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| 02:41 Uhr

Flüchtling hilft neuen Flüchtlingen

Moas Sayed Taleb (r.) hilft Ali Alelean beim Asylantrag.
Moas Sayed Taleb (r.) hilft Ali Alelean beim Asylantrag. FOTO: Zeidler
Elsterwerda. Der syrische Flüchtling Moas Sayed Taleb macht seit zwei Wochen seinen Bundesfreiwilligendienst beim Verein Freiraum Elsterwerda. Dort hilft er nach seinem Sprachkurs den anderen Flüchtlingen bei Alltagsproblemen. Michèle-Cathrin Zeidler

Moas Sayed Taleb steht neu ankommenden Flüchtlingen in Elsterwerda mit Rat und Tat zur Seite. Er nimmt die Hand beim Arztbesuch, begleitet bei Behördengängen und springt als Übersetzer ein. "Ich habe schon Erfahrung in all diesen Dingen und möchte anderen gerne helfen", sagt der 23-jährige Flüchtling. Daher absolviert er seit zwei Wochen seinen Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) im Freiraum Elsterwerda. "Deutschland hat so viel für mich getan. Ich möchte gerne etwas zurückgeben," so der Syrer.

Er konnte es gar nicht abwarten zu arbeiten: "Ich möchte so schnell wie möglich für mich selbst sorgen und kein Geld mehr vom Jobcenter bekommen." Bereits vor seinem offiziellen Bufdi hat er daher öfters im Freiraum Elsterwerda geholfen.

Moas Sayed Taleb ist einer von 44 Flüchtlingen in Brandenburg, der einen Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug absolviert. Zum einen wird in diesem Sonderprogramm vom Bund der Einsatz von Freiwilligen in der Flüchtlingshilfe unterstützt. Zum anderen können Asylberechtigte und Asylbewerber, bei denen ein rechtmäßiger und dauerhafter Aufenthalt zu erwarten ist, einen Bundesfreiwilligendienst in allen anerkannten Einsatzstellen leisten.

Kerstin Schenkel gefällt das Programm. "Der Gedanke, dass Flüchtlinge die schon länger hier sind, den Neuen helfen, ist ideal", so die Chefin vom Freiraum Elsterwerda. Auch mit ihrer neuen Hilfe ist sie sehr zufrieden. "Moas kann schon gut Deutsch, und die Ämter wissen seine Hilfe zu schätzen." Seit neun Monaten ist Moas Sayed Taleb mittlerweile in Deutschland. Seine Flucht führte ihn über die Türkei, Griechenland und Ungarn. "Die Sprache ist der Schlüssel zu meinem Leben in Deutschland", weiß er und besucht daher seit sechs Monaten täglich einen Sprachkurs. "Ich mag das Land und die Sprache. Ich lerne gerne."

Wenn seine Sprachkenntnisse ausreichen, möchte er gerne einen Imbiss für Falafeln und Hummus eröffnen. Trotzdem will Moas Sayed Taleb nicht für immer hier bleiben: "Wenn der Krieg vorbei ist, gehe ich zurück nach Syrien und helfe beim Aufbauen." Bis dahin plant er Projekte zum kulturellen Austausch. "Viele Menschen haben Angst vor uns Flüchtlingen", weiß er. "Aber wir sind vor dem Krieg geflohen und wollen nur in Frieden leben."

Zum Thema:
Der Bund stellt im Rahmen eines Sonderprogramms neben den regulären Bundesfreiwilligendienstplätzen bis zu 10 000 zusätzliche Einsatzplätze mit Flüchtlingsbezug zur Verfügung. In Brandenburg wurden bisher 209 Vereinbarungen aus dem Sonderkontingent geschlossen, darunter mit 44 Flüchtlingen. Im regulären Bundesfreiwilligendienst sind in Brandenburg 1694 Personen aktiv, davon im Landkreis Elbe-Elster 105 Freiwillige.