Von Birgit Rudow

Der Kiefernwald, einer unserer wichtigsten ökologischen Faktoren im Elbe-Elster-Kreis, kämpft ums Überleben. Kiefernborkenkäfer und andere Kiefernstammschädlinge fressen sich massenhaft durch die Bestände und lassen die Bäume absterben. Michael Kopka, ehemaliger Revierförster in Schönewalde und jetzt beim Landesbetrieb Forst für die Schädlingsbekämpfung zuständig, ist mehr als besorgt. „Eigentlich sollten in Elbe-Elster etwa 900 Hektar gegen die Forleule gespritzt werden. Aber im Ergebnis des Wintermonitorings ist das zum Glück nicht erforderlich“, sagt er. Kopka leitet derzeit die Einsätze gegen die Nonne in anderen Landkreisen, bei denen die Forst auch immer wieder auf Widerstand stößt.

„Bei uns in Elbe-Elster sind das größte Problem die Kiefernstammschädlinge. Die Schäden sind gravierend. Bisher sind bereits 1400 Festmeter Schadholz gemeldet, die der Blaue Kiefernprachtkäfer verursacht hat, 1000 Festmeter sind es durch den Zwölfzähnigen Kiefernborkenkäfer. Schwerpunkt sind hier die Reviere Elsterwerda und Finsterwalde. Der Fichtenborkenkäfer sorgt im Raum Doberlug-Kirchhain auf 12,5 Hektar für Absterbeerscheinungen. Die Dunkelziffer bei den Schäden ist aber noch höher. Die Förster kommen ja nicht in jeden Winkel ihres Reviers“, sagt Kopka.

Und wie sieht es konkret vor Ort aus? Die RUNDSCHAU hat sich in dieser Woche im Kiefernwald bei Jagsal im Revier Buchhain mit Revierförsterin Katrin De Jongh, den privaten Waldbesitzern Hubert Stachitz und Georg Fischer aus Jagsal sowie der Landtagsabgeordneten Iris Schülzke getroffen, die um Information und Aufklärung der Waldbesitzer bemüht ist.

Wie hoch der Anteil der geschädigten Kiefern in ihrem gut 3000 Hektar großen Revier zwischen Friedrichsluga, Malitschkendorf, Buchhain und Langennaundorf mit mehr als 400 Waldbesitzern ist, kann Katrin De Jongh nicht genau beziffern. „Das ist schwierig. Wenn wir jetzt 30 Grad bekommen, wird es schlagartig mehr“, sagt sie. Wie Hubert Stachitz und Georg Fischer, der sich um den Wald seines Sohnes kümmert, meinen, könnten es in manchen Flurstücken bis zu 80 Prozent sein.

Die Ursachen für den massiven Borkenkäferbefall sind vielschichtig, so Katrin De Jongh. Die Kiefernwälder sind noch vom Fraß der Kiefernbuschhornblattwespe 2016 geschwächt. „Sie brauchen etwa fünf Jahre, um sich davon zu erholen“, so die Försterin. Sie haben noch zu wenig Nadeln – das Kraftwerk des Baumes, wie Katrin De Jongh es nennt – und kämpfen deshalb ums Überleben. Der trockene Sommer 2018 hat ihnen dabei nicht geholfen. Gesunde Bäume könnten sich gegen die Schädlinge wehren. Aber bei massiver Trockenheit lasse der Harzfluss nach und die Käfer könnten sich im Bereich der Wachstumsschicht des Holzes ausbreiten, erklärt die Försterin. Die Bäume hätten einfach zu wenig Wasser.

Bei Hubert Stachitz und Georg Fischer schwingt immer noch der Groll darüber mit, dass die Naturschutzbehörde 2016 das Spritzen gegen die Buschhornblattwespe in großen Teilen des Kreises nicht gestattet hat. Für die beiden Waldbesitzer ist das der Ausgangspunkt für das heutige Desaster. Iris Schülzke sieht das ähnlich. „Jetzt entsteht hier ein großer ökologischer Schaden. Auf unseren Böden wachsen vor allem Kiefern. Aber auch sie binden Kohlendioxid und bieten wertvolles Holz für die Region“, sagt sie.

Gegen den Borkenkäfer kann man auf großen Flächen mit chemischen Mitteln nichts ausrichten, meint Katrin De Jongh. Sie wünscht sich massive Niederschläge, die die Bäume stärken. Aber an erster Stelle stehe die Waldhygiene, so die Revierförsterin. Alle befallenen oder schon abgestorbenen Bäume müssten aus dem Wald raus. „Tote Bäume am Boden, die von den Stürmen schon länger liegen, sind keine Gefahr. Aber frisch vom Käfer befallenes Holz oder Bäume mit nur etwa noch zehn Prozent Benadelung müssen entfernt werden“, sagt sie.

Hubert Stachitz und Georg Fischer haben totes und krankes Holz aus ihren Flächen rausgeholt. Sie haben sich Rat bei der Försterin geholt. Allerdings schauen sie mit Sorge auf Nachbarflächen, wo sich niemand kümmert. Katrin De Jongh weiß, dass das für die Waldbesitzer eine schwierige Situation ist. „Es ist schwer, Firmen zu bekommen. Der Holzpreis ist im Keller. Aber das Holz muss aus dem Wald raus“, sagt sie. „Die Waldbesitzer können die Revierförster jederzeit kontaktieren. Wir versuchen zu helfen, geben Hinweise zum Holzeinschlag, informieren über Förderungen. Aber die Besitzer müssen sich auch um ihrer selbst willen melden“, appelliert sie.

Generell, so Michael Kopka, könne man dem Problem nur durch den Waldumbau begegnen. „Das ist auf den mageren Böden in Elbe-Elster schwierig, aber es geht“, sagt er. Die Gegenspieler zu den Schadinsekten brauchen Lebensraum, so Kopka.