Ein Bewerbungsgespräch musste Dittgard Hapich nicht führen, als sie sich um den Posten des ehrenamtlichen Bürgermeisters in der Stadt Uebigau-Wahrenbrück beworben hat. Aber das wäre ihr nicht schwergefallen. Wie hätte es in etwa aussehen können? Vielleicht hätte sie sich möglicherweise so vorgestellt:

„Ich arbeite seit nunmehr 30 Jahren in leitender Funktion in einem kleinen Unternehmen im sozialen Bereich mit bis zu 50 ehrenamtlich Beschäftigten, habe in dieser Zeit durchaus viele Umbrüche und Neustrukturierungen erlebt und begleitet, musste mich in viele Themengebiete immer wieder neu einarbeiten. Ich habe gelernt, in der Öffentlichkeit zu stehen, aus Wenigem das Beste zu machen. Ich kann zuhören, schlichten, Kompromisse finden.“

Kurzum: Sowohl ihre Tätigkeit im Arbeitslosenverband und in der Arbeitslosen-Service-Einrichtung in Herzberg als auch die zurückliegenden Jahre als Abgeordnete und Ortsvorsteherin von Beiersdorf haben sie gut auf das vorbereitet, was jetzt von ihr als ehrenamtliche Bürgermeisterin der Stadt Uebigau-Wahrenbrück erwartet wird. Dennoch bleibt sie realistisch: „Ich weiß, es wird kein einfaches Amt. Ich habe durchaus Muffensausen, mir ist mulmig. Und ich muss noch viel lernen. Aber dazu bin ich generell bereit.“

An Ruhestand keinen Gedanken verschwendet

Eigentlich hätte sich die jüngst 63 Jahre alt gewordene Frau durchaus mit anderen Gedanken tragen können. Aber der Ruhestand kommt für Dittgard Hapich, die in der dritten Wahlperiode für Die Linken in der Stadtverordnetenversammlung mitarbeitet, längst nicht in Frage. „Zuerst einmal mache ich das Jahr noch voll. Ich will das 30-jährige Jubiläum unserer Einrichtung mitgestalten und das anstehende Jubiläum im Dezember mitfeiern. Da gibt es dann auch meinen Ausstand. Aber ich bin keine Frau, die dann zu Hause bleiben kann. Ich will noch etwas zu tun haben“, begründet sie ihren Entschluss, kommunalpolitisch Gas zu geben.

Die Familie, das weiß sie, steht da hinter ihr. Der Mann, der schon zu Hause ist, „ist zufrieden, mich beschäftigt zu sehen. Er weiß, dass mir sonst was fehlt. Und die erwachsenen Kinder wohnen leider weiter weg.“

Uebigau-Wahrenbrück

Also will sich die gelernte Ingenieurökonomin, die später noch einen Abschluss in Sozialpädagogik gemacht hat und sich auch in Krisenintervention auskennt, noch mehr für ihre Heimatstadt engagieren. „Bis Ende des Jahres wird das mit dem Job nebenher sicher etwas kompliziert, dessen bin ich mir bewusst, aber ich will mich Stück für Stück reinarbeiten“, verspricht Dittgard Hapich. Das heißt für sie auch Lehrgänge besuchen, um kommunalpolitisch sattelfester zu werden sowie bei „alten“ Hasen und Fachleuten Rat zu holen. Das habe sie schon immer so gehalten und sei gut damit gefahren.

Die aus dem Ortsteil Beiersdorf stammende neue ehrenamtliche Bürgermeisterin will vor allem zuhören, anpacken und verändern. Und das in der ihr eigenen Form: ruhig und sachlich. Eine verletzende Streitkultur sei absolut nicht ihr Ding, schiebt sie nach.

Sie setzt auf das Miteinander

„Ich werde nicht immer alles verwirklichen können, was so an Wünschen an mich herangetragen wird, aber ich will ein Ohr für die Bürger haben, will mich um ihre Belange kümmern. Eins steht sowieso fest: Ohne Bürger und Vereine, aber auch ohne die Unternehmen ist die Stadt nichts und bin ich als ehrenamtliche Bürgermeisterin nichts. Nur das Miteinander bringt uns alle voran“, ist von ihr zu hören.

In ihrem Aufgabenblock hat sich Dittgard Hapich viele Themenfelder notiert. Die reichen von der sozialen Daseinsvorsorge über das Stärken und Unterstützen der Ortsvorsteher und Vereine bis hin zum offenen Ohr für die Sorgen und Nöte der regionalen Betriebe.

Amtshandlung Empfang 2020

Eine erste „Amtshandlung“ fädelt sie bereits mit Ex-Bürgermeister Delf Gerlach ein. „Es soll wieder einen Neujahrsempfang geben“, kündigt sie an. Er wird nicht so heißen, denn im Februar wolle man nicht mehr vom Neujahr sprechen. Aber den Zweck erfülle der für den 21. Februar in Vorbereitung befindliche Treff von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft letztlich doch. Man wollen Geschafftes feiern, über Anstehendes reden, miteinander ins Gespräch kommen oder bestenfalls im Gespräch bleiben - auf kurzem Weg und in zwangloser Atmosphäre. Der Saal der Uebigauer Schützen ist bereits reserviert. Die Einladungen werden vorbereitet und in den nächsten Tagen verschickt.

Verbandsgemeinde Liebenwerda - Update Das sind die ehrenamtlichen Bürgermeister

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