ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:37 Uhr

Firmennachwuchs aus Syrien

Der junge Syrer Mohammad Rahal (r.) möchte in der Herzberger Stahlbaufirma Hoffmann eine Ausbildung beginnen. Firmenchef Erwin Hoffmann unterstützt ihn und bietet ihm im Vorfeld Praktika an. Er hält von seinem Schützling sehr viel.
Der junge Syrer Mohammad Rahal (r.) möchte in der Herzberger Stahlbaufirma Hoffmann eine Ausbildung beginnen. Firmenchef Erwin Hoffmann unterstützt ihn und bietet ihm im Vorfeld Praktika an. Er hält von seinem Schützling sehr viel. FOTO: Rudow
Herzberg. Am Montag findet in Finsterwalde ein Handwerkerfrühstück statt. Die Niederlausitzer Handwerkerschaft lädt dazu ein. Themen gibt es viele. Unter anderem auch die Integration von jungen Geflüchteten ins Handwerk. Der Herzberger Unternehmer Erwin Hoffmann und Mohammad Rahal machen damit gerade erste Erfahrungen. Birgit Rudow

Mohammad Rahal hat Ziele und Wünsche. Er möchte mit seiner Familie in Deutschland leben, einen Beruf erlernen und einen guten Job haben. Erwin Hoffmann, Chef der Firma Stahlbau Hoffmann in Herzberg, gibt ihm die Möglichkeit, seine Ziele zu erreichen. Er ist überzeugt davon, dass Handwerksbetriebe auch jungen Flüchtlingen eine Chance geben und deren Integration unterstützen müssen.

Mohammad Rahal ist 2015 aus Syrien geflohen. Er kommt aus der Hafenstadt La Takia. Mittlerweile ist der 24-Jährige, der schon sehr gut deutsch spricht, als Flüchtling anerkannt und lebt mit seiner Frau, dem zweijährigen Sohn und der sieben Monate alten Tochter in einer eigenen Wohnung in Herzberg. In der Heimat hat er die Schule abgeschlossen und anschließend sein Geld mit Lkw-Fahren verdient. Eine Berufsausbildung hat Mohammad nicht. Doch das will er jetzt nachholen.

Bei einer Firmentour des Jobcenters Elbe-Elster und der Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft im vergangenen Jahr sind sich der junge Syrer und Erwin Hoffmann das erste Mal begegnet. Mohammad hat sich dazu entschlossen, es bei der Stahl-baufirma in Herzberg zu versuchen und eine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker in Angriff zu nehmen. Doch der Weg bis dahin ist noch weit. Derzeit absolviert der 24-Jährige im Betrieb ein dreimonatiges Praktikum. Er arbeitet im Edelstahlbereich und fertigt Handläufe für verschiedene Projekte. Die Arbeit gefällt ihm. Auch die Kollegen seien super, sagt er und lobt seinen Chef in den höchsten Tönen. Erwin Hoffmann gibt das Lob zurück. "Mohammad ist zuverlässig, pünktlich, fleißig, höflich und dankbar. Die Kollegen akzeptieren und unterstützen ihn", sagt er. Den Weg seines Schützlings bis zum Facharbeiter sieht der Firmenchef optimistisch. Dem Praktikum folgt eine halbjährige Einstiegsqualifizierung. "In dieser Zeit wollen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Mohammad seine dreieinhalbjährige Ausbildung erfolgreich absolvieren kann", so Erwin Hoffmann. So soll er im Februar zum Beispiel einen Gabelstaplerlehrgang absolvieren.

Nach diesem halben Jahr beginnt dann die Ausbildung. Das praktische Rüstzeug bekommt Mohammad bei Stahlbau Hoffmann und bei außerbetrieblichen Lehrgängen in der Ausbildungsstätte der Handwerkskammer in Gallinchen. Die Theorie wird am OSZ in Elsterwerda vermittelt. Ziel von Erwin Hoffmann und Mohammad ist es, die Lehre vielleicht ein halbes oder ein ganzes Jahr früher abzuschließen. Das Handwerk braucht den Nachwuchs dringend. "Mit der Ausbildung junger Flüchtlinge haben wir die Chance, Fachpersonal zu gewinnen", sagt Hoffmann.

Zum Thema:
Das Handwerkerfrühstück, zu dem die Niederlausitzer Handwerkerschaft künftig regelmäßig einladen möchte, beginnt am Montag um 10 Uhr in der Bildungsstätte Gröbitzer Weg in Finsterwalde. Die Geschäftsführerin der Niederlausitzer Handwerkerschaft Ellen Lösche rechnet mit etwa 35 Teilnehmern, vor allem Innungsobermeister. Zu den Gästen und Referenten gehören die Geschäftsführerin des Jobcenters Elbe-Elster Eike Belle, Katrin Rothländer vom Ministerium für Arbeit und Soziales Brandenburg und die Willkommenslotsin Sandra Gnosa.