnitten waren, darüber wachte Bernd Blüher, Lehrer an der Grundschule. Die Firmen haben ihre Vorstellungen im Vorfeld bei ihm eingereicht. Mit der Falkenberger Grundschule funktioniert das Projekt super, schätzt Sebastian Hilbert ein. Das Engagement der Schule und der Unternehmen ist groß. Wenn es in Falkenberg klappt, warum soll es woanders nicht funktionieren, so der Mitarbeiter des Bildungsbüros. Ihm schwebt vor, es im Landkreis weiter auszudehnen.

Wie schreiben alte Menschen, die schlecht sehen und schlecht fühlen können? Maria Fischer hat versucht, es den Kindern zu vermitteln.
Wie schreiben alte Menschen, die schlecht sehen und schlecht fühlen können? Maria Fischer hat versucht, es den Kindern zu vermitteln. FOTO: LR / Rudow