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| 11:10 Uhr

Elbe-Elster-Kulturpreise 2017
Für die Pflege dörflicher Traditionen

Die Interessengemeinschaft „Historisches Feld“ Kolochau beim Brandenburgischen Dorf- und Erntefest 2014 in Fürstlich Drehna.
Die Interessengemeinschaft „Historisches Feld“ Kolochau beim Brandenburgischen Dorf- und Erntefest 2014 in Fürstlich Drehna. FOTO: Lutz-Peter M¸ller
Herzberg. Der Preis für Heimatpflege geht an die Interessengemeinschaft „Historisches Feld“ Kolochau.

Aus der Laudatio: Im Sommer 2000 fand sich in Kolochau ein erst kleiner und dann schnell größer werdender Kreis an interessierten Bewohnern aller Altersgruppen, um sich der Pflege dörflicher Traditionen und vor allem der Bewahrung und Weitergabe landwirtschaftlichen Kulturguts zu widmen. Geräte und Maschinen für die Feldbestellung, Ernte und Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten wurden gesammelt, repariert und betriebsfähig gemacht. Dabei stand immer im Vordergrund, das spezifische Wissen und die Fertigkeiten an die nächste Generation weiterzugegeben.

Zuerst wurde eine alte Scheune angemietet, um die Geräte unterzubringen, und die Jeßnigker Agrar GmbH stellte der Interessengemeinschaft ein brach liegendes Feld an der B 87 zur Verfügung. So konnte bereits im Juli 2001 das erste Garbenfest gefeiert werde. Die Nachbargemeinden wurden eingeladen, um im gemeinsamen Wettbewerb die erste Ernte einzubringen. Hierbei war der gekonnte Umgang mit der Sense gefragt.

2004 überließ die Gemeinde der Interessengemeinschaft die Ruine des Herrenhauses und das umliegende Gelände. In unzähligen Stunden wurde von nun an dort gewerkelt und gebaut. Zum 5. Garbenfest, im Jahre 2005, war bereits der Keller des Herrenhauses für Besucher begehbar, in dem zahlreiche Kleinausstellungen präsentiert wurden.

Links und rechts des Herrenhauses werden regelmäßig zwei Felder bewirtschaftet, auf denen man im Wechsel Getreide und Kartoffeln anbaut. Seit sechs Jahren ist zum Garbenfest im Juli ein zweites Fest im Oktober hinzugekommen: Das Kürbisfest, das mittlerweile über 1.000 Besucher nach Kolochau lockt. Lebendige Landwirtschaft mitten im Dorf ist in Kolochau eine Selbstverständlichkeit nachbarschaftlichen Gemeinwesens, gepflegt von Jung und Alt in gemeinsamer Arbeit.

Das Herrenhaus wurde weiter mit Leben gefüllt. Die Treppe wurde begehbar gemacht, die fehlende Dielung wieder eingebaut, Fenster und Türen eingesetzt und dem Haus somit erneut ein Gesicht gegeben. Auch beheizbare Öfen gehören dazu, und der Schornstein qualmt wieder. Das Haus lebt dank der zahlreichen Helfer, die schon am frühen Morgen Hand anlegen. Es ist ein Miteinander der älteren und der jüngeren Bürger, die nicht selten auch aktiv im Jugendklub, dem Karnevalsverein, dem Sportverein oder der Freiwilligen Feuerwehr sind. Die zahlreichen Zimmer des Hauses sind gefüllt mit Kulturgütern aus dem Alltag der Dorfbevölkerung. An offenen Sonntagen sind Besucher herzlich eingeladen, das Dorfmuseum zu besichtigen.

Mittlerweile sind die gut fünfzig Kolochauer um Gerd Walter und Gerd Brzoza gefragte Partner der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und auf dem Brandenburger Dorf- und Erntefest.

(pm/leh)