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| 17:54 Uhr

Bescheid aus Ministerium
Freie Schule Uebigau nicht genehmigt

In der ehemaligen Grundschule Uebigau sollte die Freie Naturschule ihr Domizil haben.
In der ehemaligen Grundschule Uebigau sollte die Freie Naturschule ihr Domizil haben. FOTO: Sylvia Kunze
Uebigau. Große Enttäuschung in der Stadt und beim Lenka-Verein. Christin Heidrich bemängelt Kommunikation mit Potsdam. Genilke spricht Ministerium Willen zur Genehmigung ab. Von Birgit Rudow

Maßlose Enttäuschung nicht nur in Uebigau. Das Bildungsministerium des Landes Brandenburg hat die Gründung einer Freien Naturschule in Trägerschaft des Lenka-Vereins in Uebigau erneut nicht genehmigt. Anfang Juli ist der ablehnende Bescheid dazu beim Verein eingegangen.

Am 20. Juni waren Nadine Kramer und Christin Heidrich vom Verein, Uebigau-Wahrenbrücks Bürgermeister Andreas Claus und der Kreistagsvorsitzende Thomas Lehmann noch einmal zu einem Gespräch im Bildungsministerium bei Staatssekretär Thomas Drescher gewesen. „Wir haben die Gelegenheit genutzt, auf alle Detailfragen einzugehen. Aber alle kommunalpolitischen Aspekte haben keine Rolle gespielt. Ich kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Die Freie Naturschule wäre ein ergänzendes Angebot zur vorhandenen Schullandschaft gewesen. In der Schulentwicklungskonzeption Elbe-Elster Süd ist eine solche Variante enthalten. Es gibt einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung. Wir hatten alle Rahmenbedingungen passend gemacht “, so Andreas Claus.

20 Seiten ist der Ablehnungsbescheid lang, sagt Christin Heidrich vom Verein Lenka. Dabei habe der Zwischenbescheid sie und die Vereinsvorsitzende Nadine Kramer positiv gestimmt. Nur zur sonderpädagogischen Betreuung sei noch etwas nachzuliefern gewesen. Christin Heidrich bemängelt die mangelnde Kommunikation mit dem Ministerium. „Wenn wir eine gute Kommunikation gehabt hätten, hätten wir alles schnell regeln können. Aber das war nicht so“, sagt sie. Das Ministerium habe sich Bearbeitungszeiten von einem halben Jahr und länger gelassen und den Antragstellerinnen Fristen von drei Wochen gestellt.

Letztendlich habe das Ministerium als Ablehnungsgrund die Qualifikation und den Einsatz der Lehrkräfte als nicht ausreichend erachtet, sagt Christin Heidrich. Für die Freie Naturschule hatte der Verein eine Sonderpädagogin, eine Lehrerin, eine Naturpädagogin und eine Seiteneinsteigerin, die schon an einer freien Schule gearbeitet hat, gewinnen können. „Die Ansprüche, die das Land an die Qualifikationen stellt, sind utopisch. Da wird die Ausbildung und Erfahrung der Lehrkräfte kleiner gemacht, als sie sind. Das ist Kritik auf hohem Niveau“, sagt Heidrich, zumal das Ministerium wisse, dass die Besetzung mit Lehrpersonal auch an seinen Schulen nicht perfekt ist.

So sieht es auch der CDU-Landtagsabgeordnete Rainer Genilke, der sich in einer Stellungnahme zu der Ablehnung öffentlich äußert. „Das Hinhalten, Aussitzen und das Nichtanerkennen von Studienabschlüssen und Lebensleistungen von jetzt schon aktiven Lehrern ist ein nicht zu akzeptierendes Mittel von ministerieller Arbeit. Das alles im Übrigen vor dem Hintergrund, dass fast ein Drittel der neu einzustellenden Lehrer in Brandenburger Schulen nunmehr Seiteneinsteiger sind und damit nicht studierte Lehrer“, schreibt er. Leicht zu klärende Sachverhalte seien zu unüberbrückbaren Problemen aufgebauscht worden. Es habe zu keinem Moment den wirklichen Willen zur Genehmigung durch das Ministerium gegeben, so Genilke.

Laut Christin Heidrich sollten ab dem neuen Schuljahr elf Kinder die Freie Naturschule besuchen. Anmeldungen gab es aus Uebigau, Falkenberg und Elsterwerda, aber auch aus Weimar und Erfurt. „Junge Eltern wollten in die Region Elbe-Elster zurückkommen, wenn es diese alternative Schulform hier gäbe“, sagt sie. Das wäre eine große Chance für den ländlichen Raum gewesen. Das Land habe diese Motivation aber nicht unterstützt. Im Gegensatz zu Kommune, Politik und Wirtschaft vor Ort. „Selbst der Vorsitzende des Bundesverbandes freier Alternativschulen Tilmann Kern hat dieses Engagement, das man nicht überall findet, als außergewöhnlich gut bezeichnet“, sagt Christin Heidrich.

Der Lenka e.V. will nicht aufgeben. „Wir kämpfen weiter und haben vor, gegen den Ablehnungsbescheid in den Widerspruch zu gehen“, so Christin Heidrich. Allerdings müsse man damit rechnen, dass solch ein Verfahren bis zu zwei Jahre dauern kann. „Und dann wissen wir nicht, ob uns das pädagogische Personal noch zur Verfügung steht“, beschreibt sie schon mal Hindernisse auf diesem nicht einfachen Weg.