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| 02:39 Uhr

Freileben liegt am Tor zur Hölle

Freileben. In dem kleinen Dorf Freileben – zu Lebusa gehörig – hat sich wieder mal etwas Neues gezeigt: An drei Stellen sind neue Straßen- und Hinweisschilder aufgestellt worden. Naja, neu sind sie eigentlich nicht. Rudolf Könitz

Vor über 20 Jahren wurden sie von hiesigen Handwerkern in besonderer und einmaliger Form entworfen und gefertigt. Im Laufe der Zeit sind sie jedoch unansehnlich geworden. Durch die Initiative von tüchtigen Leuten im Dorf sind die Schilder abgenommen und neu aufgestellt worden. Peter Hoffmann hat sie in liebevoller Kleinarbeit restauriert und farblich erneuert. An naturbelassenen Holzpfählen befestigt, zeigen sie nun wieder wo es langgeht. Doch halt, wo's zur Hölle geht? Soll das ein Witz sein? Nein. An einem Ortsausgang des Dorfes fängt wirklich gleich die Hölle an. Eine Schautafel am Waldrand informiert den Wanderer: "Naturschutzgebiet und Schulwald Freilebener Hölle". Auf einem 17 Hektar großen Waldstück sind seit über 170 Jahren mächtige Buchen und Eichen herangewachsen mit schlanken Baumkronen bis zu einer Höhe von 36 Meter. Dies war sicher einmal ein dichter, dunkler Urwald - heute ist er fast durchsichtig. Ein Trampelpfad führt nicht nur hinein, sondern auch wieder heraus aus der "Hölle der Baumriesen". Allerdings scheint es mehr ein friedlicher Märchenwald zu sein mit all den mächtigen Stämmen und den sich wiegenden Kronen. Andererseits sieht man auch mehrfach vom Sturm umgerissene Bäume, die in natürlichem Verfall der Tier- und Pflanzenwelt zugute kommen. Da liegt zum Beispiel eine vom Holzpilz befallene und vom Sturm gefällte mächtige Buche. Auch diese Hölle hat also ihre Vergänglichkeit. Die Ureinwohner und Erbauer von Freileben sind wohl im Baujahr 1946 nicht bis in diesen "Urwald der Hölle" vorgedrungen, um Bauholz für ihre Häuser zu gewinnen. Eine Tafel am Haus Nummer 6 an der Straße zum Buchengrund erinnert an die erste Grundsteinlegung am 1. September 1946 nach für uns kaum noch vorstellbarer, mühseliger Handarbeit beim Aushub der Baugruben. Heute ist Freileben mit der "Freilebener Hölle" und mit den aufgestellten neuen Schildern ansehnliches Dorf - umgeben von Kiefernwald, Mischwald, Birken, alten Eichen und Buchen sowie nachwachsenden Gehölzen. Die stärkste und damit wohl auch älteste Eiche im weiteren Umfeld gehört allerdings nicht zum Gebiet der Hölle. Sie steht von Lebusa her unweit des Fahrradweges nach Weidmannsruh und hat einen Umfang von mehr als sieben Metern und damit einen Durchmesser, der fast zweieinhalb Meter misst - welch ein Urahne der hiesigen Baumwelt. Die Freilebener Hölle ist also ein friedlicher, ungefährlicher, wenn auch sehr alter Wald, zu dem auch unsere neuen Schilder im Dorf freundlich einladen.